Aktion
Macherinnen
Wo Frauen führen, wachsen Frauen nach!

Frauen in Führungspositionen ziehen weibliche Talente magisch an und ermutigen sie allein durch ihre Präsenz im Unterneh­men, weiter nach oben zu steigen. Wir freuen uns daher, Ihnen unsere MACHE­RINNEN, mehr als 20 Vorbild­frauen aus den Bündnis­unternehmen, vorstellen zu können. Wenn Frauen exklusive Zirkel aufbauen und auf dem Weg nach oben – wie eine große Schwester – andere Frauen mit­ziehen, erhöhen wir die Geschwindigkeit für MIT FRAUEN IN FÜHRUNG. Das ist die Kernidee der Aktion MACHERINNEN.

Die Erfolgsgeschichten der MACHERINNEN wurden von den Mentees aus den Cross-Mentoring-Projekten des Bündnisses MIT FRAUEN IN FÜHRUNG aufgeschrieben.

HELGA BLÜMEL

Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region

HELGA BLÜMELGeschäftsführerin Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchen­verbandes Köln und Region

Wer denn sonst, wenn nicht wir?

Frau Blümel, was ist für Sie als Geschäfts­führerin der Kölner Diakonie Ihr aktuell wichtigstes Ziel, was ist die größte Heraus­forde­rung, und welche Eigen­schaft ist die, die Ihnen hier am meisten hilft?

Mein wichti­gstes Ziel ist die Zukunfts­fähig­keit des Diako­nischen Wer­kes. Wir sind genauso wie die Wirt­schaft in Refinan­zierungs­druck und müssen dabei unsere Werte­orientierung, Quali­tät der Unter­stüt­zung und die Nähe zum Men­schen erhalten. Hier helfen mir meine Stärken des Vernetzens, Kommuni­zierens und nicht autoritär, sondern in dialo­gischen Struktu­ren zu leiten. Eine Vision zu haben und klare Vor­gaben zu machen, schließt nicht die kollektive Ver­gewisse­rung über die Richtig­keit der eigenen Sicht­weise aus.

Heutzutage haben wir ja den großen Vorteil, dass durch ein neues Bewusstsein unserer Generation die Frauen­förde­rung strukturier­ter verläuft, organisiert ist. Mir wur­de eine Mento­rin zugeteilt. Frau Blümel, hatten Sie auf Ihrem Karriere­weg einen Mentor oder eine Mentorin, und wie haben diese Sie besonders geprägt, sowohl beruf­lich als auch persön­lich?

Ich habe nie eine Mentorin gehabt, aber in der Jugend­arbeit hatte ich eine kluge, emanzi­pierte, gebil­dete Frau, die sehr lan­ge mein Vor­bild war. An der Hoch­schule habe ich mich an meiner evange­lischen Lehr­beauftrag­ten orientiert. Meine erste Leit­frau war engagiert und zäh, die zweite eher souverän und ruhiger, was sicher nicht zuletzt am Alter lag.

Hingen aus Ihrer Sicht die größten Heraus­forderungen in Ihrem Le­ben damit zusammen, dass sie eine Frau sind?

Das war sicherlich so, aber es war nicht die größte Heraus­forderung. Ich bin aus der Zeit nach 1968 entsprungen. Für mich war klar, dass wir das machen müssen: wer denn sonst, wenn nicht wir? Und deshalb habe ich es gemacht, und das mit sehr viel Spaß.

Hat das religiöse Umfeld, in dem Sie arbeiten, einen positiven Einfluss auf Gender Mainstreaming und Chancengleichheit und können Sie Beispiele nennen, wie die Diakonie Köln in dieser Hinsicht ein Vorbild ist?

Es gibt in der Theologie feministische Strömungen, aber Gott ist ein Mann, Jesus ein Mann. Ich war nie Feministin, ich wollte immer nur die Welt verbessern. Ich habe nicht für Frauenrechte gekämpft, sondern für Werte. Ich gehe als Mensch meinen Weg und das religiöse Umfeld hat mich dabei gestärkt. Ich habe die Gabe, ressourcen­orientiert, nicht defizit­orientiert, auf Menschen zuzugehen. Im Leben, wie in der Führung ist es wichtig, die Differenziert­heit der Menschen und deren Stär­ken zu erkennen. In unserem Haus sind wir bezüglich Gen­der Mainstreaming und Chancen­gleich­heit absolut vorbild­lich aufgestellt: wir sind ein Frauen­laden. Statt Streit­kultur wert­schätzen wir einander.

Gloria Steinem hat einmal gesagt: „The person with the power takes the noun – and the norm – while the less powerful requires an adjective.“ Manchmal überlege ich mir, wie viele Adjektive ich mit mir herumtrage. Ich bin nicht einfach nur ich. Ich bin eine „Frau“, „Karrierefrau“ (das muss man als Frau noch spezifizieren, wobei ein beruflicher Mann auf dem Weg nach oben die Norm ist), ich bin außerdem „Mutter“, und ich bin eine „Frau mit Migrations­hinter­grund“… Helfen solche Attribute und sind sie noch notwendig und zeitgemäß? Oder sollten wir Vor­reiter sein und uns nicht kategorisieren lassen, um dadurch unser Umfeld zu zwingen, uns als Indivi­duum zu sehen und nicht die falschen Attribute?

Ich glaube, dass wir vom Prinzip her die Attribu­te nicht mehr brau­chen. Aber man kann sie taktisch einsetzen: ich war das „Kind armer Eltern“ und habe es „alleine geschafft“. Das Kategorisieren war für meine Identitäts­bildung und mein Selbst­bewusst­sein förderlich. Klassen­bewusst­sein oder Migrations­hinter­grund, kann Ehrgeiz entwickeln. Wenn die­se Attribu­te aber nicht mehr nötig für die Persönlichkeit ist, muss man sie auch wieder able­gen können.

Was würden Sie sich wünschen, dass Menschen über Ihren Job und Ihren Arbeit­geber wissen?

Ich würde mir für meinen Job wünschen, dass die Viel­falt der Auf­ga­ben und die gesellschaftliche Not­wendig­keit des diako­nischen Handelns mehr in der Öffentlich­keit gesehen würde. Menschen sollen wissen, dass wir eine hohe Qualität in unserer Arbeit haben, hier kann man sich vertrauens­voll hinwenden, da ist man in gu­ten Händen.

Interviewt von:
ANISSA SAYSAY | Jobcenter Köln

DR. DANIELA BÜCHEL

REWE Group

DR. DANIELA BÜCHELBereichsvorstand Handel Deutsch­land – Ressort HR I Nachhaltigkeit REWE Group

Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern!

Wie war Ihr Karriereweg?

Ich habe mich nach dem Abitur für ein Ökonomie-Studium an der idyllischen Uni Hohen­heim in Stuttgart entschieden. Während meines Studiums habe ich ein Auslands­semes­ter in Lissabon ab­solviert. Englisch und Französisch konnte ich schon gut, nun wollte ich auch Portugiesisch lernen. Nach meinem Stu­dium habe ich am Institut für Handels­forschung promoviert. Ich habe dort viele Beratungs­projekte, jedoch eher im Pharma­bereich durch­geführt. Einige Projek­te führten mich auch in den LEH, unter ande­rem habe ich die Ein­füh­rung der Balanced Score Card bei der REWE Group beglei­tet. Über diesen Weg habe ich auch erste Kontak­te zu REWE geknüpft und war schnell überzeugt bei der REWE einzu­stei­gen. Ausschlag­gebend waren für mich die Dyna­mik des Business und der überzeugende Chef! Bei REWE bin ich im Konzern­controlling eingestie­gen und habe dann diverse Bereiche verantwortet, u.a. das Konzern­marke­ting, die Nach­haltig­keit und Public Affairs. Mir waren immer Themen wichtig, bei denen ich das Gefühl hatte, etwas bewe­gen zu können. Im Mittel­punkt steht hier das Arbeiten mit Men­schen, Wer­ten und anderen Kultu­ren.

Es gibt nie den einen vor­gezeichne­ten Karriere­weg, es ist viel­mehr eine Mischung aus Leistungs­bereit­schaft, Eigen­initiati­ve, Offenheit und vor allem auch Glück. Ich hatte oft das Glück, zur richti­gen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern – ganz im Sinne eines Mentors. Auch ich hatte diverse Mentoren. Ich bin ich sehr stolz, ein Teil der REWE-Kultur sein zu dürfen!

Was würden Sie heute anders machen?

Rückblickend würde ich mir beim Start in eine größere Führungs­rolle von vorne herein Unterstützung durch ein entsprechendes Coaching holen. Vor 10 Jahren gab es quasi keine Coachings im Unternehmen. Es ist wichtig, das Thema Führung sehr ernst zu nehmen und sich hier entsprechend zu entwickeln. Außerdem würde ich mir meine eigenen Ziele deutlicher formulieren. Es ist wichtig, auch mal „nein“ zu sagen und sich bewusst zu machen, welche Priorität man derzeit hat.

Wie wichtig ist Netzwerken für Sie? Was bedeutet für Sie Netzwerken?

Netzwerken ist wichtig, ich bezeichne es jedoch lieber als Stake­hol­der Management. Es erweitert einfach den Blick­winkel. Ich selbst nutze Netz­wer­ke, die einen inhaltlichen Be­zug zu meiner Arbeit ha­ben, beispiels­weise zu den Themen HR und Nachhaltig­keit, aber auch ein Vorstands­netz­werk, in dem ich mich regel­mäßig engagiere.

Interviewt von:
Melanie Berthold und Ina Meyer | REWE Group

DR. SARAH BRASACK I PETRA JANSSEN

DuMont Mediengruppe
I DuMont Systems

DR. SARAH BRASACK I PETRA JANSSENStellvertretende Leiterin der Kölner Lokalredaktion, Kölner Stadt­anzei­ger, DuMont Medien­gruppe I Leiterin Service Desk, DuMont Systems

Ich hab immer gedacht,
Warum eigentlich nicht?!?

Möglichst viel mit Humor nehmen!

Was zeich­net euch als Mache­rin aus? Bzw. seht ihr euch über­haupt so?

Sarah: Ich würde mich nie selbst als Mache­rin bezeich­nen, aber ich glaube schon, dass ich gut organisie­ren und Auf­ga­ben schnell und effizient umset­zen kann – außer­dem, dass ich gu­te Ide­en habe und in der Lage bin, diese Ergeb­nisse gemein­sam mit meinem Team um­zuset­zen.

Petra: Macherin finde ich zu hoch ge­griffen – so sehe ich mich gar nicht. Ich habe Ide­en, ich möch­te etwas er­reichen und habe Spaß, Din­ge zu gestal­ten. Da­für ist es gut, solch eine Po­siti­on zu haben. Und „That’s it“.

Sarah: Das ist aber vielleicht auch eine frauen­typi­sche Be­schei­den­heit. Natür­lich sind wir Macherinnen, aber das klingt aus eigener Perspek­ti­ve doch eher an­ge­be­risch. So etwas sagt man nicht gern über sich selbst.

Petra, du bist in dem von Männern do­mi­nie­ren­den IT-Bereich tätig und Sarah, auch du stellst als Frau auf Führungs­ebe­ne im Bereich der Re­dakti­on eher eine „Besonder­heit“ dar. Wie habt ihr euch da als Frau durch­gesetzt? Was hat euch besonders ge­macht?

Petra: In diesem männer­dominier­ten Um­feld fiel es mir tat­säch­lich nicht allzu schwer mich ein­zu­fin­den. Und ich konnte gut das ein­set­zen, was mir liegt: Kommuni­ka­tion! Zum Beispiel in der Schnitt­stelle Anwender & IT. Das ist im IT-Bereich bei vielen Kollegen nicht so aus­ge­prägt. Die kümmern sich oft lieber um komplizierte techni­sche The­men. In meiner tägli­chen Arbeit schätze ich es sehr, mit vielen Männern zusammen­zu­arbei­ten. Ich hatte es nie schwer, war allerdings auch nie besonders empfind­lich. Ein klei­ner Tipp am Ran­de: möglichst viel mit Humor nehmen! So ging und geht es mir immer ganz gut in diesem von Männern ge­präg­ten Um­feld. Bei IBM in USA fand ich übrigens sehr beeindruckend, wie viele Frauen Manage­ment-Rollen hatten, und niemand erwähnte dies auch nur mit einem Wort. Das wäre für mich der Ideal­zustand: Ob Mann oder Frau in der Chef­rolle sind, ist einfach nicht der Re­de wert.

Sarah: Ich hab es gar nicht so empfun­den, dass ich mich gegen jemanden durch­gesetzt habe. Ich glaube, dass man einfach erkannt hat – und das ist ja auch nicht immer der Fall – dass ich gut bin in meinem Job. Aus meiner Sicht ist es immer noch häufig so, dass Vor­gesetzte zu Mit­arbeitern tendie­ren, die ihnen selbst ähnlich sind. Das ist dann häufig gleich­geschlechtlich einfacher. Da muss man das Glück haben, einen Vor­gesetzten zu haben, der eher den Fo­kus darauf setzt, eine gewisse Viel­falt im Team zu haben und der ganz neutral beurteilt, wer den Job am besten macht. Und dieses Glück habe ich einfach gehabt.

Was ist euer Allein­stellungs­merk­mal/USP?

Sarah: Ich kann gut mit 15 Bällen gleich­zeitig in der Luft jonglie­ren und verlie­re dabei die einzelnen Aufga­ben nicht aus den Augen. Die Fähigkeit des Multi­tasking schreibt man ja eher Frauen zu 😉

Petra: In einer Führungs­posi­tion brauchst Du einen stabi­len Charak­ter und gesun­den Menschen­verstand. Und Du solltest Menschen mö­gen. Ich mache 50% meines Jobs nur mit gesun­dem Menschen­verstand, gepaart mit Wissen & Erfah­rung natür­lich. Ich bin kein Programmierer, ich habe einen Abschluss in im phi­lolo­gischen Be­reich. Ich bin in die IT gekommen und habe mir da meine spe­ziellen Aufgaben­gebie­te ge­sucht. Zum einen war das die Kommuni­kation, zum anderen die IT-Prozesse, die damals noch auf­gebaut werden mussten. Beides habe ich ziem­lich zu Anfang als Zukunfts­feld für mich erkannt!

… ein perfekter Über­gang zu Eurem berufli­chen Werde­gang, der wie aussah?

Petra: Magister in Spanisch, Englisch, Politik. Ich wollte Journalistin werden! Ich habe dann eine Trainee-Ausbildung bei der Koeln­messe gemacht, mit der Hoffnung auf einen Job in der Presse­stelle. Statt­dessen hat man mir eine Stelle in der IT angeboten. Die Marketing­kollegen, mit denen ich zusammen­gearbei­tet hatte, sollten in kom­ple­xen neuen ERP-Syste­men geschult werden. So kam der Sprung in die Technik, und die Heraus­forde­rung habe ich an­ge­nommen. Aufgrund guter Auf­fassungs­gabe und vieler Ideen hat mein damaliger Chef mir die Gruppen­leitung an­gebo­ten. Ab da ging es für mich immer weiter auf der Karriere­leiter. Die Abteilung wurde später zur T-Systems aus­gela­gert, dort habe ich die Team­leitung behal­ten. Dann bin ich irgendwann zu IBM nach München gewechselt. Später zog es mich zurück nach Köln in ein IT-System­haus, auch, um mehr Zeit für meine kleine Tochter zu haben. Plötzlich rief mich tat­sächlich ein Head­hunter an und fragte, ob ich im DuMont Verlag die Leitung für den IT-Service Desk übernehmen möchte. Der in Köln ansässige Verlag war für mich ein super Match, bei meinem ur­sprüngli­chen Berufs­wunsch der Journalistin!

Sarah: Ich habe Musik­wissenschaften, Germanistik & Erziehungs­wissen­schaften studiert – und wollte unbedingt Journalistin werden. Nach dem Praktikum beim Ge­neral-Anzei­ger bin ich dort als freie Mit­arbeite­rin ein­gestiegen und habe zeit­gleich beim WDR in Köln gejobbt. Nach dem Magis­ter habe ich an der Uni ge­arbei­tet und dabei bereits organisatori­sche und verantwortungs­volle Auf­gaben über­nommen. Als ich 30 wurde, habe ich schließlich meinen Traum Journalistin zu werden in die Tat um­ge­setzt und beim Kölner-Stadt-Anzeiger ein zwei­jähriges Volontariat be­gonnen. Danach bin ich in die Lokal­redaktion Leverkusen ge­wech­selt und nach 6 Monaten stellv. Re­dak­tions­leiterin geworden. Noch ein halbes Jahr später bin ich Re­daktions­leiterin in Bergisch Gladbach geworden. Eigentlich hat mich immer jemand gefragt „Willst du das nicht machen?“ und ich hab immer gedacht „Warum eigentlich nicht?!?“. In Bergisch Gladbach habe ich dann auch die Zusammen­legung der Lokal­redaktio­nen vom Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau beglei­tet und neben den „normalen“ Führungs­aufga­ben noch aktiv an den Um­strukturierungs­prozessen mit­ge­wirkt. Nach dem Umbau bin ich dann nach Köln in die größte Lokal­redaktion als stell­vertretende Ressort­leite­rin gewech­selt.

Interviewt von:
Birgit Rollesbroich und Maike Neldner | DuMont

DR. NICOLE HANDSCHUHER

Sparkasse KölnBonn

DR. NICOLE HANDSCHUHERMitglied des Vorstandes, Risiko­management, Finanzen, Controlling der Sparkasse KölnBonn

Erst denken, dann handeln!

Welches waren ent­schei­den­de Erfolgs­fakto­ren, die es Ihnen ermög­licht ha­ben, be­reits im Al­ter von 39 Jahren stell­vertreten­des Vorstands­mit­glied einer Bank zu wer­den?

