Aktion
Macherinnen
Wo Frauen führen, wachsen Frauen nach!

Frauen in Führungspositionen ziehen weibliche Talente magisch an und ermutigen sie allein durch ihre Präsenz im Unterneh­men, weiter nach oben zu steigen. Wir freuen uns daher, Ihnen unsere MACHE­RINNEN, fast 50 Vorbild­frauen aus den Bündnis­unternehmen, vorstellen zu können. Wenn Frauen exklusive Zirkel aufbauen und auf dem Weg nach oben – wie eine große Schwester – andere Frauen mit­ziehen, erhöhen wir die Geschwindigkeit für MIT FRAUEN IN FÜHRUNG. Das ist die Kernidee der Aktion MACHERINNEN.

Die Erfolgsgeschichten der MACHERINNEN wurden von den Mentees aus den Cross-Mentoring-Projekten des Bündnisses MIT FRAUEN IN FÜHRUNG aufgeschrieben.

YVONNE GEBAUER

Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

YVONNE GEBAUERMinisterin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Ich bin den Dingen nie hinterhergelaufen, ich bin ihnen entgegen gegangen.

Liebe Frau Gebauer, was waren entscheidende Aspekte in Ihrer Karriere?

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, fundiertes Fachwissen aufzubauen und so Expertin in einem Themengebiet zu werden. Mein Fokus lag dabei immer auf der Schul- und Bildungspolitik, beginnend im Stadtrat von Köln. Während meiner bisherigen Laufbahn war ich glücklicherweise häufig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oft bin ich aktiv gefragt worden, ob ich mir eine Position mit mehr Verantwortung vorstellen kann. Dabei habe ich signalisiert, dass ich grundsätzlich Interesse an einem Aufstieg habe. Mir war und ist immer wichtig: neuen Herausforderungen aktiv entgegen zu gehen, sie aber nicht erzwingen zu wollen.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen haben Ihnen bei Ihrem beruflichen Karriereweg geholfen?

Neugier und Offenheit für Neues: Ein vielseitiges Interesse führt zwangsläufig zu einem breiten Informationsstand, vielfältigen Kontakten und damit unmittelbar zu einem fundierten Netzwerk. Hilfreich ist dazu eine gewisse Flexibilität, um Aufgaben positiv und mit Optimismus entgegenzugehen. Über die Zeit gelernt habe ich die Fähigkeit, Fehlschläge, die einem widerfahren, schnell abhaken zu können und nicht zu sehr darüber zu grübeln. Das kostet nur Zeit und Energie. „Überzeugung statt unberechtigter Selbstzweifel“ ist die Devise! Was bei meinem Karriereweg geholfen hat, ist Eigeninitiative zu zeigen.

Und zum Schluss: Wir gehen jetzt zurück an unseren Arbeitsplatz und basteln weiter an unserer Karriere… Welche Tipps können Sie uns mit auf den Weg geben?

Ein wichtiger Tipp ist, sich Menschen zu suchen, die einen unterstützen. Ich habe beispielsweise immer Menschen um mich gehabt, denen ich vertraue und von denen ich regelmäßig auch kritisches Feedback erhalte. Das hilft mir persönlich sehr, mich weiter zu entwickeln, meine Wirkung auf andere zu verstehen und Situationen besser einzuschätzen.
Außerdem kann man sich auf andere Menschen einstellen, wenn man verschiedene Kommunikationsstile beherrscht, sich dabei aber nicht verbiegt und vor allem nicht die Butter vom Brot nehmen lässt!
Und noch ein ganz praktischer Tipp. Ich habe gemerkt, wie wichtig eine ausdrucksstarke Stimme ist. Mir hat ein Stimmtraining sehr geholfen. Dort habe ich auch Übungen gelernt, um mit Situationen umzugehen, in denen ich aufgeregt bin. Die gute Nachricht: Die Nervosität geht irgendwann vorbei.

Interviewt von:
Linda Mörstedt, Eurowings I Kerstin Raczuhn, Sparkasse KölnBonn I Juliane Killich, DEG |

DR. STEPHANIE COßMANN

Board of Management I LANXESS AG

DR. STEPHANIE COßMANNBoard of Management I LANXESS AG

Frauen in Führungspositionen haben eine große Verantwortung, andere Frauen zu unterstützen – sei es als Mentorin, Vorbild oder Fürsprecherin.