Da kommen na­tür­lich viele unterschied­liche Fakto­ren zusam­men. Entschei­dend für be­rufli­chen Erfolg sind in erster Linie Willens­stär­ke und Ziel­stre­big­keit.
Ich hatte zudem das Glück, wäh­rend meiner Lauf­bahn von einer Reihe von Mento­ren profi­tie­ren zu können – mit Aus­nahme einer Frau übri­gens alles Männer. Die­se ha­ben mir einen gu­ten Ein­blick in Ver­haltens­weisen erfolg­reicher Kolleginnen und Kollegen ge­ge­ben. Damit wur­de es mir beispiels­weise er­möglicht, die für diese Führungs­kräf­te ty­pi­sche Strate­gie, grund­sätzlich mehrere Schritte im Vo­raus zu planen, zu einer eigenen Stärke zu entwickeln.

Wie ge­lingt es Ihnen, sich in einem von Männern do­mi­nierten Vorstand zu behaupten?

Für mich war es sicher von Vorteil, in einem von Männern ge­prägten Umfeld groß geworden zu sein. Schon auf dem ma­the­matisch-natur­wissenschaftli­chen Gymna­sium, das ich als Kind besuchte, waren die Jungen in der Überzahl. Dieser Trend setzte sich im Berufs­leben fort.
So kommt es, dass ich mich im Vor­stand sel­ten mit dem Gedan­ken beschäftige, als Frau in der Run­de zu sein. Da­mit wiederum beein­flüsse ich, wie ich wahr­genommen werde. Was man sich selbst nicht stän­dig bewusst macht, strahlt man auch nicht aus. Kollegen nehmen mich daher hoffent­lich vor allem als ver­sierte Führungs­kraft wahr, die mit ihrem fach­li­chen Know-how überzeugt. Grund­sätzlich aber profi­tie­re ich von der Tat­sache, dass Frauen auf Vor­stands­ebe­ne immer noch Neu­land be­schrei­ten. Es gibt nur we­ni­ge Vor­bil­der, die die Er­wartun­gen des Um­fel­des an einen selbst beein­flüssen können, sodass ich die Frei­heit habe, meinen ei­genen, individuellen Stil zu prä­gen.

Haben Sie ein persön­liches Motto, das Sie auf Ihrem Karriere­weg begleitet hat?

Viele Frauen neigen meiner Er­fah­rung nach dazu, verba­le An­griffe persön­lich zu nehmen und da­rauf zu re­agie­ren, ohne vor­her die Inten­tion da­hin­ter zu eruieren. Oft handelt es sich hier­bei jedoch keines­wegs um Attacken, die auf die ei­ge­ne Persön­lich­keit ab­zie­len. Auch mög­liche takti­sche Schach­züge gilt es, vor einer Re­akti­on zu durch­schauen. Mein Motto lautet daher: Erst denken, dann handeln!

Interviewt von:
Theresa Fuchs und Stefanie Schulze  | Sparkasse KölnBonn

ELKE HOLIN

Delvag Versicherungs-AG

ELKE HOLINLeiterin des Geschäfts­be­reichs Unternehmens­entwick­lung, Del­vag Versicherungs-AG

Lebensklugheit bedeutet: Alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.

(Arthur Schnitzler)

Was hat Ihnen bei Ihrem bisherigen (beruflichen) Lebensweg am meisten geholfen?

Auf meinem beruflichen Lebensweg hat es auch sehr herausfordernde Situationen gegeben, die mich stark forderten. In diesen Zeiten hat es mir geholfen, einen Schritt zur Seite zu gehen, Ruhe zu bewahren, die Situation von einer anderen Perspektive zu betrachten und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Ich habe diese Situationen immer als Chance begriffen, da sich für mich so oftmals neue Wege eröffnet haben, die ich andernfalls vielleicht nicht erkannt und mich somit auch nicht darauf eingelassen hätte. Ich habe auch gelernt, dass der Karriereweg nicht immer strikt geradeaus gehen muss. Ich halte es für sinnvoll, einen roten Faden in der beruflichen Planung zu verfolgen, der den persönlichen Neigungen und Stärken entspricht, ansonsten darf der Weg auch gerne mal etwas gewunden sein. So kann man nach der nächsten Biegung mit neuen und positiven Möglichkeiten überrascht werden.

Was sind Ihre Karrieretipps?

Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und ab und an eine Standortbestimmung durchzuführen. Dazu gehört auch der Blick zurück: Was habe ich erreicht, welche Stärken haben mir dabei geholfen, worauf kann ich mich verlassen? Aus dieser Position der Selbstreflektion heraus ist es einfacher, die berufliche Entwicklung im eigenen Sinne zu steuern und sein Profil zu schärfen. Auch schwierigen Situationen kann man sich nach meiner Erfahrung damit besser stellen.
Ein weiterer Tipp: Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich bieten – durchaus auch mit dem berühmten Mut zur Lücke, d.h. Unsicherheitsfaktoren in Kauf zu nehmen. Im besten Fall führt die Beschäftigung mit dem Unbekannten zu einer Schärfung bzw. Erweiterung des eigenen Profils und ist somit eine Investition in die Zukunft.

Haben Sie ein Motto, das Sie begleitet?

Die Ausgestaltung des Geschäftsbereichs Unternehmensentwicklung bedeutet Impulse zu setzen und Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Dies erfordert ein hohes Maß an Präsenz, Kommunikation, aber auch Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – manchmal scheinbar über das Machbare hinaus. Das oben genannte Zitat erinnert mich daran, Dinge zu relativieren, den Überblick zu behalten und alles in eine kluge Reihenfolge zu bringen.

Interviewt von:
Bettine Schreiner | Delvag Versicherungs-AG

SILKE HOREMANS

Flughafen Köln Bonn GmbH

SILKE HOREMANSProkuristin und Leiterin des Geschäftsbereich Immobilien bei der Flughafen Köln Bonn GmbH 

Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen.

(Erich Kästner)

Beschreiben Sie Ihren bisherigen Werdegang.

Parallel zu meinem BWL-Studium habe ich an einem Trainee-Programm bei Peek & Cloppenburg teilgenommen und hatte bereits im Rahmen dieser Tätigkeit Führungsverantwortung. Nach meinem Abschluss als Diplom-Kauffrau habe ich mich bei Peek & Cloppenburg zur stellvertretenden Geschäftsführerin einer Filiale entwickelt. Danach habe ich eine leitende Position in einem englischen Unternehmen angenommen. Diese Position war mit vielen Auslandsaufenthalten in England verbunden. Nachdem die Firma ihre deutschen Filialen geschlossen hatte, bin ich als Abteilungsleiterin Retail zum Flughafen Düsseldorf gewechselt. Seit 2004 bin ich am Flughafen Köln/Bonn Prokuristin und leite den Geschäftsbereich Immobilien, der schwerpunktmäßig die Vermietung und Vermarktung der Flughafenflächen vornimmt.

Unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem Ihrer männlichen Kollegen?

Ich war noch nie ein Mann. Generell würde ich einen Führungsstil nicht geschlechterspezifisch festlegen. Es ist vielmehr eine Mentalitätsfrage der einzelnen Führungspersonen. Oft wird Frauen nachgesagt, dass sie sich mehr Gedanken machen und sensibler sind. Ich kenne jedoch auch viele männliche Führungspersonen, auf die das zutrifft.
Zitate der männlichen Mitarbeiter:
„Sie merkt, wenn es einem nicht gut geht.“
„Sie ist fördernder, aber auch fordernder.“
„Sie hinterfragt mehr und will mehr verstehen“.

Was sind Ihre Karriere-Tipps?

Wichtig ist, dass man sich im Job „sichtbar“ macht und Gehör verschafft und sich nicht leise hinter seinem Schreibtisch „versteckt“. Als Frau neu in einem Unternehmen oder neu auf einer Position muss man direkt in der ersten Woche die Spielregeln festlegen und Grenzen aufzeigen, sonst hat man verloren. Man braucht ein starkes Selbstbewusstsein, um über den Dingen zu stehen, auch wenn vielleicht ein falsches Bild im Unternehmen entsteht, in dem man sich nicht wiederfindet. Es ist von Vorteil, sich ein Netzwerk zu schaffen. Dies vereinfacht die Zusammenarbeit und beschleunigt viele Prozesse.

Interviewt von:
Sabine Dulic und Nadine Varghese-Kavalachirayil | Flughafen KölnBonn GmbH

BIRGIT JUNG

Jobcenter Köln

BIRGIT JUNGMitglied der Geschäftsführung Jobcenter Köln 

Einfach mal sagen: Ich bin gut!

Frau Jung, was ist für Sie als Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Köln Ihr aktuell wichtigstes Ziel, was ist die größte Herausforderung und welche Eigenschaft ist die, die Ihnen hier am meisten hilft?

In der Geschäftsführung gibt es nicht nur ein Ziel, was wichtig ist. Die Aufgabe ist, ganz viele Bälle möglichst in einer ausgewogenen Balance in der Luft zu halten; vieles zu tun, ohne das andere zu lassen. Das ist immer die Herausforderung, mit der Sie in der Geschäftsführung umgehen müssen um zu einer wirklich wichtigen qualitativen Weiterentwicklung zu kommen.

Heutzutage haben wir ja den großen Vorteil, dass durch ein neues Bewusstsein unserer Generation die Frauenförderung strukturierter verläuft, organisiert ist. Haben Sie Ihren beruflichen Erfolg bewusst geplant? Hatten Sie Mentoren, die Sie auf Ihrem Weg begleitet haben (wenn auch nicht durch ein Mentorship Programm organisiert)? Oder sah Ihr Plan anders aus als es nun die Realität ist? Und hingen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen in Ihrem Leben damit zusammen, dass Sie eine Frau sind?

Meinen beruflichen Erfolg habe ich nicht bewusst geplant. Es ging mir immer um die Aufgabe, wahrscheinlich auch, weil ich fürchterlich wissbegierig bin. Ich wollte es immer wissen, und dieses Potential haben meine Vorgesetzten erkannt. Ich war nie in einem Mentorenprogramm, sondern hatte immer Chefs, die wussten, dass ich mich auf Themen einlasse und keine Angst habe, mich auf neuem Terrain zu bewegen. Ich hatte immer Führungskräfte, die nicht auf Traditionen beharrt haben, sondern die genauso den Willen zu Veränderungen hatten. Ich habe viel Initiative gezeigt, weil es mir immer wichtig war, zu zeigen, dass die Agentur oder auch das Jobcenter, das „weltbeste Jobcenter“ wird.

Gab es Momente, in denen Sie Ihre Laufbahn außerhalb der Bundesagentur für Arbeit gesehen haben? Und wenn ja, warum sind Sie geblieben?

Die Vielfalt, die der Arbeitgeber Bundesagentur für Arbeit bietet, ist extrem umfangreich. Die Aufgabe, die die Bundesagentur hat, sowohl im SGB II als auch im SGB III ist so gesellschaftlich wichtig, dass ich gar nicht wechseln möchte.

Kathryn Bigelow hat 2010 als erste Regisseurin einen Oscar gewonnen. Ihre Reaktion auf die Presse, die das immer wieder herausgestellt hat, war: „I suppose I like to think of myself as a filmmaker“, rather than a female film-maker. Sie sind die erste Frau seit Einführung des Jobcenters in der Geschäftsführung. Empfinden Sie einen besonderen Druck deswegen – eine Herausforderung, die über die Arbeitsanforderung per se hinausgeht? Oder sehen Sie sich weniger als Repräsentant für Frauen und mehr als ein Individuum in ihrer Führungsposition? Und sollten wir alle uns – egal ob als Frau, als Migrant, als Homosexuelle/r etc. – durch unsere Person definieren statt durch unseren Status als „minority“ oder WASP (White Anglo Saxon Male)?

Ich wünsche mir genauso wie die Regisseurin, dass das irgendwann mal keine Rolle mehr spielt, dass wir da bald nicht mehr darüber reden müssen. Es ist natürlich klar, dass Frauen anders führen als Männer, das erlebe ich jeden Tag mit meinem Kollegen in der Geschäftsführung. Das ergänzt sich sehr gut. Ich kann allen Frauen raten: nicht warten, sondern Chancen nutzen, Selbstbewusst-sein zeigen, der Aufgabe folgen. Das Leben ist kein Wartezimmer, Du wirst nicht aufgerufen. Es ist nicht erforderlich, das Licht unter den Scheffel zu stellen.

Was würden Sie sich wünschen, dass Menschen über Ihren Job und Ihren Arbeitgeber wissen?

Ich möchte, dass die Kölnerinnen und Kölner über uns sagen, wir sind stolz, dass wir in Köln so ein Jobcenter haben.

Interviewt von:
ANISSA SAYSAY | Jobcenter Köln

CHRISTIANE LAIBACH

Deutsche Investitions- und
Entwicklungsge­sellschaft mbH

CHRISTIANE LAIBACHGeschäftsführerin DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs-gesellschaft mbH

Niemand ist perfekt, wenn er/sie den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen.

Sie haben wichtige Karriereschritte als jeweils erste Frau in einem eher männlich dominierten Umfeld gemeistert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Durchaus unterschiedliche – das kennen wir sicher alle. Bevor ich zur DEG kam, bewegte ich mich über die Jahre in so unterschiedlichen Branchen wie der Finanzierung von Fluggesellschaften, der Schifffahrt und auch dem Risikomanagement. In der Flugzeugbranche fiel es mir zunächst nicht so schwer Fuß zu fassen. Die Community war sehr international, mit vielen jungen Gesichtern und angelsächsisch aber auch französisch geprägt. Diese Diversität, aber auch einige Frauen in Führungspositionen, an denen ich mich orientieren konnte, haben sehr geholfen. Richtig bewusst wurde mir dies aber erst, als ich mich in der Schifffahrtsbranche bewähren musste – hier geht es sehr traditionsbewusst zu, alteingesessene Kaufmannschaften und Reeder prägen die Kultur. Erst während dieser Zeit habe ich die Bedeutung von männlichen Netzwerken erkannt und mehr und mehr verstanden damit umzugehen. Das letzte Quäntchen zum vollkommenen Zugang fehlte jedoch immer. Gerade deshalb finde ich Frauennetzwerke so wichtig. Und über die Jahre entwickeln sich diese auch inhaltlich immer mehr. Die gegenseitige Unterstützung wird konkreter – in persönlichen Fragen der Karriere und auch im Austausch von Informationen, Ideen und Kontakten in geschäftlichen Fragen. Das finde ich sehr ermutigend.

Was hat Sie zu dem jeweils nächsten Karriereschritt motiviert?

Ich hätte mir nie vorstellen können, über Jahrzehnte immer sehr ähnliche Aufgaben zu haben. So ein Berufsleben ist lang, und Veränderung motivierte mich immer wieder. Mit jeder neuen Stufe in der Hierarchie ist nicht nur eine fachliche Weiterentwicklung verbunden und ein anderer Blick auf die Dinge. Man muss sich insbesondere auch als Mensch in einer neuen Rolle ausprobieren. Das hat mich stets gereizt. Dafür braucht es Neugierde und Mut, die Herausforderung anzunehmen. Frauen zögern und hinterfragen sich manchmal zu lange, wenn sich eine Chance ergibt. Ich kenne dies von mir selbst nur zu gut. Ich habe auch erst nach einiger Zeit verstanden, dass niemand perfekt ist, wenn er den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen. Ich rate Frauen, im richtigen Moment entschieden JA zu sagen.

Gibt es Erfahrungen, die Sie lieber nicht gemacht hätten?

Als ich 9/11 für die Flugzeugfinanzierung verantwortlich war und weltweit eine Konkurswelle von Fluggesellschaften auslöste, begann eine beruflich sehr schwierige Phase mit enormen Herausforderungen und Belastungen. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich mir diese Aufgabe nicht zugetraut. Damals hätte ich auf diese Erfahrungen gerne verzichten wollen. Aber im Rückblick habe ich in solchen Phasen am meisten gelernt. Wohl auch fachlich-inhaltlich, aber vor allem über mich persönlich. Ich habe erleben können, dass ich auch in Stresssituationen Aufgaben gut bewältigen kann und mich Rückschläge nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Dies hat mir in späteren beruflichen Situationen sehr geholfen und rückblickend wollte ich diese Erfahrungen nicht mehr missen.

Interviewt von:
Franziska Hollmann | DEG

MANUELA MARQUES

Deutsche Investitions- und
Entwicklungsge­sellschaft mbH

MANUELA MARQUESBereichsleiterin „Customer Solutions“ DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH

Frauen sollten ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen.

Frau Marques, Sie leiten den Bereich „Customer Solutions“, ein Bereich, der sich durch Kreativität und Vielfalt kennzeichnet. Inwiefern entspricht das Ihrem Werdegang, und welche Eigenschaften zeichnen Sie aus, um Veränderungsprozesse und Themenvielfalt zu managen?

Für die Leitung des DEG-Bereichs „Customer Solutions“ fiel die Wahl der Geschäftsführung 2015 auf mich, nachdem ich zuvor das Middle Office und nunmehr die neue Abteilung Syndizierung & Wissensmanagement im neu geschaffenen Bereich aufbauen sollte. Neben einer breiten fachlichen Ausrichtung strahle ich in Veränderungsprozessen offenbar die nötige Ruhe aus und halte eine gute Balance zwischen den unterschiedlichsten Themen. Als Bereichsleiterin „Customer Solutions“ ist mein Interesse vor allem darauf gerichtet, was im operativen Geschäft gebraucht wird, was das eigentliche Ziel einer (aufzubauenden) Abteilung ist, wo etwaige Probleme liegen und wie wir gemeinsam zu pragmatischen Lösungen kommen. Darüber hinaus kann ich in der Führung sehr gut „Leine lassen“, um Mitarbeitern Raum für Kreativität zu geben. Bei den fünf recht unterschiedlichen Abteilungen meines Bereichs ist es darüber hinaus kaum möglich, in alle Themen sehr detailliert einzusteigen. Vielmehr sehe ich meine Rolle darin, bei Veränderungsprozessen alle Stakeholder mit ins Boot zu nehmen und etwaige Bedenken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Hierbei geht es mir darum herauszufinden, wo die Gründe für die Vorbehalte liegen, und gemeinsam alternative Lösungen zu entwickeln. All diese Facetten machen meinen Job unglaublich interessant.

Sie managen neben Ihrem Full-time Job noch eine Familie, sind Mentorin und in diversen Netzwerken aktiv. Wir erleben Sie als immer fröhlich und voll positiver Energie. Was gibt Ihnen für all diese Aktivitäten die Energie und wie bekommen Sie alles so locker unter einen Hut?

Meine Mutter war immer berufstätig, und auch ich wollte beides: einen interessanten Beruf und eine Familie. Vorbilder habe ich auch während meiner Zeit als Au-pair in Paris gefunden, wo es Normalität war, dass beide Elternteile berufstätig und viel unterwegs waren, und daneben das Familienleben mit kleinen Kindern gemeistert haben. Bei der Umsetzung dieses Lebenskonzeptes hat mich mein Mann sehr unterstützt, indem er als Freelancer die Familie an die erste Stelle setzen konnte und mir damit – insbesondere als die Kinder noch klein waren – den „Rücken freihielt“. Das war für mich ein unglaublicher Luxus, auch wenn ich lernen musste zuzulassen, dass der Vater in bestimmten Lebenslagen für die Kinder wichtiger war als die Mutter. Viel meiner Kraft rührt sicherlich daher, dass ich nach Hause komme und dort eine völlig andere Welt als im Büro vorfinde. Meine Kinder erden mich und stehen nach einem Arbeitstag mit ihren Themen ganz im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Darüber hinaus macht mir mein Beruf unglaublich viel Freude, und ich bin dankbar, dass meine Stärken erkannt wurden und ich mich beruflich weiterentwickeln konnte. Für mich ist eine gute Balance zwischen Beruf und Familie das A und O.

Was raten Sie Frauen, die Karriere und Familie vereinbaren wollen und trotzdem sie selbst bleiben wollen?

Hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde ich jeder jungen Frau raten, sich den passenden Mann dafür auszusuchen – sofern man die Partnerwahl überhaupt steuern kann. Der Mann muss ja nicht auf seine Karriere verzichten, sollte aber auch seiner Frau eine Karriere zugestehen. Das ist wirklich sehr wichtig. Eine zweite wichtige Voraussetzung ist der Spaß am Job. Nur dann ist FRAU in der Lage, Engagement zu zeigen und die Bereitschaft auszustrahlen, Verantwortung übernehmen zu wollen. Darüber hinaus sollten Frauen ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen. In dieser Hinsicht sind Frauen häufig zu bescheiden und vermitteln den Eindruck, dass der Erfolg doch eine selbstverständliche Leistung war. Und – last but not least – halte ich es für wichtig, einen guten Ausgleich zu finden, etwas, bei dem FRAU ihre Batterien aufladen kann. Das kann Sport sein oder – wie in meinem Fall – die Gestaltung und Arbeit im Garten.

Interviewt von:
Christina Gabener | DEG

EVA-MARIA MICHEL

WDR

EVA-MARIA MICHELStellvertretende Intendantin und Justiziarin WDR

Meine Mentorin war für mich der große Glücksfall!

Seit Oktober 1997 sind Sie Justiziarin im WDR. War das immer schon Ihr Karriereziel?

Nein, ich habe Jura studiert, weil ich Richterin werden wollte. Ich hatte vor zu promovieren und durch das Thema der Arbeit bin ich zum Süddeutschen Rundfunk gekommen als Referentin der damaligen Justiziarin. Bei ihr habe ich gesehen, dass es möglich ist, eine Führungsaufgabe als Frau mit Familie gut und erfolgreich zu machen. Das hat mich sehr beeindruckt.

War sie Ihre Mentorin?

Genau, das war für mich der große Glücksfall. Sie hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich die Aufgaben, die sie mir übertragen hat, erfüllen kann. Sie hat an mich geglaubt und mir die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich bemühe mich sehr, in meinem Team den Frauen auch diese Unterstützung zu geben. Eine Beobachtung ist, dass Frauen vielfach inhaltlich qualitativ besser sind, aber Männer sich oftmals besser verkaufen.

Woran liegt es, dass wir Frauen dieses Selfmarketing nicht gut können?

Ich selbst dachte auch immer, dass, wenn man eine Sache gut gemacht hat, darüber reden und Marketing gar nicht notwendig sind. Das ist falsch, heute sage ich: „Macht nicht nur gute Arbeit, sondern steht auf und redet darüber. Und wenn andere ihre tollen Leistungen loben, dann tönt bitte noch einen Ton lauter.“

Jetzt ist die Geschäftsleitung paritätisch besetzt, und über 35% der Führungskräfte im WDR sind weiblich. Gibt es im WDR speziell für Frauen Führungsseminare?

Es gibt ein internes Mentoringprogramm. In den technischen Bereichen gibt’s besondere Anstrengungen, weibliche Führungskräfte zu entwickeln und wir erhoffen uns auch, aus dem Bündnis neue Ideen und Anregungen zu bekommen. Alle Unternehmen haben festgestellt, dass Frauen eine Bereicherung sind. Sie haben in der Regel eine bessere soziale Kompetenz. Die meisten Frauen sind belastbarer und trotzdem ausgeglichener.

Ihr Arbeitstag ist sicher nicht nach acht Stunden zu Ende. Können Sie noch abschalten?

Ja, aber das habe ich mir hart erarbeiten müssen. Ich habe festgestellt, wenn ich dies nicht schaffe, dass das Leben dann nur noch aus Arbeit besteht, Freundschaften und Interessen auf der Strecke bleiben. Das darf nicht sein. Ich mache regelmäßig Sport, um Stress abzubauen. Und ich beginne den Tag mit Klavierspielen. Dadurch habe ich eine Zufriedenheit erreicht, die man nicht durch den beruflichen Erfolg bekommt.

Ist das Ihr Erfolgsrezept? Spaß und Zufriedenheit bei der Arbeit?

Ja, ich nehme meinen Beruf sehr ernst und er macht mir Spaß! Dazu gehört auch, dass ich in einem Direktorium bin, in dem ich gut angenommen bin und mich gut aufgehoben fühle. Ich kann mich einbringen und es sind Menschen, mit denen ich gerne arbeite. Und: hier im Justiziariat habe ich ein ganz tolles Team, auf das ich mich jeden Tag freue!

Interviewt von:
Anne Buchholz | WDR

BETTINA MÖTTING

Jobcenter Köln

BETTINA MÖTTINGAbteilungsleiterin Zentrale Dienste Jobcenter Köln

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

(Marlene Dietrich)

Frau Mötting, wie wurden Sie zu der, die Sie heute sind?

Mir war ein ehrliches, offenes Feedback immer sehr wichtig. Außerdem stelle ich mich stets Herausforderungen, auch wenn es oftmals eine harte Schule ist. Auch beobachte ich gerne Menschen und schaue mir einiges ab. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Diese Fähigkeit macht auch heute noch einiges leichter. Wenn ich so auf mein Berufsleben schaue, habe ich die stärksten Entwicklungen durch Feedback und auch das Lernen aus Fehlern gemacht. Fehler passieren jedem und oft absolut unabsichtlich. Das Lernen daraus hat mich wirklich unheimlich geprägt.

Welche Ihrer Entscheidung hat Ihre berufliche Karriere am meisten beeinflusst?

Mit Mitte zwanzig bewarb ich mich für einen Lehrgang bei der Stadt Köln für potentielle Führungskräfte und wurde als eine der Jüngsten angenommen. Dieser einjährige Lehrgang war schon eine Wende in meinem Berufsleben. Dort bekam ich viel Feedback, Führungskräfteschulungen, den Blick über den Tellerrand und vor allem baute sich ein Netzwerk auf, welches heute noch funktioniert. Ich wurde sichtbar! Ein zweiter wichtiger Schritt war kurz nach der Geburt meines Sohnes sicherlich auch die Übernahme einer verantwortungsvollen Führungstätigkeit in Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde zur Herausforderung, aber es nahm alles einen guten Weg, und ich würde es jederzeit wieder so machen.
2014 nahm ich als Mentee an einem Crossmentoring mit sieben Kölner Unternehmen teil. Auch diese Zeit hat meinen Horizont sehr erweitert und ich bekam interessante Stellenangebote. Viele Jahre war mir gar nicht bewusst, welchen Herausforderungen ich mich gestellt habe und wie ich diese gemeistert habe. Erst mit der Erfahrung und dem Wissen, was ich heute habe, gucke ich zurück und dachte, interessant was Du früher für jecke Sachen gemacht hast.

Müssen Frauen sich wie Männer benehmen, um erfolgreich zu sein

Nein, bitte nicht! Es ist anstrengender es nicht zu tun.

Familie und Beruf passen bei Ihnen unter einen Hut, weil…?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in erster Linie eine Organisationsfrage. Ich habe auch immer versucht, daraus kein Problem zu machen, sondern es immer selbstverständlich in den Alltag mit einfließen lassen. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber finde ich allerdings auch die Bedingungen vor, die mir all dies ermöglichen. Und natürlich habe ich zum Glück ein tolles Kind, das das alles gut mitmacht.

Was würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem 18-jährigen Ich sagen wollen?

„Blamiere dich täglich!“ Übersetzt heißt das: Sei entschlossen, probiere dich aus, riskiere auch mal Fehler zu machen, sei weltoffen. Das bringt dich voran. Ich hatte damals eine typische Mädchenerziehung. Es war schwer mich zu emanzipieren und meinen eigenen Weg zu finden. Deshalb hätte ich mir schon früher mehr eigene Courage für meinen Lebensweg gewünscht und mir etwas mehr Zeit für meine persönliche Entwicklung und Ausbildung nehmen sollen z.B. durch Auslandsaufenthalte.

Interviewt von:
Sabine Arimond und Heike Verbeeten | Jobcenter Köln

ROSWITHA MÜLLER-PIEPENKÖTTER

Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum
Köln e.V.

ROSWITHA MÜLLER-PIEPENKÖTTERMitglied des Vorstandes des Diö­zesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln e. V., Staats­mi­ni­sterin a.D. und Bundes­vor­sit­zen­de des Weißen Ring

Im Zweifel sind die Konkurrenten auch nicht besser, lassen Sie nicht zu, dass sie sich nur besser verkaufen.

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Ich glaube, ganz wichtig war die Fähigkeit, mich für meine Aufgaben zu begeistern. Dann die Neugier und die Bereitschaft, von anderen zu lernen und deren Kenntnisse und Erfahrungen aufzunehmen und in der eigenen Arbeit umzusetzen. Schließlich mit der Übernahme von Führungspositionen habe ich erlebt, wie wichtig die Fähigkeit ist, gute Leistungen anderer zu schätzen und zu würdigen. Als Führungskraft muss man sich immer bewusst sein, dass man nur so gut sein kann wie sein Team/seine Organisation. Nach meiner Erfahrung arbeitet eine Organisation umso besser, je mehr Freiraum man den Leistungsträgern zur Entwicklung gibt. Das muss aber von innen heraus kommen, mit spürbarer echter Freude über die gute Leistung der anderen. Meine Maxime war immer: Schlechte Leistungen werden angesprochen aber nicht breitgetreten, sehr gute Leistungen werden gefeiert.

Haben Sie selbst im Berufsleben eine/n Mentor/in gehabt? Was haben Sie von ihm/ihr gelernt?

Vor 40 Jahren, als ich in das Berufsleben eintrat, gab es den Begriff noch nicht. Aber ein älterer Kollege hat mir ziemlich zu Beginn meiner beruflichen Karriere einmal gesagt, „man muss immer jemanden haben, der einen will“. Und so denke ich, dass die Vorsitzenden, in deren Spruchkörper ich gearbeitet habe, ebenso (durchaus auch in Einzelpunkten kritisch betrachtete) Vorbilder wie Förderer waren. Das gilt genauso für entscheidende Personen in Verbänden, in denen ich tätig war, und in der Politik.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Beim Berufseinstieg ist aus meiner Sicht zunächst einmal wichtig, die Arbeit mit Freude anzugehen und lernbereit zu sein. Egal, welche Ausbildung man hatte, für den Berufsalltag ist man noch nicht wirklich gerüstet. Wenn diese Freude, dieses Brennen für eine Aufgabe sich nicht nach einigen Wochen der normalen Unsicherheit einstellt, sollte man sich fragen, ob man in der richtigen Branche und in der richtigen Organisation tätig ist, denn nur da kann man Erfolg haben. Und dann, wenn man sich sicher fühlt, sollte man sich melden, wenn es neue Aufgaben zu übernehmen gibt oder eine Position zu besetzen ist, für die man sich für geeignet hält. Die bei Frauen oft zu beobachtende Selbstkritik finde ich grundsätzlich durchaus positiv, aber man darf sich nicht ständig in Selbstzweifeln ergehen. Im Zweifel sind die Konkurrenten auch nicht besser, lassen Sie nicht zu, dass sie sich nur besser verkaufen.

Interviewt von:
Karen Pilatzki | Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

BIRGIT OSSENDORF-WILL

STRÖER

BIRGIT OSSENDORF-WILLLeiterin Personal STRÖER

Mutig sein!

Du bist Mitglied des ExCom, der höchsten Entscheider-Ebene bei Ströer. Auf was führst Du zurück, dass Du diese Position erreicht hast und erfolgreich Dinge bewegen kannst?

Ehrlicherweise hatte ich keine Vorstellung davon, wie meine Karriere mal aussehen kann. Aber von Anfang an gab es Dinge, die für mich wichtig waren und heute noch immer wichtig sind: neugierig sein, Dinge von allen Seiten zu betrachten und mir bei Aufgaben (auch wenn sie mal nicht so spannend sind) zu überlegen, warum, wieso, weshalb und was geht besser. Wissbegierig sein, mit Themen überzeugen und Ergebnisse liefern. Mit Menschen zu arbeiten. Ich stehe für kreative – manchmal verrückte – Ideen, neue Impulse und deren Umsetzung. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sind für mich sehr relevant. Zutrauen und Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, auch mehr machen zu dürfen und mehr Verantwortung zu meistern. Es gibt immer ein „Mächtespiel“. Die Kunst ist es, dies als Spiel zu begreifen und mit Können, Humor, Witz und Souveränität aufzunehmen. Zickenterror oder besserwisserische Attitüden führen genauso wenig zu Ergebnissen wie Machogehabe.

Welche Tipps hast Du, sich in einer männerdominierten Entscheider-Ebene durchzusetzen? Inwieweit musstest Du dazu Dein Verhalten oder Auftreten auf dem Weg Deiner Karriere verändern?

Es gibt einen guten Tipp: Sei Du selbst. Ich finde, wir Frauen sind Frauen und sollen auch Frau bleiben. Die Geschlechter auf der Welt teilen sich ca. 50/50 auf. Wenn wir Kunden haben, dann wird die Verteilung wahrscheinlich ähnlich sein. Glauben wir wirklich, dass eine Gruppe von Männern oder eine Gruppe von Frauen gute Entscheidungen treffen, was diese Kunden benötigen? Ich sehe generell einen Vorteil darin in Teams eine größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten. Es gibt einen tollen Spruch den man dem österreichischen Philosophen Paul Watzlawick nachsagt: „Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun.“ Dieses Andere kommt in diversen Teams viel schneller ans Tageslicht als in konformen Teams. Weitere Tipps wären: Habt eine Meinung und vertretet diese. Vertretet auch die Leistung, die Ihr erbringt. Achtet darauf, dass Eure Themen klar, strukturiert und eindeutig formuliert sind. Habt eine Meinung und vermeidet Phrasen wie z.B. „Vielleicht könnten wir ja…“, „Es fühlt sich nicht gut an…“ Bleibt in Eurer Tonhöhe und werdet nicht schrill. Seid nicht launig. Ergreift Eure Chancen. Aber bitte bleibt Frau, und seid einfach gut!

Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, Entscheidungen oder Momente, die Dich erfolgreich gemacht haben?

Die erste wahrscheinlich: Jeden Tag daran denken, wie ich etwas verbessern kann, und es auch dann tun. Frei nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. Aber insbesondere mit Menschen arbeiten. Das treibt mich an und macht mir Spaß. Es freut und motiviert mich, wenn Teams funktionieren und ich bei der Optimierung der Ergebnisse mithelfen kann und durch neue Impulse etwas bewegen kann.

Wie hast Du es geschafft Familie, Partnerschaft & Privatleben mit dem Karriereweg zu vereinbaren? Welche Tipps hast Du, um eine Balance zu schaffen und dennoch die Karriere weiter zu verfolgen?

Ich arbeite sehr gerne und häufig auch sehr viel. Doch es funktioniert nur deswegen gut, da mein Mann ein echter emanzipierter Partner ist und wir Aufgaben selbstverständlich aufteilen. Dabei haben wir auch Aufgaben abgegeben und auch ohne schlechtes Gewissen externe Hilfe in Anspruch genommen, um die wenige private Zeit, die wir hatten, auch für uns und die Familie wertvoll zu nutzen. Es gibt Vorteile dabei: Meine Kinder haben durch externe Betreuung eine große Vielfalt erlebt. Wichtig ist allerdings: Wenn ich da war, war ich für sie da! Es ist auch klar, dass Prioritäten in der Familie – Geburtstage z.B. – echte Prioritäten sind. Wenn meine Kinder oder mein Mann Geburtstag oder einen „großen Tag“ haben, dann bin ich da und nicht woanders.

Interviewt von:
Silke Marlene Backhaus | STRÖER

DR. KATRIN VERNAU

WDR

DR. KATRIN VERNAUVerwaltungsdirektorin WDR

John UND Jane – Vielfalt ist ein Gebot der Fairness!

Hatten Sie schon immer das Ziel vor Augen, Karriere zu machen?

Tatsächlich hatte ich nie das abstrakte Ziel, „Karriere zu machen“. Ich wollte immer eine Aufgabe haben, die mich fordert und bei der ich auch etwas bewegen kann. Und ich habe alles mit voller Leidenschaft und großem Engagement gemacht. Dass sich mein bisheriger Lebensweg möglicherweise als „Karriere“ darstellt, ist das Ergebnis, aber nicht das Ziel.