Was sind Ihrer Auffassung nach die Gründe, weshalb es Frauen oft nicht in Führungspositionen schaffen, für die sie geeignet sind, und wie können Frauen diese Hürden überwinden?

Ein Grund liegt bei den Frauen selbst: Viele Frauen stellen ihre eigene Kompetenz in Abrede. Oft fehlt Frauen auch der Mut zur Doppelbelastung mit Kind und Karriere.
Ein zweiter Grund: In vielen Bereichen befördern Männer – auch ohne böse Absicht – lieber Männer, weil das bequemer und Diversität auch anstrengend sein kann.
Frauen in Führungspositionen haben daher eine große Verantwortung, andere Frauen zu unterstützen – sei es als Mentorin, Vorbild oder Fürsprecherin. Zumindest übergangsweise benötigen wir Netzwerke und auch die Frauenquote. Für eine echte Gleichstellung bräuchten wir im bisherigen Tempo sonst zu lange. Schließlich wollen Frauen sich auch selbst versorgen und ihre Rente aus eigener Kraft sicherstellen. Wenn sie dabei Familie und Karriere unter einen Hut bringen, dann kann das auch hart sein und bedarf viel Disziplin.

Wo bedarf es noch Verbesserung, damit Frauen sich weniger mit der Frage „Familie oder Karriere“ beschäftigen müssen, sondern sich für „Familie und Karriere“ entscheiden können?

Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort ist sicherlich hilfreich. Da hat uns die Pandemie einen Schub gegeben, Arbeitszeiten noch eigenverantwortlicher zu gestalten.
Unser selbstgemachtes Bild davon, wer Elternzeit nimmt und wer sich um die Kinder kümmert, muss sich ändern. Traditionelle Rollenbilder in den Köpfen sind nicht hilfreich. Da müssen alle umdenken: Wir Frauen, die Gesellschaft, aber auch die Männer.

Hatten Sie eine Art Mentor oder eine andere Person, die Ihnen Ratschläge gegeben hat und dadurch Ihren Karriereweg geprägt hat?

Ich hatte keinen Mentor, aber Personen, die mein Leben positiv beeinflusst haben. Beim Thema Disziplin haben mich insbesondere meine Eltern und meine Großmutter stark geprägt. Als ich bei LANXESS angefangen habe, hat mir mein damaliger Chef sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Beides hat mir sehr geholfen.

 

 

Interviewt von:
Katharina Klenk, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft I Kim Scherer-Winterlich, Allianz One Business Solutions GmbH |

STEPHANIE SCHMITZ

Director HR Germany SIEGWERK

STEPHANIE SCHMITZDirector HR Germany SIEGWERK

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, anzufangen, bevor man bereit ist – abhängig von unserem Mut.

Interviewt von:
|

PETRA RIGA-MÜLLER

Vorständin Commercial Insurance Germany I Zurich Gruppe Deutschland

PETRA RIGA-MÜLLERVorständin Commercial Insurance Germany I Zurich Gruppe Deutschland

Als Vorständin in der Versicherungsbranche liegt mir die Förderung von Frauen, von der Ausbildung bis zum Senior Leadership, besonders am Herzen, und ich freue mich, wenn wir gerade junge Talente für unsere Profession gewinnen können.

Interviewt von:
|

SERAP GÜLER

Mitglied des Deutschen Bundestages

SERAP GÜLERMitglied des Deutschen Bundestages

Wie aktiv und konkret haben Sie Ihre Karriere geplant?

Eigentlich stolpert man da so ein bisschen rein. Also aktiv geplant habe ich es nicht. Ehrlich gesagt – wenig konkrete Planung. Ich wurde 2012 von meiner Partei gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, für den Landtag zu kandidieren. Dann kam ein Schritt nach dem nächsten. Insofern kann ich nicht sagen, dass ich einen 10-Jahres-Masterplan hatte, der irgendwie aufgegangen oder nicht aufgegangen ist.

Wie haben Sie Ihr berufliches Netzwerk aufgebaut, und wie haben Sie entschieden, wer ein:e wichtige:r Wegbegleiter:in für Sie ist?

Man sucht sich ein Netzwerk nicht immer selbst aus und trifft dabei eigene Entscheidungen. Ich hatte viele Wegbegleiter, tatsächlich wenig Wegbegleiterinnen. Ich wurde stark von Armin Laschet unterstützt. Aber auch Norbert Röttgen, der 2012 Parteivorsitzender war und von Generalsekretär Oliver Wittke, der meine Kandidatur und auch einen guten Listenplatz sehr stark unterstützt hat. Auch der Kreisvorsitzende vor Ort, Bernd Petelkau, hat mich immer stark unterstützt.
Es liegt an der Struktur der Partei, dass es mehr männliche Unterstützer waren. Unter all den Männern war auch eine Frau dabei: Ursula Heinen-Esser aus Köln, die mich hierhin geholt hat und die mich auch nach wie vor begleitet. Wenn Sie mich fragen, wer meine Mentorin ist, dann ist sie es. Heute erweitert sich mein Netzwerk, je mehr Menschen ich kennenlerne.
Ich suche mir innerhalb der Partei die Netzwerke aus, durch die ich unterstützt werde – kommunal vor Ort oder in Berlin. Und natürlich ergeben sich aus meinen Aufgaben immer wieder neue Kontakte, die mein Netzwerk erweitern.

Wie schaffen Sie Ihre Work-Life-Balance?

Bei mir ist es tatsächlich mehr Work-Balance, das Gleichgewicht klappt nicht immer gut.
Insbesondere durch mein Bundestagsmandat wird es nochmal schwieriger. Ich bin im Durchschnitt im Monat zwei Wochen in Berlin. Es kommt vieles zu kurz, was die Life-Balance ausmacht. Ich versuche es trotzdem, dass ich mir z.B. einmal in der Woche eine Jogging-Runde freischaufle oder im kollegialen Umfeld abends mal Essen gehe und nicht nur über Politik spreche. Aktuell kommt das alles allerdings zu kurz. Aber das ist nicht so schlimm, da mir die Arbeit Freude und Spaß macht!

Interviewt von:
Stefanie Brans I Sparkasse KölnBonn I Astrid Hilgers I Stadt Köln |

PROF. DR. DÖRTE DIEMERT

Kämmerin der Stadt Köln

PROF. DR. DÖRTE DIEMERTKämmerin der Stadt Köln

Um aus der Masse herauszustechen, braucht es auch Mut.

Das diesjährige Cross-Mentoring von „Mit Frauen in Führung“ steht unter der Überschrift „Karriere gewinnt! Flughöhe“. Mit welchem konkreten Vorgehen haben Sie Ihrer Karriere mehr Flughöhe verliehen und inwiefern haben Sie Ihren Weg geplant?

Für meine Arbeit hat schon immer meine hohe Fachkompetenz gesprochen. Diese Qualität bringen aber viele mit. Um aus der Masse herauszustechen, braucht es auch Mut. Mut, die Komfortzone zu verlassen und sich selbst etwas zu zutrauen. Auch Mut zur Veränderung. Karrieren lassen sich teilweise planen, genauso wichtig sind allerdings auch Flexibilität, um auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren, und die Bereitschaft, Chancen zu erkennen und zu nutzen – also den Schritt ins Unbekannte zu machen und durch die Tür zu gehen, wenn sie sich öffnet.

Wir haben erfahren, dass Sie in Ihrer Freizeit gerne segeln. Welche Ihrer Fähigkeiten, die Sie sich dabei erworben haben, können Sie sich auch in Ihrem beruflichen Alltag zu Nutze machen?

Segeln lehrt unter anderem Demut und Gelassenheit, da der Mensch keine Kontrolle über die Wetterbedingungen wie Wind und Strömung hat. Hat man ein Ziel, muss man sich überlegen, wie man mit schwierigen Rahmenbedingungen umgehen möchte. Ob man bei stürmischer See gegen den Wind ankreuzt oder im Hafen den richtigen Moment abwartet, um einen Törn anzutreten. Das Leben an Bord lehrt außerdem Verantwortungsübernahme: Als Kapitän oder Kapitänin bestimme ich nicht nur den Kurs, sondern habe auch die Verantwortung für das Schiff sowie die Mannschaft und stelle sicher, dass alle heil ankommen.