Gab es eine Mentorin/einen Mentor, die/der Sie gefördert hat?

Es gab und gibt immer wieder Menschen, die mir etwas zugetraut haben. So haben sich für mich Chancen ergeben, die ich ergriffen habe und an denen ich gewachsen bin. Diese Menschen haben einen Blick für die Entwicklungspotenziale in ihrem Umfeld und Freude daran, diese zu fördern.

Es heißt, Männer verkaufen sich generell besser. Warum ist Selfmarketing für uns Frauen so schwierig?

Ich glaube, Männer lernen tendenziell im Zuge ihrer Sozialisation eher, sich im Wettbewerb zu behaupten. Sie erkennen früher, dass es nicht nur darauf ankommt, brav gute Sacharbeit zu leisten, sondern damit auch wahrgenommen zu werden. Und dass es auch nicht hilft zu wissen, dass man selbst vielleicht die schlauste, fleißigste Person im Raum ist, sondern dass es auch auf Networking und Zusammenarbeit mit anderen ankommt. Frauen erfahren tendenziell, dass von ihnen erwartet wird, dass sie zum sozialen Zusammenhalt einer Gruppe beitragen, sich selbst darin einpassen, die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Damit gibt es schon sehr unterschiedliche Erfahrungshintergründe, wenn wir die Extrempunkte betrachten. Aber wir sind ja unser ganzes Leben lang lernfähig und können immer unser Verhaltensspektrum erweitern.
Allerdings habe ich auch beobachtet, dass ein und dasselbe Verhalten ganz unterschiedlich wahrgenommen wird, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau es an den Tag legen: Während Männer laut werden oder sehr entschieden, sogar hart, auftreten können, um ihr Gegenüber zu beeindrucken, sehen sich Frauen bei ähnlichem Verhalten dann schnell mit Zuschreibungen wie „hysterisch“ oder „Haare auf den Zähnen“ konfrontiert.
Es geht in jedem Fall darum, Gleichberechtigung bei der Entwicklung und Besetzung von Führungs-positionen zu erzeugen – das ist allein schon eine Frage der Fairness. Zudem bin ich überzeugt, dass Vielfalt in jeder Hinsicht zu besseren Lösungen führt – so dass es auch im ureigenen Interesse jedes Unternehmens sein müsste, Führungspositionen mit unterschiedlichen Menschen zu besetzen. Wenn tatsächlich, wie die New York Times kürzlich ausgewertet hat, die Anzahl allein der Männer mit dem Vornamen John in Boards der Fortune-500-Unternehmen größer ist als die Anzahl der Frauen, dann ist dieses Ziel offensichtlich noch nicht erreicht!

Interviewt von:
Anne Buchholz | WDR

BEATE WEGMANN-STEFFENS

Evangelischer Kirchenverband

BEATE WEGMANN-STEFFENSVerwaltungsleiterin Evangelischer Kirchenverband

Neugierde, Ungeduld, Freude am Gestalten – das macht mich zur „MACHERIN“.

Wie sind Sie zur „Macherin“ geworden? Was waren die wichtigsten Meilensteine auf Ihrem Lebensweg?

Um eine „Macherin“ zu werden, ist es aus meiner Sicht wichtig einen ausgeprägten inneren Antrieb zu haben. Kreativität kommt aus einem selbst, d.h. die Macherin muss „in einem stecken“. In meinem Fall hat meine Sozialisation dazu beigetragen, da ich aus einem selbstständigen Haushalt stamme. Dadurch wurde es mir durch die Erziehung mitgegeben kreativ zu sein, ebenso auch Neugierde, Ungeduld und die Freude am Gestalten. Diese Attribute machen für mich eine „Macherin“ aus. Meinen beruflichen Werdegang habe ich mit einem Studium zur Diplom‑Verwaltungswirtin begonnen. Anschließend trat ich in einer Kommune meine erste Arbeitsstelle an, bei welcher ich das große Glück hatte früh eine leitende Position zu erlangen. Ich verantwortete die Betreuung der Gremienarbeit, mit welcher ich eine direkte Stabsstelle darstellte. Anschließend arbeitete ich als Referentin für drei Stadtdirektoren und diese Arbeit war vor allem durch selbstständiges Arbeiten sowie von gefordertem diplomatischen Geschick geprägt. 1995 wechselte ich zur Evangelischen Kirche in Köln. Hier bestritt ich einen „klassischen Weg“ angefangen von der Leitung eines kleinen Gemeindeamts mit 15 Mitarbeitern bis seit 2011 hin zur Leitung der Verwaltung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region mit direkter Führungsverantwortung für rund 60 Mitarbeiter.

Was waren auf diesem Weg die größten Herausforderungen, und wie konnten Sie diese meistern?

Vor allem zum Beginn meiner Karriere war die größte Herausforderung die Work‑Life‑Balance zu halten. In den ersten zehn Jahren arbeitete ich sehr viel und oftmals auch am Abend. Hier war es immer eine Zerrissenheit zwischen dem Wunsch mit viel Engagement einen guten Job zu machen und der Sorge die Familie zu vernachlässigen. Als meine Tochter geboren wurde, arbeitete ich zunächst in Teilzeit und stieß dabei bei anderen Führungskräften, die fast ausschließlich männlich waren, auf großes Unverständnis. Damals hatte ich als weibliche Führungskraft eine Vorreiterrolle und musste mich stets durchsetzen. Gemeistert habe ich die Situation zum einen beispielsweise durch die Unterstützung eines Au‑Pair‑Mädchens, aber vor allem durch meinen eigenen Einsatz. Dabei haben mir vor allem Selbstcoaching und -reflexion geholfen.

Welchen Tipp hätten Sie gerne schon zu Beginn Ihrer Karriere gekannt? Welche Karriere-Tipps haben Sie für uns Mentees?

Empfehlen kann ich die „kollegiale Beratung“. Außerdem kann ich nur raten, möglichst viel an Projektarbeit teilzunehmen, da dort direkt mehrere Kompetenzen gestärkt werden. Besonders erfolgreich ist diese Arbeit, wenn die Projektgruppe verschiedene Hierarchieebenen vereint. Grundsätzlich halte ich es für sehr empfehlenswert öfters auch Feedback aus unterschiedlichen Ebenen einzuholen. So kann es bereichernd sein, dem Hausmeister sein aktuelles Projekt vorzustellen. Insgesamt ist es entscheidend über den Tellerrand hinaus zu blicken. Mein Tipp ist es, so oft wie möglich in andere Unternehmenskulturen zu blicken und sich zu vernetzen. Von daher machen die Mentees durch die Teilnahme an dem Cross‑Mentoring‑Programm aus meiner Sicht alles richtig.

Interviewt von:
Isabel Meyer | Flughafen KölnBonn GmbH

CHRISTIANE WEIGAND

Sparkasse KölnBonn

CHRISTIANE WEIGANDGeneralbevollmächtigte Personal Sparkasse KölnBonn

Frauen sollten sich mehr zu­trau­en!

Müssen Frauen Ihrer An­sicht nach besser qualifi­ziert sein als Männer, um das glei­che Karriere­ziel zu errei­chen?

Dass Frauen in hö­he­ren Führungs­ebe­nen in vielen Unternehmen lei­der immer noch unter-re­prä­sentiert sind, ist mei­ner An­sicht nach kei­ne Fra­ge der Qualifi­ka­tion. Dies ist er­fahrungs­gemäß eher der Tat­sa­che ge­schul­det, dass sie sich selbst und die ei­ge­nen Fähig­kei­ten stär­ker hinter­fra­gen als Männer dies tun. Frauen müssen deut­lich selbst­bewusster wer­den und sich klar­machen: Beruf­li­cher Er­folg stellt sich in der Re­gel nicht durch Zu­fall ein. Entwick­lungen, die man sel­ber vielleicht als glück­liche Fü­gun­gen wahr­nimmt, sind es meist nicht. Viel­mehr sind sie ein Zei­chen da­für, dass man in der Ver­­gan­gen­­heit bereits durch gute Er­gebnisse über­zeugt und dann im richti­gen Mo­ment die Initiati­ve er­griffen hat.

Welche Meinung haben Sie zum Thema Frauenquote?

Die Fest­le­gung einer Frauen­quote trägt si­cher dazu bei, dem wichti­gen The­ma „Frauen in Füh­rung“ in der Öffentlich­keit mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­schaffen. Meines Er­achtens kann eine ver­pflichten­de Quote weib­licher Führungs­kräf­te das ei­gentli­che Prob­lem, das diesem The­ma zugrun­de liegt, jedoch nicht be­he­ben. Um den An­teil von weib­lichen Führungs­kräf­ten signifi­kant zu erhö­hen, muss statt­dessen der kul­turelle Wan­del der Gesell­schaft for­ciert werden. In vielen – auch weib­lichen – Köp­fen ist näm­lich immer noch das Bild von der klassischen Rollen­vertei­lung vor­han­den: Der Mann als der­je­ni­ge, der sei­ne Karriere ver­folgt, während die Frau ihren beruf­li­chen Erfolg zu­guns­ten der Familie zurück­stellt. Dieses Bild gilt es nun zu moderni­sieren. In dieser Hin­sicht ist es für Unterneh­men besonders wichtig, die Verein­bar­keit von Familie und beruf­licher Führungs­auf­gabe gezielt zu för­dern. So sollten engagierte Frauen, die eine eigene Fami­lie grün­den und gleich­zeitig in ihrer Firma Karriere ma­chen möch­ten, wie zum Bei­spiel bei der Sparkasse KölnBonn durch innovati­ve Programme wie „Führen in Teilzeit“ unterstützt wer­den.

Wie lauten, rück­blickend auf Ihre bis­herige Lauf­bahn, Ihre wichtigsten Tipps für weib­liche Führungs­kräf­te?

Zu­nächst einmal sollten Frauen sich ein­fach deutlich mehr zu­trau­en. Sie müssen sich auf ihre Stär­ken be­sinnen und diese ge­zielt für die ei­ge­ne Karriere nut­zen. Außerdem ist es wich­tig, Chan­cen so­fort aktiv zu er­grei­fen, so­bald sie sich bieten. Frauen dür­fen nicht da­rauf war­ten, wie Dorn­röschen wach­geküsst zu wer­den, sondern müssen selbst die Initiative er­grei­fen und sich auch von ge­legentli­chen Rück­schlä­gen nicht ent­mutigen lassen.

Interviewt von:
Theresa Fuchs und Stefanie Schulze | Sparkasse KölnBonn

Dr. Isabell Nehmeyer-Srocke

Stadt Köln

Dr. Isabell Nehmeyer-SrockeAmtsleiterin in der Kämmerei der Stadt Köln

Mein Wille, die Dinge zu verändern, treibt mich unermüdlich an.

Wie verlief Ihr Karriereweg?

Ich habe Betriebs­wirtschafts­lehre stu­diert und über Konzern­rechnungs­le­gung in Gebiets­körper­schaf­ten pro­mo­viert. Schon da­mals hatte ich den Wunsch, irgend­wann in einer Kommune ein moder­nes Rechnungs­we­sen in die Praxis ein­zu­füh­ren, was der Kommune zu mehr Trans­pa­renz und Effi­zienz ver­hilft. Be­vor ich das jetzt in Köln tun darf, habe ich Erfah­run­gen in ver­schie­denen Jobs im öffentli­chen und privat­wirtschaftli­chen Be­reich gesammelt. U.a. in der Wirtschafts­prüfungs­ge­sell­schaft Ernst & Young, in der Be­ra­tung des Fi­nanz­­mi­­ni­­ste­riums von Ghana und als Finanz­vor­stand für die Allianz Bul­ga­rien.

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie be­sonders wich­tig, um im Be­ruf Erfolg zu ha­ben?

Mein beruf­licher Erfolg beruht vor allem auf einer gu­ten Kommu­ni­ka­­tion. Ich bin immer offen für neue Arbeits­for­men und Men­schen. Dabei gehe ich auf die Leu­te zu und kann auch über mei­nen Schatten sprin­gen. Ich habe inter­national in ver­schie­­de­nen Be­rei­chen gearbei­tet und dabei vie­le Er­fah­run­gen und An­­re­­gun­gen gewonnen. Neue Ideen zu gene­rieren und die Fähigkeit, Wel­ten mit­einander zu ver­bin­den, sind Er­geb­nisse dieser Tä­tig­kei­ten. Dies bezieht sich nicht nur auf die inter­nationale, inter­kulturelle Perspekti­ve, sondern auch auf die Unterschie­de und Ge­meinsamkei­ten von öffentlicher Ver­wal­tung und Groß­konzer­nen. Wich­tig ist es mir, Themen und An­lie­gen voran­zutrei­ben und nicht auf­zuge­ben.

Welchen Tipp wür­den Sie einer Frau am An­fang ihrer Karrie­re mit auf den Weg ge­ben?

Aus meiner Sicht sollte jede Frau ihre Karrie­re aktiv ein­for­dern. Dazu ge­hört, ihren An­spruch und ihre Am­bitionen klar mit­zu­tei­­len, aber auch den Mut zu ha­ben, ak­tiv zu wer­den. Von großer Bedeu­tung ist die Authentizi­tät, also die Fähig­keit, zu sich sel­ber zu stehen. Dies heißt so­wohl vom ei­ge­nen Können überzeugt zu sein als auch Schwä­chen ein­zu­ge­stehen und po­si­tiv ein­set­zen zu können. Eine Frau sollte auch Selbst­marke­ting be­trei­ben, nach dem Motto: „Tue Gutes und sprich da­rü­ber“.

Welche Hindernisse und Schwierig­kei­ten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Mein größtes Hin­der­nis und die mei­sten Schwierig­keiten sind meine sehr hohen An­sprü­che an mich sel­ber und das damit ver­­bun­de­­ne eigene Arbeits­­pen­­sum.

Erlauben Sie uns noch eine persönliche Frage? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

„Ja“ (lachend), ich habe noch ein Privat­le­ben! Aus Freund­schaften schöp­fe ich Erho­lung. Da­her baue ich sie bewusst auf und pfle­ge sie. Aber auch der Sport, gemein­sam mit mei­nem Mann, ist für mich ein erhol­sa­mer Aus­gleich zur Ar­beit.

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins | stellvertretende Leiterin Museum Schnütgen Köln I Leiterin Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Stabsstelle Digitalisierung Köln

Dr. Hannelore Vogt

Stadt Köln

Dr. Hannelore VogtLeiterin der Stadtbibliothek Köln

Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.

(Augustinus, 354-430)

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Große Offenheit und die Freude an dem, was ich tue, haben mich immer beglei­tet und voran gebracht. Besonders zeich­net mich meine schier unend­liche Neugier aus, die es mir er­mög­licht, Vertrau­tes aufzu­ge­ben und mit Mut Neues aus­zuprobie­ren. Das Ziel klar im Blick, gebe ich auch bei zu Schwierig­kei­ten nicht so schnell auf. Dabei ist es besonders wichtig, Priori­täten zu setzen und gut de­le­gie­ren zu können. Das Vertrauen in die Mit­arbei­ter*innen und dass die Mitarbeite­r*innen mir vertrauen können, berei­tet die Basis für eine erfolg­reiche konzeptionelle und inhaltli­che Arbeit und ihre stra­te­gische Um­setzung. Dass bei den Projek­ten auch Feh­ler passieren können und dür­fen, ist selbst­verständlich. Ein ehr­liches Interesse an Men­schen zu ha­ben, halte ich beson­ders wich­tig bei einer Führungs­kraft. Denn damit die Institu­tion nach außen funktioniert, muss es in­tern stim­men.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Jede Frau sollte sich viele Netz­wer­ke auf­bauen, beruf­lich und pri­vat, vor Ort, national und inter­national, sei es durch persön­liche Kontak­te, das Hal­ten von Vor­trä­gen oder durch Publika­ti­onen. Oft scheuen sich Frauen, Ihre Erfol­ge mit­zutei­len. Im Sinne eine positi­ven Selbstmarketings rate ich zur der Devise „Tue Gutes und rede darüber!“. So gelingt es, die persönliche Vita kontinuierlich zu bereichern und über den ei­ge­nen Teller­rand hinaus­zuschauen. Man sollte an sich selbst glau­ben, authentisch sein und die eigene Begeiste­rung zum Mo­tor wer­den las­sen und ande­re gleich mit begeistern. Die Erwartun­gen zu brechen und z.B. unerwar­tet sehr kompe­tent zu sein, kann bei der strate­gischen Umsetzung der eigenen Pläne sehr erfolg­reich sein.

Welche Hindernisse und Schwierig­keiten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Meist waren und sind es struk­turelle Hin­dernisse, wie etwa lange Ver­waltungs­wege, die über­wun­den wer­den müssen. Aber ich bin in posi­ti­vem Sinn dick­köp­fig. Regeln for­dern Kreati­vi­tät, um neue We­ge zu fin­den. Aber es lassen sich immer kreati­ve Spiel­räume aus­lo­ten, in denen Han­deln mög­lich ist.

Erlau­ben Sie uns noch eine persön­liche Fra­ge? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

Auf jeden Fall, ganz bewusst. Mein Privat­le­ben ist mir sehr wich­tig. Im Freundes­kreis kann ich außer­halb der beruf­li­chen Rollen­wahrneh­mung Kraft tan­ken, außer­dem gehe ich ger­ne Joggen.

Gibt es ein Motto, das Sie begleitet:

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen ent­fachen“, Augusti­nus (354-430)

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins | stellvertretende Leiterin Museum Schnütgen Köln I Leiterin Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Stabsstelle Digitalisierung Köln

Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagen

Kliniken der Stadt Köln

Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagenÄrztliche Direktorin Neurologische Rehabilitationsklinik RehaNova Köln gGmbH

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Interviewt von:
Sylvia Richter |

Sandra Schieck

Eurowings Aviation GmbH

Sandra Schieck Head of Marketing Eurowings Aviation GmbH

Wir Frauen haben alle Optionen – Schluss mit falscher Bescheidenheit!

Interviewt von:
Sina Tiedemann und Susanne Lauer |
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Wir müssen Wissen, Potential und Talente von Frauen nutzen und fördern, um ihre Beteiligung in allen Führungsebenen zu ...

HELGA BLÜMELGeschäftsführerin Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchen­verbandes Köln und Region

Wer denn sonst, wenn nicht wir?

Frau Blümel, was ist für Sie als Geschäfts­führerin der Kölner Diakonie Ihr aktuell wichtigstes Ziel, was ist die größte Heraus­forde­rung, und welche Eigen­schaft ist die, die Ihnen hier am meisten hilft?

Mein wichti­gstes Ziel ist die Zukunfts­fähig­keit des Diako­nischen Wer­kes. Wir sind genauso wie die Wirt­schaft in Refinan­zierungs­druck und müssen dabei unsere Werte­orientierung, Quali­tät der Unter­stüt­zung und die Nähe zum Men­schen erhalten. Hier helfen mir meine Stärken des Vernetzens, Kommuni­zierens und nicht autoritär, sondern in dialo­gischen Struktu­ren zu leiten. Eine Vision zu haben und klare Vor­gaben zu machen, schließt nicht die kollektive Ver­gewisse­rung über die Richtig­keit der eigenen Sicht­weise aus.

Heutzutage haben wir ja den großen Vorteil, dass durch ein neues Bewusstsein unserer Generation die Frauen­förde­rung strukturier­ter verläuft, organisiert ist. Mir wur­de eine Mento­rin zugeteilt. Frau Blümel, hatten Sie auf Ihrem Karriere­weg einen Mentor oder eine Mentorin, und wie haben diese Sie besonders geprägt, sowohl beruf­lich als auch persön­lich?

Ich habe nie eine Mentorin gehabt, aber in der Jugend­arbeit hatte ich eine kluge, emanzi­pierte, gebil­dete Frau, die sehr lan­ge mein Vor­bild war. An der Hoch­schule habe ich mich an meiner evange­lischen Lehr­beauftrag­ten orientiert. Meine erste Leit­frau war engagiert und zäh, die zweite eher souverän und ruhiger, was sicher nicht zuletzt am Alter lag.

Hingen aus Ihrer Sicht die größten Heraus­forderungen in Ihrem Le­ben damit zusammen, dass sie eine Frau sind?

Das war sicherlich so, aber es war nicht die größte Heraus­forderung. Ich bin aus der Zeit nach 1968 entsprungen. Für mich war klar, dass wir das machen müssen: wer denn sonst, wenn nicht wir? Und deshalb habe ich es gemacht, und das mit sehr viel Spaß.

Hat das religiöse Umfeld, in dem Sie arbeiten, einen positiven Einfluss auf Gender Mainstreaming und Chancengleichheit und können Sie Beispiele nennen, wie die Diakonie Köln in dieser Hinsicht ein Vorbild ist?

Es gibt in der Theologie feministische Strömungen, aber Gott ist ein Mann, Jesus ein Mann. Ich war nie Feministin, ich wollte immer nur die Welt verbessern. Ich habe nicht für Frauenrechte gekämpft, sondern für Werte. Ich gehe als Mensch meinen Weg und das religiöse Umfeld hat mich dabei gestärkt. Ich habe die Gabe, ressourcen­orientiert, nicht defizit­orientiert, auf Menschen zuzugehen. Im Leben, wie in der Führung ist es wichtig, die Differenziert­heit der Menschen und deren Stär­ken zu erkennen. In unserem Haus sind wir bezüglich Gen­der Mainstreaming und Chancen­gleich­heit absolut vorbild­lich aufgestellt: wir sind ein Frauen­laden. Statt Streit­kultur wert­schätzen wir einander.

Gloria Steinem hat einmal gesagt: „The person with the power takes the noun – and the norm – while the less powerful requires an adjective.“ Manchmal überlege ich mir, wie viele Adjektive ich mit mir herumtrage. Ich bin nicht einfach nur ich. Ich bin eine „Frau“, „Karrierefrau“ (das muss man als Frau noch spezifizieren, wobei ein beruflicher Mann auf dem Weg nach oben die Norm ist), ich bin außerdem „Mutter“, und ich bin eine „Frau mit Migrations­hinter­grund“… Helfen solche Attribute und sind sie noch notwendig und zeitgemäß? Oder sollten wir Vor­reiter sein und uns nicht kategorisieren lassen, um dadurch unser Umfeld zu zwingen, uns als Indivi­duum zu sehen und nicht die falschen Attribute?

Ich glaube, dass wir vom Prinzip her die Attribu­te nicht mehr brau­chen. Aber man kann sie taktisch einsetzen: ich war das „Kind armer Eltern“ und habe es „alleine geschafft“. Das Kategorisieren war für meine Identitäts­bildung und mein Selbst­bewusst­sein förderlich. Klassen­bewusst­sein oder Migrations­hinter­grund, kann Ehrgeiz entwickeln. Wenn die­se Attribu­te aber nicht mehr nötig für die Persönlichkeit ist, muss man sie auch wieder able­gen können.

Was würden Sie sich wünschen, dass Menschen über Ihren Job und Ihren Arbeit­geber wissen?

Ich würde mir für meinen Job wünschen, dass die Viel­falt der Auf­ga­ben und die gesellschaftliche Not­wendig­keit des diako­nischen Handelns mehr in der Öffentlich­keit gesehen würde. Menschen sollen wissen, dass wir eine hohe Qualität in unserer Arbeit haben, hier kann man sich vertrauens­voll hinwenden, da ist man in gu­ten Händen.

Interviewt von:
ANISSA SAYSAY | Jobcenter Köln
DR. DANIELA BÜCHELBereichsvorstand Handel Deutsch­land – Ressort HR I Nachhaltigkeit REWE Group

Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern!

Wie war Ihr Karriereweg?

Ich habe mich nach dem Abitur für ein Ökonomie-Studium an der idyllischen Uni Hohen­heim in Stuttgart entschieden. Während meines Studiums habe ich ein Auslands­semes­ter in Lissabon ab­solviert. Englisch und Französisch konnte ich schon gut, nun wollte ich auch Portugiesisch lernen. Nach meinem Stu­dium habe ich am Institut für Handels­forschung promoviert. Ich habe dort viele Beratungs­projekte, jedoch eher im Pharma­bereich durch­geführt. Einige Projek­te führten mich auch in den LEH, unter ande­rem habe ich die Ein­füh­rung der Balanced Score Card bei der REWE Group beglei­tet. Über diesen Weg habe ich auch erste Kontak­te zu REWE geknüpft und war schnell überzeugt bei der REWE einzu­stei­gen. Ausschlag­gebend waren für mich die Dyna­mik des Business und der überzeugende Chef! Bei REWE bin ich im Konzern­controlling eingestie­gen und habe dann diverse Bereiche verantwortet, u.a. das Konzern­marke­ting, die Nach­haltig­keit und Public Affairs. Mir waren immer Themen wichtig, bei denen ich das Gefühl hatte, etwas bewe­gen zu können. Im Mittel­punkt steht hier das Arbeiten mit Men­schen, Wer­ten und anderen Kultu­ren.

Es gibt nie den einen vor­gezeichne­ten Karriere­weg, es ist viel­mehr eine Mischung aus Leistungs­bereit­schaft, Eigen­initiati­ve, Offenheit und vor allem auch Glück. Ich hatte oft das Glück, zur richti­gen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern – ganz im Sinne eines Mentors. Auch ich hatte diverse Mentoren. Ich bin ich sehr stolz, ein Teil der REWE-Kultur sein zu dürfen!

Was würden Sie heute anders machen?

Rückblickend würde ich mir beim Start in eine größere Führungs­rolle von vorne herein Unterstützung durch ein entsprechendes Coaching holen. Vor 10 Jahren gab es quasi keine Coachings im Unternehmen. Es ist wichtig, das Thema Führung sehr ernst zu nehmen und sich hier entsprechend zu entwickeln. Außerdem würde ich mir meine eigenen Ziele deutlicher formulieren. Es ist wichtig, auch mal „nein“ zu sagen und sich bewusst zu machen, welche Priorität man derzeit hat.

Wie wichtig ist Netzwerken für Sie? Was bedeutet für Sie Netzwerken?

Netzwerken ist wichtig, ich bezeichne es jedoch lieber als Stake­hol­der Management. Es erweitert einfach den Blick­winkel. Ich selbst nutze Netz­wer­ke, die einen inhaltlichen Be­zug zu meiner Arbeit ha­ben, beispiels­weise zu den Themen HR und Nachhaltig­keit, aber auch ein Vorstands­netz­werk, in dem ich mich regel­mäßig engagiere.

Interviewt von:
Melanie Berthold und Ina Meyer | REWE Group
DR. SARAH BRASACK I PETRA JANSSENStellvertretende Leiterin der Kölner Lokalredaktion, Kölner Stadt­anzei­ger, DuMont Medien­gruppe I Leiterin Service Desk, DuMont Systems

Ich hab immer gedacht,
Warum eigentlich nicht?!?

Möglichst viel mit Humor nehmen!

Was zeich­net euch als Mache­rin aus? Bzw. seht ihr euch über­haupt so?

Sarah: Ich würde mich nie selbst als Mache­rin bezeich­nen, aber ich glaube schon, dass ich gut organisie­ren und Auf­ga­ben schnell und effizient umset­zen kann – außer­dem, dass ich gu­te Ide­en habe und in der Lage bin, diese Ergeb­nisse gemein­sam mit meinem Team um­zuset­zen.

Petra: Macherin finde ich zu hoch ge­griffen – so sehe ich mich gar nicht. Ich habe Ide­en, ich möch­te etwas er­reichen und habe Spaß, Din­ge zu gestal­ten. Da­für ist es gut, solch eine Po­siti­on zu haben. Und „That’s it“.

Sarah: Das ist aber vielleicht auch eine frauen­typi­sche Be­schei­den­heit. Natür­lich sind wir Macherinnen, aber das klingt aus eigener Perspek­ti­ve doch eher an­ge­be­risch. So etwas sagt man nicht gern über sich selbst.

Petra, du bist in dem von Männern do­mi­nie­ren­den IT-Bereich tätig und Sarah, auch du stellst als Frau auf Führungs­ebe­ne im Bereich der Re­dakti­on eher eine „Besonder­heit“ dar. Wie habt ihr euch da als Frau durch­gesetzt? Was hat euch besonders ge­macht?

Petra: In diesem männer­dominier­ten Um­feld fiel es mir tat­säch­lich nicht allzu schwer mich ein­zu­fin­den. Und ich konnte gut das ein­set­zen, was mir liegt: Kommuni­ka­tion! Zum Beispiel in der Schnitt­stelle Anwender & IT. Das ist im IT-Bereich bei vielen Kollegen nicht so aus­ge­prägt. Die kümmern sich oft lieber um komplizierte techni­sche The­men. In meiner tägli­chen Arbeit schätze ich es sehr, mit vielen Männern zusammen­zu­arbei­ten. Ich hatte es nie schwer, war allerdings auch nie besonders empfind­lich. Ein klei­ner Tipp am Ran­de: möglichst viel mit Humor nehmen! So ging und geht es mir immer ganz gut in diesem von Männern ge­präg­ten Um­feld. Bei IBM in USA fand ich übrigens sehr beeindruckend, wie viele Frauen Manage­ment-Rollen hatten, und niemand erwähnte dies auch nur mit einem Wort. Das wäre für mich der Ideal­zustand: Ob Mann oder Frau in der Chef­rolle sind, ist einfach nicht der Re­de wert.

Sarah: Ich hab es gar nicht so empfun­den, dass ich mich gegen jemanden durch­gesetzt habe. Ich glaube, dass man einfach erkannt hat – und das ist ja auch nicht immer der Fall – dass ich gut bin in meinem Job. Aus meiner Sicht ist es immer noch häufig so, dass Vor­gesetzte zu Mit­arbeitern tendie­ren, die ihnen selbst ähnlich sind. Das ist dann häufig gleich­geschlechtlich einfacher. Da muss man das Glück haben, einen Vor­gesetzten zu haben, der eher den Fo­kus darauf setzt, eine gewisse Viel­falt im Team zu haben und der ganz neutral beurteilt, wer den Job am besten macht. Und dieses Glück habe ich einfach gehabt.

Was ist euer Allein­stellungs­merk­mal/USP?

Sarah: Ich kann gut mit 15 Bällen gleich­zeitig in der Luft jonglie­ren und verlie­re dabei die einzelnen Aufga­ben nicht aus den Augen. Die Fähigkeit des Multi­tasking schreibt man ja eher Frauen zu 😉

Petra: In einer Führungs­posi­tion brauchst Du einen stabi­len Charak­ter und gesun­den Menschen­verstand. Und Du solltest Menschen mö­gen. Ich mache 50% meines Jobs nur mit gesun­dem Menschen­verstand, gepaart mit Wissen & Erfah­rung natür­lich. Ich bin kein Programmierer, ich habe einen Abschluss in im phi­lolo­gischen Be­reich. Ich bin in die IT gekommen und habe mir da meine spe­ziellen Aufgaben­gebie­te ge­sucht. Zum einen war das die Kommuni­kation, zum anderen die IT-Prozesse, die damals noch auf­gebaut werden mussten. Beides habe ich ziem­lich zu Anfang als Zukunfts­feld für mich erkannt!

… ein perfekter Über­gang zu Eurem berufli­chen Werde­gang, der wie aussah?

Petra: Magister in Spanisch, Englisch, Politik. Ich wollte Journalistin werden! Ich habe dann eine Trainee-Ausbildung bei der Koeln­messe gemacht, mit der Hoffnung auf einen Job in der Presse­stelle. Statt­dessen hat man mir eine Stelle in der IT angeboten. Die Marketing­kollegen, mit denen ich zusammen­gearbei­tet hatte, sollten in kom­ple­xen neuen ERP-Syste­men geschult werden. So kam der Sprung in die Technik, und die Heraus­forde­rung habe ich an­ge­nommen. Aufgrund guter Auf­fassungs­gabe und vieler Ideen hat mein damaliger Chef mir die Gruppen­leitung an­gebo­ten. Ab da ging es für mich immer weiter auf der Karriere­leiter. Die Abteilung wurde später zur T-Systems aus­gela­gert, dort habe ich die Team­leitung behal­ten. Dann bin ich irgendwann zu IBM nach München gewechselt. Später zog es mich zurück nach Köln in ein IT-System­haus, auch, um mehr Zeit für meine kleine Tochter zu haben. Plötzlich rief mich tat­sächlich ein Head­hunter an und fragte, ob ich im DuMont Verlag die Leitung für den IT-Service Desk übernehmen möchte. Der in Köln ansässige Verlag war für mich ein super Match, bei meinem ur­sprüngli­chen Berufs­wunsch der Journalistin!

Sarah: Ich habe Musik­wissenschaften, Germanistik & Erziehungs­wissen­schaften studiert – und wollte unbedingt Journalistin werden. Nach dem Praktikum beim Ge­neral-Anzei­ger bin ich dort als freie Mit­arbeite­rin ein­gestiegen und habe zeit­gleich beim WDR in Köln gejobbt. Nach dem Magis­ter habe ich an der Uni ge­arbei­tet und dabei bereits organisatori­sche und verantwortungs­volle Auf­gaben über­nommen. Als ich 30 wurde, habe ich schließlich meinen Traum Journalistin zu werden in die Tat um­ge­setzt und beim Kölner-Stadt-Anzeiger ein zwei­jähriges Volontariat be­gonnen. Danach bin ich in die Lokal­redaktion Leverkusen ge­wech­selt und nach 6 Monaten stellv. Re­dak­tions­leiterin geworden. Noch ein halbes Jahr später bin ich Re­daktions­leiterin in Bergisch Gladbach geworden. Eigentlich hat mich immer jemand gefragt „Willst du das nicht machen?“ und ich hab immer gedacht „Warum eigentlich nicht?!?“. In Bergisch Gladbach habe ich dann auch die Zusammen­legung der Lokal­redaktio­nen vom Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau beglei­tet und neben den „normalen“ Führungs­aufga­ben noch aktiv an den Um­strukturierungs­prozessen mit­ge­wirkt. Nach dem Umbau bin ich dann nach Köln in die größte Lokal­redaktion als stell­vertretende Ressort­leite­rin gewech­selt.

Interviewt von:
Birgit Rollesbroich und Maike Neldner | DuMont
DR. NICOLE HANDSCHUHERMitglied des Vorstandes, Risiko­management, Finanzen, Controlling der Sparkasse KölnBonn

Erst denken, dann handeln!

Welches waren ent­schei­den­de Erfolgs­fakto­ren, die es Ihnen ermög­licht ha­ben, be­reits im Al­ter von 39 Jahren stell­vertreten­des Vorstands­mit­glied einer Bank zu wer­den?

Da kommen na­tür­lich viele unterschied­liche Fakto­ren zusam­men. Entschei­dend für be­rufli­chen Erfolg sind in erster Linie Willens­stär­ke und Ziel­stre­big­keit.
Ich hatte zudem das Glück, wäh­rend meiner Lauf­bahn von einer Reihe von Mento­ren profi­tie­ren zu können – mit Aus­nahme einer Frau übri­gens alles Männer. Die­se ha­ben mir einen gu­ten Ein­blick in Ver­haltens­weisen erfolg­reicher Kolleginnen und Kollegen ge­ge­ben. Damit wur­de es mir beispiels­weise er­möglicht, die für diese Führungs­kräf­te ty­pi­sche Strate­gie, grund­sätzlich mehrere Schritte im Vo­raus zu planen, zu einer eigenen Stärke zu entwickeln.

Wie ge­lingt es Ihnen, sich in einem von Männern do­mi­nierten Vorstand zu behaupten?