Waren Sie selbst schon mal Mentee oder Mentorin und wenn ja, welchen Rat aus Ihren eigenen Erfahrungen können Sie uns mit auf den Weg geben?

Ich hatte nie offiziell einen Mentor oder eine Mentorin, aber in entscheidenden Lebensphasen immer Menschen, die mich kundig unterstützt haben. Und das ist auch mein Rat: sich Menschen zu suchen, die einem wohlgesonnen sind, Kenntnis vom beruflichen Umfeld haben und die gerne bereits ein paar Karriereschritte voraus sind und so Dinge schon mal spiegeln können. Sinnvoll ist es, deren Einschätzung proaktiv einzufordern und anzuhören, aber auch selbstbewusst den eigenen Weg zu gehen.

Und wenn der direkte Weg nicht zum Erfolg führt, gelingt es gegebenenfalls auf einem Umweg. Wichtig ist, sich nicht zu schnell entmutigen zu lassen. Wenn es nicht weiter geht, kann es helfen, einen Schritt zurückzutreten, das persönliche Setting zu analysieren, die Gesamtsituation unabhängig von sich als Person zu beurteilen und zu überlegen, was man tun kann. Ich habe gelernt, mit meinen Kräften zu haushalten, denn hier ist Durchhaltekraft gefordert.

Interviewt von:
Tamara Giechau, Sparkasse KölnBonn I Alexandra Hirsch, STROER |

Cordula von Wysocki

Chefredakteurin Kölnische I Bonner Rundschau

Cordula von WysockiChefredakteurin Kölnische I Bonner Rundschau

Stark bleiben und individuelle Kraftquellen nutzen!

Warum glauben Sie sind 95% der Chefredakteure in Deutschland männlich und welche Eigenschaften haben Ihnen dabei geholfen, sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen?

Ich habe nicht das Gefühl, dass es Vorbehalte gibt, Frauen als Chefredakteurinnen einzusetzen. Allerdings gibt es in der Chefredaktion keine geregelten und festen Arbeitszeiten. Häufig wird bis in die Nacht gearbeitet, sodass eine Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie schwierig ist. Durch Heimarbeit, flexiblere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Führung in Teilzeit könnte sich das in Zukunft ändern.
Als Führungskraft kann man seinen Tag eigentlich nicht planen. Es passieren ständig unerwartete Dinge. Dabei hilft es, gute Nerven und einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich musste mich nie mit Kraft und Ellbogen gegen männliche Kollegen durchsetzen. Es reicht, gut zuzuhören und aufzupassen, um Karrieremöglichkeiten zu finden und zu nutzen.

Welchen Einfluss hat eine weibliche Chef-Redakteurin auf das Miteinander in der Redaktion und die Karrieremöglichkeiten von Frauen?

Das Miteinander ändert sich generell, wenn Frauen am Tisch sitzen, unabhängig davon, ob die Frau die Chefin ist. Nach meiner Erfahrung wirken sich gemischte Teams positiv auf das Klima und die Produktivität aus. Durch Frauen in Führung erweitert sich das Blickfeld und es entsteht eine andere Dynamik. Auch Männer setzen sich heute zunehmend dafür ein, dass Frauen Entwicklungsschritte machen und auf ihrem Karriereweg gefördert werden. Ich glaube aber, dass Chefinnen einen speziellen Blick darauf haben, woran es liegt, wenn sich eine junge Kollegin trotz Fähigkeiten und Kompetenzen nicht traut. Manchmal ist es ganz einfach und es braucht nur einen kleinen „Stupps“.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-30-jährigen „Ich“ aus Ihrer heutigen Lebens- und Berufserfahrung heraus geben und was sind Ihre Karriere-Tipps für junge weibliche Führungskräfte