Für mich war es sicher von Vorteil, in einem von Männern ge­prägten Umfeld groß geworden zu sein. Schon auf dem ma­the­matisch-natur­wissenschaftli­chen Gymna­sium, das ich als Kind besuchte, waren die Jungen in der Überzahl. Dieser Trend setzte sich im Berufs­leben fort.
So kommt es, dass ich mich im Vor­stand sel­ten mit dem Gedan­ken beschäftige, als Frau in der Run­de zu sein. Da­mit wiederum beein­flüsse ich, wie ich wahr­genommen werde. Was man sich selbst nicht stän­dig bewusst macht, strahlt man auch nicht aus. Kollegen nehmen mich daher hoffent­lich vor allem als ver­sierte Führungs­kraft wahr, die mit ihrem fach­li­chen Know-how überzeugt. Grund­sätzlich aber profi­tie­re ich von der Tat­sache, dass Frauen auf Vor­stands­ebe­ne immer noch Neu­land be­schrei­ten. Es gibt nur we­ni­ge Vor­bil­der, die die Er­wartun­gen des Um­fel­des an einen selbst beein­flüssen können, sodass ich die Frei­heit habe, meinen ei­genen, individuellen Stil zu prä­gen.

Haben Sie ein persön­liches Motto, das Sie auf Ihrem Karriere­weg begleitet hat?

Viele Frauen neigen meiner Er­fah­rung nach dazu, verba­le An­griffe persön­lich zu nehmen und da­rauf zu re­agie­ren, ohne vor­her die Inten­tion da­hin­ter zu eruieren. Oft handelt es sich hier­bei jedoch keines­wegs um Attacken, die auf die ei­ge­ne Persön­lich­keit ab­zie­len. Auch mög­liche takti­sche Schach­züge gilt es, vor einer Re­akti­on zu durch­schauen. Mein Motto lautet daher: Erst denken, dann handeln!

Interviewt von:
Theresa Fuchs und Stefanie Schulze  | Sparkasse KölnBonn
ELKE HOLINLeiterin des Geschäfts­be­reichs Unternehmens­entwick­lung, Del­vag Versicherungs-AG

Lebensklugheit bedeutet: Alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.

(Arthur Schnitzler)

Was hat Ihnen bei Ihrem bisherigen (beruflichen) Lebensweg am meisten geholfen?

Auf meinem beruflichen Lebensweg hat es auch sehr herausfordernde Situationen gegeben, die mich stark forderten. In diesen Zeiten hat es mir geholfen, einen Schritt zur Seite zu gehen, Ruhe zu bewahren, die Situation von einer anderen Perspektive zu betrachten und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Ich habe diese Situationen immer als Chance begriffen, da sich für mich so oftmals neue Wege eröffnet haben, die ich andernfalls vielleicht nicht erkannt und mich somit auch nicht darauf eingelassen hätte. Ich habe auch gelernt, dass der Karriereweg nicht immer strikt geradeaus gehen muss. Ich halte es für sinnvoll, einen roten Faden in der beruflichen Planung zu verfolgen, der den persönlichen Neigungen und Stärken entspricht, ansonsten darf der Weg auch gerne mal etwas gewunden sein. So kann man nach der nächsten Biegung mit neuen und positiven Möglichkeiten überrascht werden.

Was sind Ihre Karrieretipps?

Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und ab und an eine Standortbestimmung durchzuführen. Dazu gehört auch der Blick zurück: Was habe ich erreicht, welche Stärken haben mir dabei geholfen, worauf kann ich mich verlassen? Aus dieser Position der Selbstreflektion heraus ist es einfacher, die berufliche Entwicklung im eigenen Sinne zu steuern und sein Profil zu schärfen. Auch schwierigen Situationen kann man sich nach meiner Erfahrung damit besser stellen.
Ein weiterer Tipp: Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich bieten – durchaus auch mit dem berühmten Mut zur Lücke, d.h. Unsicherheitsfaktoren in Kauf zu nehmen. Im besten Fall führt die Beschäftigung mit dem Unbekannten zu einer Schärfung bzw. Erweiterung des eigenen Profils und ist somit eine Investition in die Zukunft.

Haben Sie ein Motto, das Sie begleitet?

Die Ausgestaltung des Geschäftsbereichs Unternehmensentwicklung bedeutet Impulse zu setzen und Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Dies erfordert ein hohes Maß an Präsenz, Kommunikation, aber auch Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – manchmal scheinbar über das Machbare hinaus. Das oben genannte Zitat erinnert mich daran, Dinge zu relativieren, den Überblick zu behalten und alles in eine kluge Reihenfolge zu bringen.

Interviewt von:
Bettine Schreiner | Delvag Versicherungs-AG
SILKE HOREMANSProkuristin und Leiterin des Geschäftsbereich Immobilien bei der Flughafen Köln Bonn GmbH 

Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen.

(Erich Kästner)

Beschreiben Sie Ihren bisherigen Werdegang.

Parallel zu meinem BWL-Studium habe ich an einem Trainee-Programm bei Peek & Cloppenburg teilgenommen und hatte bereits im Rahmen dieser Tätigkeit Führungsverantwortung. Nach meinem Abschluss als Diplom-Kauffrau habe ich mich bei Peek & Cloppenburg zur stellvertretenden Geschäftsführerin einer Filiale entwickelt. Danach habe ich eine leitende Position in einem englischen Unternehmen angenommen. Diese Position war mit vielen Auslandsaufenthalten in England verbunden. Nachdem die Firma ihre deutschen Filialen geschlossen hatte, bin ich als Abteilungsleiterin Retail zum Flughafen Düsseldorf gewechselt. Seit 2004 bin ich am Flughafen Köln/Bonn Prokuristin und leite den Geschäftsbereich Immobilien, der schwerpunktmäßig die Vermietung und Vermarktung der Flughafenflächen vornimmt.

Unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem Ihrer männlichen Kollegen?

Ich war noch nie ein Mann. Generell würde ich einen Führungsstil nicht geschlechterspezifisch festlegen. Es ist vielmehr eine Mentalitätsfrage der einzelnen Führungspersonen. Oft wird Frauen nachgesagt, dass sie sich mehr Gedanken machen und sensibler sind. Ich kenne jedoch auch viele männliche Führungspersonen, auf die das zutrifft.
Zitate der männlichen Mitarbeiter:
„Sie merkt, wenn es einem nicht gut geht.“
„Sie ist fördernder, aber auch fordernder.“
„Sie hinterfragt mehr und will mehr verstehen“.

Was sind Ihre Karriere-Tipps?

Wichtig ist, dass man sich im Job „sichtbar“ macht und Gehör verschafft und sich nicht leise hinter seinem Schreibtisch „versteckt“. Als Frau neu in einem Unternehmen oder neu auf einer Position muss man direkt in der ersten Woche die Spielregeln festlegen und Grenzen aufzeigen, sonst hat man verloren. Man braucht ein starkes Selbstbewusstsein, um über den Dingen zu stehen, auch wenn vielleicht ein falsches Bild im Unternehmen entsteht, in dem man sich nicht wiederfindet. Es ist von Vorteil, sich ein Netzwerk zu schaffen. Dies vereinfacht die Zusammenarbeit und beschleunigt viele Prozesse.

Interviewt von:
Sabine Dulic und Nadine Varghese-Kavalachirayil | Flughafen KölnBonn GmbH
BIRGIT JUNGMitglied der Geschäftsführung Jobcenter Köln 

Einfach mal sagen: Ich bin gut!

Frau Jung, was ist für Sie als Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Köln Ihr aktuell wichtigstes Ziel, was ist die größte Herausforderung und welche Eigenschaft ist die, die Ihnen hier am meisten hilft?

In der Geschäftsführung gibt es nicht nur ein Ziel, was wichtig ist. Die Aufgabe ist, ganz viele Bälle möglichst in einer ausgewogenen Balance in der Luft zu halten; vieles zu tun, ohne das andere zu lassen. Das ist immer die Herausforderung, mit der Sie in der Geschäftsführung umgehen müssen um zu einer wirklich wichtigen qualitativen Weiterentwicklung zu kommen.

Heutzutage haben wir ja den großen Vorteil, dass durch ein neues Bewusstsein unserer Generation die Frauenförderung strukturierter verläuft, organisiert ist. Haben Sie Ihren beruflichen Erfolg bewusst geplant? Hatten Sie Mentoren, die Sie auf Ihrem Weg begleitet haben (wenn auch nicht durch ein Mentorship Programm organisiert)? Oder sah Ihr Plan anders aus als es nun die Realität ist? Und hingen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen in Ihrem Leben damit zusammen, dass Sie eine Frau sind?

Meinen beruflichen Erfolg habe ich nicht bewusst geplant. Es ging mir immer um die Aufgabe, wahrscheinlich auch, weil ich fürchterlich wissbegierig bin. Ich wollte es immer wissen, und dieses Potential haben meine Vorgesetzten erkannt. Ich war nie in einem Mentorenprogramm, sondern hatte immer Chefs, die wussten, dass ich mich auf Themen einlasse und keine Angst habe, mich auf neuem Terrain zu bewegen. Ich hatte immer Führungskräfte, die nicht auf Traditionen beharrt haben, sondern die genauso den Willen zu Veränderungen hatten. Ich habe viel Initiative gezeigt, weil es mir immer wichtig war, zu zeigen, dass die Agentur oder auch das Jobcenter, das „weltbeste Jobcenter“ wird.

Gab es Momente, in denen Sie Ihre Laufbahn außerhalb der Bundesagentur für Arbeit gesehen haben? Und wenn ja, warum sind Sie geblieben?

Die Vielfalt, die der Arbeitgeber Bundesagentur für Arbeit bietet, ist extrem umfangreich. Die Aufgabe, die die Bundesagentur hat, sowohl im SGB II als auch im SGB III ist so gesellschaftlich wichtig, dass ich gar nicht wechseln möchte.

Kathryn Bigelow hat 2010 als erste Regisseurin einen Oscar gewonnen. Ihre Reaktion auf die Presse, die das immer wieder herausgestellt hat, war: „I suppose I like to think of myself as a filmmaker“, rather than a female film-maker. Sie sind die erste Frau seit Einführung des Jobcenters in der Geschäftsführung. Empfinden Sie einen besonderen Druck deswegen – eine Herausforderung, die über die Arbeitsanforderung per se hinausgeht? Oder sehen Sie sich weniger als Repräsentant für Frauen und mehr als ein Individuum in ihrer Führungsposition? Und sollten wir alle uns – egal ob als Frau, als Migrant, als Homosexuelle/r etc. – durch unsere Person definieren statt durch unseren Status als „minority“ oder WASP (White Anglo Saxon Male)?

Ich wünsche mir genauso wie die Regisseurin, dass das irgendwann mal keine Rolle mehr spielt, dass wir da bald nicht mehr darüber reden müssen. Es ist natürlich klar, dass Frauen anders führen als Männer, das erlebe ich jeden Tag mit meinem Kollegen in der Geschäftsführung. Das ergänzt sich sehr gut. Ich kann allen Frauen raten: nicht warten, sondern Chancen nutzen, Selbstbewusst-sein zeigen, der Aufgabe folgen. Das Leben ist kein Wartezimmer, Du wirst nicht aufgerufen. Es ist nicht erforderlich, das Licht unter den Scheffel zu stellen.

Was würden Sie sich wünschen, dass Menschen über Ihren Job und Ihren Arbeitgeber wissen?

Ich möchte, dass die Kölnerinnen und Kölner über uns sagen, wir sind stolz, dass wir in Köln so ein Jobcenter haben.

Interviewt von:
ANISSA SAYSAY | Jobcenter Köln
CHRISTIANE LAIBACHGeschäftsführerin DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs-gesellschaft mbH

Niemand ist perfekt, wenn er/sie den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen.

Sie haben wichtige Karriereschritte als jeweils erste Frau in einem eher männlich dominierten Umfeld gemeistert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Durchaus unterschiedliche – das kennen wir sicher alle. Bevor ich zur DEG kam, bewegte ich mich über die Jahre in so unterschiedlichen Branchen wie der Finanzierung von Fluggesellschaften, der Schifffahrt und auch dem Risikomanagement. In der Flugzeugbranche fiel es mir zunächst nicht so schwer Fuß zu fassen. Die Community war sehr international, mit vielen jungen Gesichtern und angelsächsisch aber auch französisch geprägt. Diese Diversität, aber auch einige Frauen in Führungspositionen, an denen ich mich orientieren konnte, haben sehr geholfen. Richtig bewusst wurde mir dies aber erst, als ich mich in der Schifffahrtsbranche bewähren musste – hier geht es sehr traditionsbewusst zu, alteingesessene Kaufmannschaften und Reeder prägen die Kultur. Erst während dieser Zeit habe ich die Bedeutung von männlichen Netzwerken erkannt und mehr und mehr verstanden damit umzugehen. Das letzte Quäntchen zum vollkommenen Zugang fehlte jedoch immer. Gerade deshalb finde ich Frauennetzwerke so wichtig. Und über die Jahre entwickeln sich diese auch inhaltlich immer mehr. Die gegenseitige Unterstützung wird konkreter – in persönlichen Fragen der Karriere und auch im Austausch von Informationen, Ideen und Kontakten in geschäftlichen Fragen. Das finde ich sehr ermutigend.

Was hat Sie zu dem jeweils nächsten Karriereschritt motiviert?

Ich hätte mir nie vorstellen können, über Jahrzehnte immer sehr ähnliche Aufgaben zu haben. So ein Berufsleben ist lang, und Veränderung motivierte mich immer wieder. Mit jeder neuen Stufe in der Hierarchie ist nicht nur eine fachliche Weiterentwicklung verbunden und ein anderer Blick auf die Dinge. Man muss sich insbesondere auch als Mensch in einer neuen Rolle ausprobieren. Das hat mich stets gereizt. Dafür braucht es Neugierde und Mut, die Herausforderung anzunehmen. Frauen zögern und hinterfragen sich manchmal zu lange, wenn sich eine Chance ergibt. Ich kenne dies von mir selbst nur zu gut. Ich habe auch erst nach einiger Zeit verstanden, dass niemand perfekt ist, wenn er den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen. Ich rate Frauen, im richtigen Moment entschieden JA zu sagen.

Gibt es Erfahrungen, die Sie lieber nicht gemacht hätten?

Als ich 9/11 für die Flugzeugfinanzierung verantwortlich war und weltweit eine Konkurswelle von Fluggesellschaften auslöste, begann eine beruflich sehr schwierige Phase mit enormen Herausforderungen und Belastungen. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich mir diese Aufgabe nicht zugetraut. Damals hätte ich auf diese Erfahrungen gerne verzichten wollen. Aber im Rückblick habe ich in solchen Phasen am meisten gelernt. Wohl auch fachlich-inhaltlich, aber vor allem über mich persönlich. Ich habe erleben können, dass ich auch in Stresssituationen Aufgaben gut bewältigen kann und mich Rückschläge nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Dies hat mir in späteren beruflichen Situationen sehr geholfen und rückblickend wollte ich diese Erfahrungen nicht mehr missen.

Interviewt von:
Franziska Hollmann | DEG
MANUELA MARQUESBereichsleiterin „Customer Solutions“ DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH

Frauen sollten ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen.

Frau Marques, Sie leiten den Bereich „Customer Solutions“, ein Bereich, der sich durch Kreativität und Vielfalt kennzeichnet. Inwiefern entspricht das Ihrem Werdegang, und welche Eigenschaften zeichnen Sie aus, um Veränderungsprozesse und Themenvielfalt zu managen?

Für die Leitung des DEG-Bereichs „Customer Solutions“ fiel die Wahl der Geschäftsführung 2015 auf mich, nachdem ich zuvor das Middle Office und nunmehr die neue Abteilung Syndizierung & Wissensmanagement im neu geschaffenen Bereich aufbauen sollte. Neben einer breiten fachlichen Ausrichtung strahle ich in Veränderungsprozessen offenbar die nötige Ruhe aus und halte eine gute Balance zwischen den unterschiedlichsten Themen. Als Bereichsleiterin „Customer Solutions“ ist mein Interesse vor allem darauf gerichtet, was im operativen Geschäft gebraucht wird, was das eigentliche Ziel einer (aufzubauenden) Abteilung ist, wo etwaige Probleme liegen und wie wir gemeinsam zu pragmatischen Lösungen kommen. Darüber hinaus kann ich in der Führung sehr gut „Leine lassen“, um Mitarbeitern Raum für Kreativität zu geben. Bei den fünf recht unterschiedlichen Abteilungen meines Bereichs ist es darüber hinaus kaum möglich, in alle Themen sehr detailliert einzusteigen. Vielmehr sehe ich meine Rolle darin, bei Veränderungsprozessen alle Stakeholder mit ins Boot zu nehmen und etwaige Bedenken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Hierbei geht es mir darum herauszufinden, wo die Gründe für die Vorbehalte liegen, und gemeinsam alternative Lösungen zu entwickeln. All diese Facetten machen meinen Job unglaublich interessant.

Sie managen neben Ihrem Full-time Job noch eine Familie, sind Mentorin und in diversen Netzwerken aktiv. Wir erleben Sie als immer fröhlich und voll positiver Energie. Was gibt Ihnen für all diese Aktivitäten die Energie und wie bekommen Sie alles so locker unter einen Hut?

Meine Mutter war immer berufstätig, und auch ich wollte beides: einen interessanten Beruf und eine Familie. Vorbilder habe ich auch während meiner Zeit als Au-pair in Paris gefunden, wo es Normalität war, dass beide Elternteile berufstätig und viel unterwegs waren, und daneben das Familienleben mit kleinen Kindern gemeistert haben. Bei der Umsetzung dieses Lebenskonzeptes hat mich mein Mann sehr unterstützt, indem er als Freelancer die Familie an die erste Stelle setzen konnte und mir damit – insbesondere als die Kinder noch klein waren – den „Rücken freihielt“. Das war für mich ein unglaublicher Luxus, auch wenn ich lernen musste zuzulassen, dass der Vater in bestimmten Lebenslagen für die Kinder wichtiger war als die Mutter. Viel meiner Kraft rührt sicherlich daher, dass ich nach Hause komme und dort eine völlig andere Welt als im Büro vorfinde. Meine Kinder erden mich und stehen nach einem Arbeitstag mit ihren Themen ganz im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Darüber hinaus macht mir mein Beruf unglaublich viel Freude, und ich bin dankbar, dass meine Stärken erkannt wurden und ich mich beruflich weiterentwickeln konnte. Für mich ist eine gute Balance zwischen Beruf und Familie das A und O.