Rückblickend würde ich den Rat geben, entschiedener zu sein – Entscheidungen schneller zu treffen, auch ohne vorab alle möglichen Folgen eruiert zu haben. Als Führungskraft steht man stets im Fokus der Mitarbeiter und sollte Entschlossenheit ausstrahlen. Daneben würde ich empfehlen, mehr Feedback zu geben, aber auch einzufordern. Empathie gegenüber den Mitarbeitern ist wichtig genauso wie ein regelmäßiger Austausch. Das fördert ein gutes Arbeitsklima im Team und jeder weiß, ob er die richtige Richtung eingeschlagen hat.
Als Tipp möchte ich jungen Führungskräften mitgeben, sich nicht durch selbstbewusste Auftritte männlicher Kollegen verunsichern zu lassen. Stark bleiben und individuelle Kraftquellen nutzen. Das können gute Freunde, Mentoren, Ratgeber sein, die im Notfall rund um die Uhr ansprechbar sind, die Zweifel ausräumen und zum Weitermachen animieren. Mir hilft immer der Satz: Es gibt für alles eine Lösung!

Vier Frauen vor Glasscheibe

Interviewt von:
Theresa Kolb, DuMont Mediengruppe I Sandra Steinbüchel, Sparkasse KölnBonn I Nadine Varghese-Kavalachirayil, Flughafen Köln/Bonn |

Dr. Bettina Horenburg

Director Corporate Communications I Siegwerk Group Holding AG & Co. KG

Dr. Bettina Horenburg

Die eigene Rolle überzeugend auszufüllen, sollte für Frauen genauso der Fokus sein wie für Männer. Wir sollten weniger vergleichen und vielmehr einfach überzeugen – mit dem was wir können.

Interviewt von:
|

CHRISTIANE LAIBACH

Geschäftsführerin DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

CHRISTIANE LAIBACHGeschäftsführerin DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Niemand ist perfekt, wenn er/sie den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen.

Sie haben wichtige Karriereschritte als jeweils erste Frau in einem eher männlich dominierten Umfeld gemeistert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Durchaus unterschiedliche – das kennen wir sicher alle. Bevor ich zur DEG kam, bewegte ich mich über die Jahre in so unterschiedlichen Branchen wie der Finanzierung von Fluggesellschaften, der Schifffahrt und auch dem Risikomanagement. In der Flugzeugbranche fiel es mir zunächst nicht so schwer Fuß zu fassen. Die Community war sehr international, mit vielen jungen Gesichtern und angelsächsisch aber auch französisch geprägt. Diese Diversität, aber auch einige Frauen in Führungspositionen, an denen ich mich orientieren konnte, haben sehr geholfen. Richtig bewusst wurde mir dies aber erst, als ich mich in der Schifffahrtsbranche bewähren musste – hier geht es sehr traditionsbewusst zu, alteingesessene Kaufmannschaften und Reeder prägen die Kultur. Erst während dieser Zeit habe ich die Bedeutung von männlichen Netzwerken erkannt und mehr und mehr verstanden damit umzugehen. Das letzte Quäntchen zum vollkommenen Zugang fehlte jedoch immer. Gerade deshalb finde ich Frauennetzwerke so wichtig. Und über die Jahre entwickeln sich diese auch inhaltlich immer mehr. Die gegenseitige Unterstützung wird konkreter – in persönlichen Fragen der Karriere und auch im Austausch von Informationen, Ideen und Kontakten in geschäftlichen Fragen. Das finde ich sehr ermutigend.

Was hat Sie zu dem jeweils nächsten Karriereschritt motiviert?

Ich hätte mir nie vorstellen können, über Jahrzehnte immer sehr ähnliche Aufgaben zu haben. So ein Berufsleben ist lang, und Veränderung motivierte mich immer wieder. Mit jeder neuen Stufe in der Hierarchie ist nicht nur eine fachliche Weiterentwicklung verbunden und ein anderer Blick auf die Dinge. Man muss sich insbesondere auch als Mensch in einer neuen Rolle ausprobieren. Das hat mich stets gereizt. Dafür braucht es Neugierde und Mut, die Herausforderung anzunehmen. Frauen zögern und hinterfragen sich manchmal zu lange, wenn sich eine Chance ergibt. Ich kenne dies von mir selbst nur zu gut. Ich habe auch erst nach einiger Zeit verstanden, dass niemand perfekt ist, wenn er den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen. Ich rate Frauen, im richtigen Moment entschieden JA zu sagen.

Gibt es Erfahrungen, die Sie lieber nicht gemacht hätten?

Als ich 9/11 für die Flugzeugfinanzierung verantwortlich war und weltweit eine Konkurswelle von Fluggesellschaften auslöste, begann eine beruflich sehr schwierige Phase mit enormen Herausforderungen und Belastungen. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich mir diese Aufgabe nicht zugetraut. Damals hätte ich auf diese Erfahrungen gerne verzichten wollen. Aber im Rückblick habe ich in solchen Phasen am meisten gelernt. Wohl auch fachlich-inhaltlich, aber vor allem über mich persönlich. Ich habe erleben können, dass ich auch in Stresssituationen Aufgaben gut bewältigen kann und mich Rückschläge nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Dies hat mir in späteren beruflichen Situationen sehr geholfen und rückblickend wollte ich diese Erfahrungen nicht mehr missen.

Interviewt von:
Franziska Hollmann I DEG |

DR. DANIELA BÜCHEL

Mitglied des Vorstands – Human Resources und Nachhaltigkeit

DR. DANIELA BÜCHELMitglied des Vorstands – Human Resources und Nachhaltigkeit

Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern!

Wie war Ihr Karriereweg?

Ich habe mich nach dem Abitur für ein Ökonomie-Studium an der idyllischen Uni Hohen­heim in Stuttgart entschieden. Während meines Studiums habe ich ein Auslands­semes­ter in Lissabon ab­solviert. Englisch und Französisch konnte ich schon gut, nun wollte ich auch Portugiesisch lernen. Nach meinem Stu­dium habe ich am Institut für Handels­forschung promoviert. Ich habe dort viele Beratungs­projekte, jedoch eher im Pharma­bereich durch­geführt. Einige Projek­te führten mich auch in den LEH, unter ande­rem habe ich die Ein­füh­rung der Balanced Score Card bei der REWE Group beglei­tet. Über diesen Weg habe ich auch erste Kontak­te zu REWE geknüpft und war schnell überzeugt bei der REWE einzu­stei­gen. Ausschlag­gebend waren für mich die Dyna­mik des Business und der überzeugende Chef! Bei REWE bin ich im Konzern­controlling eingestie­gen und habe dann diverse Bereiche verantwortet, u.a. das Konzern­marke­ting, die Nach­haltig­keit und Public Affairs. Mir waren immer Themen wichtig, bei denen ich das Gefühl hatte, etwas bewe­gen zu können. Im Mittel­punkt steht hier das Arbeiten mit Men­schen, Wer­ten und anderen Kultu­ren.

Es gibt nie den einen vor­gezeichne­ten Karriere­weg, es ist viel­mehr eine Mischung aus Leistungs­bereit­schaft, Eigen­initiati­ve, Offenheit und vor allem auch Glück. Ich hatte oft das Glück, zur richti­gen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern – ganz im Sinne eines Mentors. Auch ich hatte diverse Mentoren. Ich bin ich sehr stolz, ein Teil der REWE-Kultur sein zu dürfen!

Was würden Sie heute anders machen?

Rückblickend würde ich mir beim Start in eine größere Führungs­rolle von vorne herein Unterstützung durch ein entsprechendes Coaching holen. Vor 10 Jahren gab es quasi keine Coachings im Unternehmen. Es ist wichtig, das Thema Führung sehr ernst zu nehmen und sich hier entsprechend zu entwickeln. Außerdem würde ich mir meine eigenen Ziele deutlicher formulieren. Es ist wichtig, auch mal „nein“ zu sagen und sich bewusst zu machen, welche Priorität man derzeit hat.

Wie wichtig ist Netzwerken für Sie? Was bedeutet für Sie Netzwerken?

Netzwerken ist wichtig, ich bezeichne es jedoch lieber als Stake­hol­der Management. Es erweitert einfach den Blick­winkel. Ich selbst nutze Netz­wer­ke, die einen inhaltlichen Be­zug zu meiner Arbeit ha­ben, beispiels­weise zu den Themen HR und Nachhaltig­keit, aber auch ein Vorstands­netz­werk, in dem ich mich regel­mäßig engagiere.