Was raten Sie Frauen, die Karriere und Familie vereinbaren wollen und trotzdem sie selbst bleiben wollen?

Hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde ich jeder jungen Frau raten, sich den passenden Mann dafür auszusuchen – sofern man die Partnerwahl überhaupt steuern kann. Der Mann muss ja nicht auf seine Karriere verzichten, sollte aber auch seiner Frau eine Karriere zugestehen. Das ist wirklich sehr wichtig. Eine zweite wichtige Voraussetzung ist der Spaß am Job. Nur dann ist FRAU in der Lage, Engagement zu zeigen und die Bereitschaft auszustrahlen, Verantwortung übernehmen zu wollen. Darüber hinaus sollten Frauen ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen. In dieser Hinsicht sind Frauen häufig zu bescheiden und vermitteln den Eindruck, dass der Erfolg doch eine selbstverständliche Leistung war. Und – last but not least – halte ich es für wichtig, einen guten Ausgleich zu finden, etwas, bei dem FRAU ihre Batterien aufladen kann. Das kann Sport sein oder – wie in meinem Fall – die Gestaltung und Arbeit im Garten.

Interviewt von:
Christina Gabener | DEG
EVA-MARIA MICHELStellvertretende Intendantin und Justiziarin WDR

Meine Mentorin war für mich der große Glücksfall!

Seit Oktober 1997 sind Sie Justiziarin im WDR. War das immer schon Ihr Karriereziel?

Nein, ich habe Jura studiert, weil ich Richterin werden wollte. Ich hatte vor zu promovieren und durch das Thema der Arbeit bin ich zum Süddeutschen Rundfunk gekommen als Referentin der damaligen Justiziarin. Bei ihr habe ich gesehen, dass es möglich ist, eine Führungsaufgabe als Frau mit Familie gut und erfolgreich zu machen. Das hat mich sehr beeindruckt.

War sie Ihre Mentorin?

Genau, das war für mich der große Glücksfall. Sie hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich die Aufgaben, die sie mir übertragen hat, erfüllen kann. Sie hat an mich geglaubt und mir die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich bemühe mich sehr, in meinem Team den Frauen auch diese Unterstützung zu geben. Eine Beobachtung ist, dass Frauen vielfach inhaltlich qualitativ besser sind, aber Männer sich oftmals besser verkaufen.

Woran liegt es, dass wir Frauen dieses Selfmarketing nicht gut können?

Ich selbst dachte auch immer, dass, wenn man eine Sache gut gemacht hat, darüber reden und Marketing gar nicht notwendig sind. Das ist falsch, heute sage ich: „Macht nicht nur gute Arbeit, sondern steht auf und redet darüber. Und wenn andere ihre tollen Leistungen loben, dann tönt bitte noch einen Ton lauter.“

Jetzt ist die Geschäftsleitung paritätisch besetzt, und über 35% der Führungskräfte im WDR sind weiblich. Gibt es im WDR speziell für Frauen Führungsseminare?

Es gibt ein internes Mentoringprogramm. In den technischen Bereichen gibt’s besondere Anstrengungen, weibliche Führungskräfte zu entwickeln und wir erhoffen uns auch, aus dem Bündnis neue Ideen und Anregungen zu bekommen. Alle Unternehmen haben festgestellt, dass Frauen eine Bereicherung sind. Sie haben in der Regel eine bessere soziale Kompetenz. Die meisten Frauen sind belastbarer und trotzdem ausgeglichener.

Ihr Arbeitstag ist sicher nicht nach acht Stunden zu Ende. Können Sie noch abschalten?

Ja, aber das habe ich mir hart erarbeiten müssen. Ich habe festgestellt, wenn ich dies nicht schaffe, dass das Leben dann nur noch aus Arbeit besteht, Freundschaften und Interessen auf der Strecke bleiben. Das darf nicht sein. Ich mache regelmäßig Sport, um Stress abzubauen. Und ich beginne den Tag mit Klavierspielen. Dadurch habe ich eine Zufriedenheit erreicht, die man nicht durch den beruflichen Erfolg bekommt.

Ist das Ihr Erfolgsrezept? Spaß und Zufriedenheit bei der Arbeit?

Ja, ich nehme meinen Beruf sehr ernst und er macht mir Spaß! Dazu gehört auch, dass ich in einem Direktorium bin, in dem ich gut angenommen bin und mich gut aufgehoben fühle. Ich kann mich einbringen und es sind Menschen, mit denen ich gerne arbeite. Und: hier im Justiziariat habe ich ein ganz tolles Team, auf das ich mich jeden Tag freue!

Interviewt von:
Anne Buchholz | WDR
BETTINA MÖTTINGAbteilungsleiterin Zentrale Dienste Jobcenter Köln

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

(Marlene Dietrich)

Frau Mötting, wie wurden Sie zu der, die Sie heute sind?

Mir war ein ehrliches, offenes Feedback immer sehr wichtig. Außerdem stelle ich mich stets Herausforderungen, auch wenn es oftmals eine harte Schule ist. Auch beobachte ich gerne Menschen und schaue mir einiges ab. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Diese Fähigkeit macht auch heute noch einiges leichter. Wenn ich so auf mein Berufsleben schaue, habe ich die stärksten Entwicklungen durch Feedback und auch das Lernen aus Fehlern gemacht. Fehler passieren jedem und oft absolut unabsichtlich. Das Lernen daraus hat mich wirklich unheimlich geprägt.

Welche Ihrer Entscheidung hat Ihre berufliche Karriere am meisten beeinflusst?

Mit Mitte zwanzig bewarb ich mich für einen Lehrgang bei der Stadt Köln für potentielle Führungskräfte und wurde als eine der Jüngsten angenommen. Dieser einjährige Lehrgang war schon eine Wende in meinem Berufsleben. Dort bekam ich viel Feedback, Führungskräfteschulungen, den Blick über den Tellerrand und vor allem baute sich ein Netzwerk auf, welches heute noch funktioniert. Ich wurde sichtbar! Ein zweiter wichtiger Schritt war kurz nach der Geburt meines Sohnes sicherlich auch die Übernahme einer verantwortungsvollen Führungstätigkeit in Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde zur Herausforderung, aber es nahm alles einen guten Weg, und ich würde es jederzeit wieder so machen.
2014 nahm ich als Mentee an einem Crossmentoring mit sieben Kölner Unternehmen teil. Auch diese Zeit hat meinen Horizont sehr erweitert und ich bekam interessante Stellenangebote. Viele Jahre war mir gar nicht bewusst, welchen Herausforderungen ich mich gestellt habe und wie ich diese gemeistert habe. Erst mit der Erfahrung und dem Wissen, was ich heute habe, gucke ich zurück und dachte, interessant was Du früher für jecke Sachen gemacht hast.

Müssen Frauen sich wie Männer benehmen, um erfolgreich zu sein

Nein, bitte nicht! Es ist anstrengender es nicht zu tun.

Familie und Beruf passen bei Ihnen unter einen Hut, weil…?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in erster Linie eine Organisationsfrage. Ich habe auch immer versucht, daraus kein Problem zu machen, sondern es immer selbstverständlich in den Alltag mit einfließen lassen. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber finde ich allerdings auch die Bedingungen vor, die mir all dies ermöglichen. Und natürlich habe ich zum Glück ein tolles Kind, das das alles gut mitmacht.

Was würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem 18-jährigen Ich sagen wollen?

„Blamiere dich täglich!“ Übersetzt heißt das: Sei entschlossen, probiere dich aus, riskiere auch mal Fehler zu machen, sei weltoffen. Das bringt dich voran. Ich hatte damals eine typische Mädchenerziehung. Es war schwer mich zu emanzipieren und meinen eigenen Weg zu finden. Deshalb hätte ich mir schon früher mehr eigene Courage für meinen Lebensweg gewünscht und mir etwas mehr Zeit für meine persönliche Entwicklung und Ausbildung nehmen sollen z.B. durch Auslandsaufenthalte.

Interviewt von:
Sabine Arimond und Heike Verbeeten | Jobcenter Köln
ROSWITHA MÜLLER-PIEPENKÖTTERMitglied des Vorstandes des Diö­zesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln e. V., Staats­mi­ni­sterin a.D. und Bundes­vor­sit­zen­de des Weißen Ring

Im Zweifel sind die Konkurrenten auch nicht besser, lassen Sie nicht zu, dass sie sich nur besser verkaufen.

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Ich glaube, ganz wichtig war die Fähigkeit, mich für meine Aufgaben zu begeistern. Dann die Neugier und die Bereitschaft, von anderen zu lernen und deren Kenntnisse und Erfahrungen aufzunehmen und in der eigenen Arbeit umzusetzen. Schließlich mit der Übernahme von Führungspositionen habe ich erlebt, wie wichtig die Fähigkeit ist, gute Leistungen anderer zu schätzen und zu würdigen. Als Führungskraft muss man sich immer bewusst sein, dass man nur so gut sein kann wie sein Team/seine Organisation. Nach meiner Erfahrung arbeitet eine Organisation umso besser, je mehr Freiraum man den Leistungsträgern zur Entwicklung gibt. Das muss aber von innen heraus kommen, mit spürbarer echter Freude über die gute Leistung der anderen. Meine Maxime war immer: Schlechte Leistungen werden angesprochen aber nicht breitgetreten, sehr gute Leistungen werden gefeiert.

Haben Sie selbst im Berufsleben eine/n Mentor/in gehabt? Was haben Sie von ihm/ihr gelernt?

Vor 40 Jahren, als ich in das Berufsleben eintrat, gab es den Begriff noch nicht. Aber ein älterer Kollege hat mir ziemlich zu Beginn meiner beruflichen Karriere einmal gesagt, „man muss immer jemanden haben, der einen will“. Und so denke ich, dass die Vorsitzenden, in deren Spruchkörper ich gearbeitet habe, ebenso (durchaus auch in Einzelpunkten kritisch betrachtete) Vorbilder wie Förderer waren. Das gilt genauso für entscheidende Personen in Verbänden, in denen ich tätig war, und in der Politik.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Beim Berufseinstieg ist aus meiner Sicht zunächst einmal wichtig, die Arbeit mit Freude anzugehen und lernbereit zu sein. Egal, welche Ausbildung man hatte, für den Berufsalltag ist man noch nicht wirklich gerüstet. Wenn diese Freude, dieses Brennen für eine Aufgabe sich nicht nach einigen Wochen der normalen Unsicherheit einstellt, sollte man sich fragen, ob man in der richtigen Branche und in der richtigen Organisation tätig ist, denn nur da kann man Erfolg haben. Und dann, wenn man sich sicher fühlt, sollte man sich melden, wenn es neue Aufgaben zu übernehmen gibt oder eine Position zu besetzen ist, für die man sich für geeignet hält. Die bei Frauen oft zu beobachtende Selbstkritik finde ich grundsätzlich durchaus positiv, aber man darf sich nicht ständig in Selbstzweifeln ergehen. Im Zweifel sind die Konkurrenten auch nicht besser, lassen Sie nicht zu, dass sie sich nur besser verkaufen.

Interviewt von:
Karen Pilatzki | Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.
BIRGIT OSSENDORF-WILLLeiterin Personal STRÖER

Mutig sein!

Du bist Mitglied des ExCom, der höchsten Entscheider-Ebene bei Ströer. Auf was führst Du zurück, dass Du diese Position erreicht hast und erfolgreich Dinge bewegen kannst?

Ehrlicherweise hatte ich keine Vorstellung davon, wie meine Karriere mal aussehen kann. Aber von Anfang an gab es Dinge, die für mich wichtig waren und heute noch immer wichtig sind: neugierig sein, Dinge von allen Seiten zu betrachten und mir bei Aufgaben (auch wenn sie mal nicht so spannend sind) zu überlegen, warum, wieso, weshalb und was geht besser. Wissbegierig sein, mit Themen überzeugen und Ergebnisse liefern. Mit Menschen zu arbeiten. Ich stehe für kreative – manchmal verrückte – Ideen, neue Impulse und deren Umsetzung. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sind für mich sehr relevant. Zutrauen und Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, auch mehr machen zu dürfen und mehr Verantwortung zu meistern. Es gibt immer ein „Mächtespiel“. Die Kunst ist es, dies als Spiel zu begreifen und mit Können, Humor, Witz und Souveränität aufzunehmen. Zickenterror oder besserwisserische Attitüden führen genauso wenig zu Ergebnissen wie Machogehabe.

Welche Tipps hast Du, sich in einer männerdominierten Entscheider-Ebene durchzusetzen? Inwieweit musstest Du dazu Dein Verhalten oder Auftreten auf dem Weg Deiner Karriere verändern?

Es gibt einen guten Tipp: Sei Du selbst. Ich finde, wir Frauen sind Frauen und sollen auch Frau bleiben. Die Geschlechter auf der Welt teilen sich ca. 50/50 auf. Wenn wir Kunden haben, dann wird die Verteilung wahrscheinlich ähnlich sein. Glauben wir wirklich, dass eine Gruppe von Männern oder eine Gruppe von Frauen gute Entscheidungen treffen, was diese Kunden benötigen? Ich sehe generell einen Vorteil darin in Teams eine größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten. Es gibt einen tollen Spruch den man dem österreichischen Philosophen Paul Watzlawick nachsagt: „Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun.“ Dieses Andere kommt in diversen Teams viel schneller ans Tageslicht als in konformen Teams. Weitere Tipps wären: Habt eine Meinung und vertretet diese. Vertretet auch die Leistung, die Ihr erbringt. Achtet darauf, dass Eure Themen klar, strukturiert und eindeutig formuliert sind. Habt eine Meinung und vermeidet Phrasen wie z.B. „Vielleicht könnten wir ja…“, „Es fühlt sich nicht gut an…“ Bleibt in Eurer Tonhöhe und werdet nicht schrill. Seid nicht launig. Ergreift Eure Chancen. Aber bitte bleibt Frau, und seid einfach gut!

Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, Entscheidungen oder Momente, die Dich erfolgreich gemacht haben?

Die erste wahrscheinlich: Jeden Tag daran denken, wie ich etwas verbessern kann, und es auch dann tun. Frei nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. Aber insbesondere mit Menschen arbeiten. Das treibt mich an und macht mir Spaß. Es freut und motiviert mich, wenn Teams funktionieren und ich bei der Optimierung der Ergebnisse mithelfen kann und durch neue Impulse etwas bewegen kann.

Wie hast Du es geschafft Familie, Partnerschaft & Privatleben mit dem Karriereweg zu vereinbaren? Welche Tipps hast Du, um eine Balance zu schaffen und dennoch die Karriere weiter zu verfolgen?

Ich arbeite sehr gerne und häufig auch sehr viel. Doch es funktioniert nur deswegen gut, da mein Mann ein echter emanzipierter Partner ist und wir Aufgaben selbstverständlich aufteilen. Dabei haben wir auch Aufgaben abgegeben und auch ohne schlechtes Gewissen externe Hilfe in Anspruch genommen, um die wenige private Zeit, die wir hatten, auch für uns und die Familie wertvoll zu nutzen. Es gibt Vorteile dabei: Meine Kinder haben durch externe Betreuung eine große Vielfalt erlebt. Wichtig ist allerdings: Wenn ich da war, war ich für sie da! Es ist auch klar, dass Prioritäten in der Familie – Geburtstage z.B. – echte Prioritäten sind. Wenn meine Kinder oder mein Mann Geburtstag oder einen „großen Tag“ haben, dann bin ich da und nicht woanders.

Interviewt von:
Silke Marlene Backhaus | STRÖER
DR. KATRIN VERNAUVerwaltungsdirektorin WDR

John UND Jane – Vielfalt ist ein Gebot der Fairness!

Hatten Sie schon immer das Ziel vor Augen, Karriere zu machen?

Tatsächlich hatte ich nie das abstrakte Ziel, „Karriere zu machen“. Ich wollte immer eine Aufgabe haben, die mich fordert und bei der ich auch etwas bewegen kann. Und ich habe alles mit voller Leidenschaft und großem Engagement gemacht. Dass sich mein bisheriger Lebensweg möglicherweise als „Karriere“ darstellt, ist das Ergebnis, aber nicht das Ziel.

Gab es eine Mentorin/einen Mentor, die/der Sie gefördert hat?

Es gab und gibt immer wieder Menschen, die mir etwas zugetraut haben. So haben sich für mich Chancen ergeben, die ich ergriffen habe und an denen ich gewachsen bin. Diese Menschen haben einen Blick für die Entwicklungspotenziale in ihrem Umfeld und Freude daran, diese zu fördern.

Es heißt, Männer verkaufen sich generell besser. Warum ist Selfmarketing für uns Frauen so schwierig?

Ich glaube, Männer lernen tendenziell im Zuge ihrer Sozialisation eher, sich im Wettbewerb zu behaupten. Sie erkennen früher, dass es nicht nur darauf ankommt, brav gute Sacharbeit zu leisten, sondern damit auch wahrgenommen zu werden. Und dass es auch nicht hilft zu wissen, dass man selbst vielleicht die schlauste, fleißigste Person im Raum ist, sondern dass es auch auf Networking und Zusammenarbeit mit anderen ankommt. Frauen erfahren tendenziell, dass von ihnen erwartet wird, dass sie zum sozialen Zusammenhalt einer Gruppe beitragen, sich selbst darin einpassen, die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Damit gibt es schon sehr unterschiedliche Erfahrungshintergründe, wenn wir die Extrempunkte betrachten. Aber wir sind ja unser ganzes Leben lang lernfähig und können immer unser Verhaltensspektrum erweitern.
Allerdings habe ich auch beobachtet, dass ein und dasselbe Verhalten ganz unterschiedlich wahrgenommen wird, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau es an den Tag legen: Während Männer laut werden oder sehr entschieden, sogar hart, auftreten können, um ihr Gegenüber zu beeindrucken, sehen sich Frauen bei ähnlichem Verhalten dann schnell mit Zuschreibungen wie „hysterisch“ oder „Haare auf den Zähnen“ konfrontiert.
Es geht in jedem Fall darum, Gleichberechtigung bei der Entwicklung und Besetzung von Führungs-positionen zu erzeugen – das ist allein schon eine Frage der Fairness. Zudem bin ich überzeugt, dass Vielfalt in jeder Hinsicht zu besseren Lösungen führt – so dass es auch im ureigenen Interesse jedes Unternehmens sein müsste, Führungspositionen mit unterschiedlichen Menschen zu besetzen. Wenn tatsächlich, wie die New York Times kürzlich ausgewertet hat, die Anzahl allein der Männer mit dem Vornamen John in Boards der Fortune-500-Unternehmen größer ist als die Anzahl der Frauen, dann ist dieses Ziel offensichtlich noch nicht erreicht!