Interviewt von:
Melanie Berthold und Ina Meyer I REWE Group |

DR. BIRGIT MEYER

Intendantin der Oper Köln

DR. BIRGIT MEYERIntendantin der Oper Köln

Es braucht Fachwissen, eine große Disziplin und Ausdauer.

Wie haben Sie es geschafft, sich in der von Männern dominierten Opernwelt durchzusetzen – und zur mächtigsten Person der Kölner Oper zu werden?

Ich bin in einer sehr schwierigen Situation der Kölner Oper zu ihrer Intendantin geworden. Ich war zu dem Zeitpunkt stellvertretende Intendantin – und bin dann in die Chefposition nachgerückt. Die Oper war verschuldet, mein Vorgänger musste gehen. Das Klima war schlecht und es war eine verfahrene Situation. Ich denke, es war kein Zufall, dass ich als Frau gerade in diesem Moment zum Zug kam. Meine Erfahrung ist: Frauen werden häufig dann gerufen, wenn eine Situation aussichtslos erscheint, wenn es darum geht, Kompromisse zu schließen, Menschen und Meinungen zu integrieren, gemeinsam neue Wege zu suchen – und eben nicht lautstark zu tönen oder seine Ellenbogen auszufahren.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen haben Ihnen hierbei geholfen?

Zunächst einmal muss man sein Handwerk beherrschen. Es braucht Fachwissen, eine große Disziplin und Ausdauer. Ein Teil des Erfolgs ist es, durchzuhalten und die Dinge auch in einem aufgewühlten Sturm immer wieder mit Ruhe und Gelassenheit zu sortieren. Ein gewisser Pragmatismus ist hilfreich; allerdings darf man dabei niemals die Sache – in meinem Falle die Kunst – verraten. Sie müssen wissen, was Sie wollen. Und Sie müssen den Weg hierfür freischlagen. Dafür braucht es Energie, Freude und Überzeugungskraft. Als Opernintendantin habe ich es mit besonderen Menschen zu tun. Im Publikum, aber auch im Opernbetrieb. Um Künstler zu führen, braucht es eine Sensibilität und Empathie für diese kreativen Menschen und eine Bereitschaft, sich ganz auf sie einzulassen. In der Kultur ist der Prozess zum Erfolg sicher ein anderer als in der Wirtschaft. Mir ist es wichtig, meinen Mitarbeiter*innen Raum für Kreativität und Gestaltung zu geben.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20jährigen „Ich“ für eine erfolgreiche Karriere und eine Spitzenposition aus Ihrer heutigen Perspektive geben?

Es sind zwei Empfehlungen: Sich Zeit lassen. Und sich frei machen vom Erwartungsdruck anderer. Peter Lindbergh hat es kurz vor seinem Tod sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Alles, was man sieht, alles, was man hört und riecht und alles, was man sagt, bleibt in einem drin. Das ist da, in einem selber, und das muss man benutzen. Die meisten Leute wissen das nicht. Den größten Schatz der Welt schleppen sie mit sich herum.“
Ich empfinde das auch so. Unser eigener Erfahrungsschatz ist ein kostbares Kapital, welches wir auch in unserer Karriere einsetzen können. Nehmt Euch die Zeit, die Euer ganz persönlicher Weg braucht und spürt danach, wofür Ihr wirklich brennt und was Euch begeistert.

Interviewt von:
Dr. Katrin Neukamm, WDR I Sandra Steinbüchel, Sparkasse KölnBonn |

FRANZISKA HAGENLOCHER

Head of Crew Resources and Steering

FRANZISKA HAGENLOCHERHead of Crew Resources and Steering

Man muss sich auch selbst eine gute Führungskraft sein und auf sich selbst achten. Denn nur mit gesundem Körper und Geist kann man auch für andere eine gute Führungskraft sein.

Welche Erfahrungen in deiner beruflichen Laufbahn haben deiner Karriere Flughöhe verliehen?