Interviewt von:
Anne Buchholz | WDR
BEATE WEGMANN-STEFFENSVerwaltungsleiterin Evangelischer Kirchenverband

Neugierde, Ungeduld, Freude am Gestalten – das macht mich zur „MACHERIN“.

Wie sind Sie zur „Macherin“ geworden? Was waren die wichtigsten Meilensteine auf Ihrem Lebensweg?

Um eine „Macherin“ zu werden, ist es aus meiner Sicht wichtig einen ausgeprägten inneren Antrieb zu haben. Kreativität kommt aus einem selbst, d.h. die Macherin muss „in einem stecken“. In meinem Fall hat meine Sozialisation dazu beigetragen, da ich aus einem selbstständigen Haushalt stamme. Dadurch wurde es mir durch die Erziehung mitgegeben kreativ zu sein, ebenso auch Neugierde, Ungeduld und die Freude am Gestalten. Diese Attribute machen für mich eine „Macherin“ aus. Meinen beruflichen Werdegang habe ich mit einem Studium zur Diplom‑Verwaltungswirtin begonnen. Anschließend trat ich in einer Kommune meine erste Arbeitsstelle an, bei welcher ich das große Glück hatte früh eine leitende Position zu erlangen. Ich verantwortete die Betreuung der Gremienarbeit, mit welcher ich eine direkte Stabsstelle darstellte. Anschließend arbeitete ich als Referentin für drei Stadtdirektoren und diese Arbeit war vor allem durch selbstständiges Arbeiten sowie von gefordertem diplomatischen Geschick geprägt. 1995 wechselte ich zur Evangelischen Kirche in Köln. Hier bestritt ich einen „klassischen Weg“ angefangen von der Leitung eines kleinen Gemeindeamts mit 15 Mitarbeitern bis seit 2011 hin zur Leitung der Verwaltung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region mit direkter Führungsverantwortung für rund 60 Mitarbeiter.

Was waren auf diesem Weg die größten Herausforderungen, und wie konnten Sie diese meistern?

Vor allem zum Beginn meiner Karriere war die größte Herausforderung die Work‑Life‑Balance zu halten. In den ersten zehn Jahren arbeitete ich sehr viel und oftmals auch am Abend. Hier war es immer eine Zerrissenheit zwischen dem Wunsch mit viel Engagement einen guten Job zu machen und der Sorge die Familie zu vernachlässigen. Als meine Tochter geboren wurde, arbeitete ich zunächst in Teilzeit und stieß dabei bei anderen Führungskräften, die fast ausschließlich männlich waren, auf großes Unverständnis. Damals hatte ich als weibliche Führungskraft eine Vorreiterrolle und musste mich stets durchsetzen. Gemeistert habe ich die Situation zum einen beispielsweise durch die Unterstützung eines Au‑Pair‑Mädchens, aber vor allem durch meinen eigenen Einsatz. Dabei haben mir vor allem Selbstcoaching und -reflexion geholfen.

Welchen Tipp hätten Sie gerne schon zu Beginn Ihrer Karriere gekannt? Welche Karriere-Tipps haben Sie für uns Mentees?

Empfehlen kann ich die „kollegiale Beratung“. Außerdem kann ich nur raten, möglichst viel an Projektarbeit teilzunehmen, da dort direkt mehrere Kompetenzen gestärkt werden. Besonders erfolgreich ist diese Arbeit, wenn die Projektgruppe verschiedene Hierarchieebenen vereint. Grundsätzlich halte ich es für sehr empfehlenswert öfters auch Feedback aus unterschiedlichen Ebenen einzuholen. So kann es bereichernd sein, dem Hausmeister sein aktuelles Projekt vorzustellen. Insgesamt ist es entscheidend über den Tellerrand hinaus zu blicken. Mein Tipp ist es, so oft wie möglich in andere Unternehmenskulturen zu blicken und sich zu vernetzen. Von daher machen die Mentees durch die Teilnahme an dem Cross‑Mentoring‑Programm aus meiner Sicht alles richtig.

Interviewt von:
Isabel Meyer | Flughafen KölnBonn GmbH
CHRISTIANE WEIGANDGeneralbevollmächtigte Personal Sparkasse KölnBonn

Frauen sollten sich mehr zu­trau­en!

Müssen Frauen Ihrer An­sicht nach besser qualifi­ziert sein als Männer, um das glei­che Karriere­ziel zu errei­chen?

Dass Frauen in hö­he­ren Führungs­ebe­nen in vielen Unternehmen lei­der immer noch unter-re­prä­sentiert sind, ist mei­ner An­sicht nach kei­ne Fra­ge der Qualifi­ka­tion. Dies ist er­fahrungs­gemäß eher der Tat­sa­che ge­schul­det, dass sie sich selbst und die ei­ge­nen Fähig­kei­ten stär­ker hinter­fra­gen als Männer dies tun. Frauen müssen deut­lich selbst­bewusster wer­den und sich klar­machen: Beruf­li­cher Er­folg stellt sich in der Re­gel nicht durch Zu­fall ein. Entwick­lungen, die man sel­ber vielleicht als glück­liche Fü­gun­gen wahr­nimmt, sind es meist nicht. Viel­mehr sind sie ein Zei­chen da­für, dass man in der Ver­­gan­gen­­heit bereits durch gute Er­gebnisse über­zeugt und dann im richti­gen Mo­ment die Initiati­ve er­griffen hat.

Welche Meinung haben Sie zum Thema Frauenquote?

Die Fest­le­gung einer Frauen­quote trägt si­cher dazu bei, dem wichti­gen The­ma „Frauen in Füh­rung“ in der Öffentlich­keit mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­schaffen. Meines Er­achtens kann eine ver­pflichten­de Quote weib­licher Führungs­kräf­te das ei­gentli­che Prob­lem, das diesem The­ma zugrun­de liegt, jedoch nicht be­he­ben. Um den An­teil von weib­lichen Führungs­kräf­ten signifi­kant zu erhö­hen, muss statt­dessen der kul­turelle Wan­del der Gesell­schaft for­ciert werden. In vielen – auch weib­lichen – Köp­fen ist näm­lich immer noch das Bild von der klassischen Rollen­vertei­lung vor­han­den: Der Mann als der­je­ni­ge, der sei­ne Karriere ver­folgt, während die Frau ihren beruf­li­chen Erfolg zu­guns­ten der Familie zurück­stellt. Dieses Bild gilt es nun zu moderni­sieren. In dieser Hin­sicht ist es für Unterneh­men besonders wichtig, die Verein­bar­keit von Familie und beruf­licher Führungs­auf­gabe gezielt zu för­dern. So sollten engagierte Frauen, die eine eigene Fami­lie grün­den und gleich­zeitig in ihrer Firma Karriere ma­chen möch­ten, wie zum Bei­spiel bei der Sparkasse KölnBonn durch innovati­ve Programme wie „Führen in Teilzeit“ unterstützt wer­den.

Wie lauten, rück­blickend auf Ihre bis­herige Lauf­bahn, Ihre wichtigsten Tipps für weib­liche Führungs­kräf­te?

Zu­nächst einmal sollten Frauen sich ein­fach deutlich mehr zu­trau­en. Sie müssen sich auf ihre Stär­ken be­sinnen und diese ge­zielt für die ei­ge­ne Karriere nut­zen. Außerdem ist es wich­tig, Chan­cen so­fort aktiv zu er­grei­fen, so­bald sie sich bieten. Frauen dür­fen nicht da­rauf war­ten, wie Dorn­röschen wach­geküsst zu wer­den, sondern müssen selbst die Initiative er­grei­fen und sich auch von ge­legentli­chen Rück­schlä­gen nicht ent­mutigen lassen.

Interviewt von:
Theresa Fuchs und Stefanie Schulze | Sparkasse KölnBonn
Dr. Isabell Nehmeyer-SrockeAmtsleiterin in der Kämmerei der Stadt Köln

Mein Wille, die Dinge zu verändern, treibt mich unermüdlich an.

Wie verlief Ihr Karriereweg?

Ich habe Betriebs­wirtschafts­lehre stu­diert und über Konzern­rechnungs­le­gung in Gebiets­körper­schaf­ten pro­mo­viert. Schon da­mals hatte ich den Wunsch, irgend­wann in einer Kommune ein moder­nes Rechnungs­we­sen in die Praxis ein­zu­füh­ren, was der Kommune zu mehr Trans­pa­renz und Effi­zienz ver­hilft. Be­vor ich das jetzt in Köln tun darf, habe ich Erfah­run­gen in ver­schie­denen Jobs im öffentli­chen und privat­wirtschaftli­chen Be­reich gesammelt. U.a. in der Wirtschafts­prüfungs­ge­sell­schaft Ernst & Young, in der Be­ra­tung des Fi­nanz­­mi­­ni­­ste­riums von Ghana und als Finanz­vor­stand für die Allianz Bul­ga­rien.

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie be­sonders wich­tig, um im Be­ruf Erfolg zu ha­ben?

Mein beruf­licher Erfolg beruht vor allem auf einer gu­ten Kommu­ni­ka­­tion. Ich bin immer offen für neue Arbeits­for­men und Men­schen. Dabei gehe ich auf die Leu­te zu und kann auch über mei­nen Schatten sprin­gen. Ich habe inter­national in ver­schie­­de­nen Be­rei­chen gearbei­tet und dabei vie­le Er­fah­run­gen und An­­re­­gun­gen gewonnen. Neue Ideen zu gene­rieren und die Fähigkeit, Wel­ten mit­einander zu ver­bin­den, sind Er­geb­nisse dieser Tä­tig­kei­ten. Dies bezieht sich nicht nur auf die inter­nationale, inter­kulturelle Perspekti­ve, sondern auch auf die Unterschie­de und Ge­meinsamkei­ten von öffentlicher Ver­wal­tung und Groß­konzer­nen. Wich­tig ist es mir, Themen und An­lie­gen voran­zutrei­ben und nicht auf­zuge­ben.

Welchen Tipp wür­den Sie einer Frau am An­fang ihrer Karrie­re mit auf den Weg ge­ben?

Aus meiner Sicht sollte jede Frau ihre Karrie­re aktiv ein­for­dern. Dazu ge­hört, ihren An­spruch und ihre Am­bitionen klar mit­zu­tei­­len, aber auch den Mut zu ha­ben, ak­tiv zu wer­den. Von großer Bedeu­tung ist die Authentizi­tät, also die Fähig­keit, zu sich sel­ber zu stehen. Dies heißt so­wohl vom ei­ge­nen Können überzeugt zu sein als auch Schwä­chen ein­zu­ge­stehen und po­si­tiv ein­set­zen zu können. Eine Frau sollte auch Selbst­marke­ting be­trei­ben, nach dem Motto: „Tue Gutes und sprich da­rü­ber“.

Welche Hindernisse und Schwierig­kei­ten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Mein größtes Hin­der­nis und die mei­sten Schwierig­keiten sind meine sehr hohen An­sprü­che an mich sel­ber und das damit ver­­bun­de­­ne eigene Arbeits­­pen­­sum.

Erlauben Sie uns noch eine persönliche Frage? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

„Ja“ (lachend), ich habe noch ein Privat­le­ben! Aus Freund­schaften schöp­fe ich Erho­lung. Da­her baue ich sie bewusst auf und pfle­ge sie. Aber auch der Sport, gemein­sam mit mei­nem Mann, ist für mich ein erhol­sa­mer Aus­gleich zur Ar­beit.

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins | stellvertretende Leiterin Museum Schnütgen Köln I Leiterin Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Stabsstelle Digitalisierung Köln
Dr. Hannelore VogtLeiterin der Stadtbibliothek Köln

Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.

(Augustinus, 354-430)

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Große Offenheit und die Freude an dem, was ich tue, haben mich immer beglei­tet und voran gebracht. Besonders zeich­net mich meine schier unend­liche Neugier aus, die es mir er­mög­licht, Vertrau­tes aufzu­ge­ben und mit Mut Neues aus­zuprobie­ren. Das Ziel klar im Blick, gebe ich auch bei zu Schwierig­kei­ten nicht so schnell auf. Dabei ist es besonders wichtig, Priori­täten zu setzen und gut de­le­gie­ren zu können. Das Vertrauen in die Mit­arbei­ter*innen und dass die Mitarbeite­r*innen mir vertrauen können, berei­tet die Basis für eine erfolg­reiche konzeptionelle und inhaltli­che Arbeit und ihre stra­te­gische Um­setzung. Dass bei den Projek­ten auch Feh­ler passieren können und dür­fen, ist selbst­verständlich. Ein ehr­liches Interesse an Men­schen zu ha­ben, halte ich beson­ders wich­tig bei einer Führungs­kraft. Denn damit die Institu­tion nach außen funktioniert, muss es in­tern stim­men.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Jede Frau sollte sich viele Netz­wer­ke auf­bauen, beruf­lich und pri­vat, vor Ort, national und inter­national, sei es durch persön­liche Kontak­te, das Hal­ten von Vor­trä­gen oder durch Publika­ti­onen. Oft scheuen sich Frauen, Ihre Erfol­ge mit­zutei­len. Im Sinne eine positi­ven Selbstmarketings rate ich zur der Devise „Tue Gutes und rede darüber!“. So gelingt es, die persönliche Vita kontinuierlich zu bereichern und über den ei­ge­nen Teller­rand hinaus­zuschauen. Man sollte an sich selbst glau­ben, authentisch sein und die eigene Begeiste­rung zum Mo­tor wer­den las­sen und ande­re gleich mit begeistern. Die Erwartun­gen zu brechen und z.B. unerwar­tet sehr kompe­tent zu sein, kann bei der strate­gischen Umsetzung der eigenen Pläne sehr erfolg­reich sein.

Welche Hindernisse und Schwierig­keiten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Meist waren und sind es struk­turelle Hin­dernisse, wie etwa lange Ver­waltungs­wege, die über­wun­den wer­den müssen. Aber ich bin in posi­ti­vem Sinn dick­köp­fig. Regeln for­dern Kreati­vi­tät, um neue We­ge zu fin­den. Aber es lassen sich immer kreati­ve Spiel­räume aus­lo­ten, in denen Han­deln mög­lich ist.

Erlau­ben Sie uns noch eine persön­liche Fra­ge? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

Auf jeden Fall, ganz bewusst. Mein Privat­le­ben ist mir sehr wich­tig. Im Freundes­kreis kann ich außer­halb der beruf­li­chen Rollen­wahrneh­mung Kraft tan­ken, außer­dem gehe ich ger­ne Joggen.

Gibt es ein Motto, das Sie begleitet:

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen ent­fachen“, Augusti­nus (354-430)

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins | stellvertretende Leiterin Museum Schnütgen Köln I Leiterin Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Stabsstelle Digitalisierung Köln
Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagenÄrztliche Direktorin Neurologische Rehabilitationsklinik RehaNova Köln gGmbH

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Interviewt von:
Sylvia Richter |
Sandra Schieck Head of Marketing Eurowings Aviation GmbH

Wir Frauen haben alle Optionen – Schluss mit falscher Bescheidenheit!

Interviewt von:
Sina Tiedemann und Susanne Lauer |

Wir müssen Wissen, Potential und Talente von Frauen nutzen und fördern, um ihre Beteiligung in allen Führungsebenen zu ... >

HENRIETTE REKER
Oberbürgermeisterin der Stadt Köln

www.stadt-koeln.de

Frau Blümel, was ist für Sie als Geschäftsführerin der Kölner Diakonie Ihr aktuell wichtigstes Ziel, was ist die größte Herausforderung, und welche Eigenschaft ist die, die Ihnen hier am meisten hilft?

Mein wichtigstes Ziel ist die Zukunftsfähigkeit des Diakonischen Werkes. Wir sind genauso wie die Wirtschaft in Refinanzierungsdruck und müssen dabei unsere Werteorientierung, Qualität der Un- terstützung und die Nähe zum Menschen erhal- ten. Hier helfen mir meine Stärken des Vernetzens, Kommunizierens und nicht autoritär, sondern in dia- logischen Strukturen zu leiten. Eine Vision zu haben und klare Vorgaben zu machen, schließt nicht die kollektive Vergewisserung über die Richtigkeit der eigenen Sichtweise aus.

Heutzutage haben wir ja den großen Vorteil, dass durch ein neues Bewusstsein unserer Generation die Frau- enförderung strukturierter verläuft, organisiert ist. Mir wurde eine Mentorin zugeteilt. Frau Blümel, hatten Sie auf Ihrem Karriereweg einen Mentor oder eine Mento- rin, und wie haben diese Sie besonders geprägt, sowohl beruflich als auch persönlich?

Ich habe nie eine Mentorin gehabt, aber in der Jugendarbeit hatte ich eine kluge, emanzipierte, gebildete Frau, die sehr lange mein Vorbild war. An der Hochschule habe ich mich an meiner evange- lischen Lehrbeauftragten orientiert. Meine erste Leitfrau war engagiert und zäh, die zweite eher sou- verän und ruhiger, was sicher nicht zuletzt am Alter lag.

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