Ich war damals sehr jung, als ich eingestiegen bin, und das bei einer Airline, die gerade neu gegründet wurde. Dadurch habe ich sehr früh sehr viel Verantwortung übernommen. Ich habe mich nie weggeduckt, sondern Mut bewiesen und mir Dinge zugetraut. Ich habe nie drauf gewartet, dass man mir etwas auf dem Silbertablett serviert. Zusätzlich bin ich ein kommunikativer Mensch, netzwerke gerne und halte Kontakte, was mich stetig weitergebracht hat. Hierbei umgebe ich mich mit Menschen, die mich inspirieren, anstatt nur zum Zweck zu netzwerken, daher geht mir das leicht von der Hand. Authentizität ist in vielen Situationen der „winning factor“. Im Bewerbungsgespräch bei der letzten Beförderung war ich authentisch und ehrlich und hatte genau deshalb Erfolg.

Was sind aus deiner Sicht wichtige Führungseigenschaften und wie setzt du sie um?

Servant Leader – was muss ich tun, damit die Mitarbeiter*innen ihre bestmögliche Arbeit machen können? Stärken stärken, statt nur Schwächen schwächen.
Klarheit und Transparenz – auch wenn es unangenehme Entscheidungen gibt, müssen diese gut und offen kommuniziert werden. Nicht allein „Feel good Management“, sondern offen äußern, wenn etwas nicht gut läuft. Das bedeutet auch, das richtige Maß zu finden und den eigenen Druck, den man verspürt, zu managen: wie viel Druck gebe ich ans Team weiter und wie viel bleibt bei mir.
Menschlichkeit – ich bin Mensch, aber auch meine Mitarbeiter*innen haben menschliche Bedürfnisse, die gesehen werden wollen.
Immer auf Augenhöhe kommunizieren – auch wenn ich jünger bin als alle meine Führungskräfte, war das noch nie ein Problem. Hierbei hat geholfen, dass ich nie die Chefkarte gespielt habe.
Trust the process – anfallende Problemstellungen im Team diskutieren und durch die richtigen Fragen das Team dazu bringen, die bestmöglichen Lösungswege zu erarbeiten. Man muss Vertrauen in das Team und den Lösungsprozess haben, was am Anfang eine große Herausforderung sein kann.

Was sind die drei wichtigsten Tipps, die du uns im Hinblick auf Zielerreichung und Karriere mitgeben möchtest?

I. Netzwerken! Am leichtesten geht das mit Menschen, die inspirieren und Energie geben.
II. Frauen sollten sich gegenseitig besser promoten und zusammenhalten. Wir müssen nicht die Frauen verändern, sondern das gesamte System, das sich in den letzten Jahrzenten nun mal am Mann und seinen Bedürfnissen ausgerichtet hat.
III. Ich kommuniziere immer offen, wo ich gerade stehe und was ich brauche. Denn wer nicht kommuniziert, dem kann auch nicht geholfen werden.

Interviewt von:
Daniela Baers, WDR I Helena Prégardien, Kliniken der Stadt Köln |

DR. PETRA MEYER-OCHEL

Bereichsleiterin Personalentwicklung Konzern REWE GROUP

DR. PETRA MEYER-OCHELBereichsleiterin Personalentwicklung Konzern REWE GROUP

Wir Frauen müssen uns nicht verbiegen und wie Männer werden, um nach oben zu kommen. Im Gegenteil: Ein Geheimnis des Erfolgs ist es, den eigenen Weg zu finden und die eigenen Potenziale zu entfalten und zu nutzen.

Sie kennen das Thema Führung aus der Selbständigkeit und aus der Konzernsicht. Was hat Sie gereizt, wieder in einem großen Konzern zu arbeiten?

In der Beratung habe ich mich mit dem Thema Führung intensiv aus konzeptioneller Sicht beschäftigt, hatte aber nur ein kleines Team. Auch, wenn ich nah am Kunden war, bei der Implementierung der Konzepte war ich nicht dabei. Ich wollte wieder viel stärker im Unternehmen mitgestalten, in die Umsetzung gehen und Führung übernehmen, was ich jetzt in einem großen Team kann. Mir macht das großen Spaß!

Was macht für Sie gute Führung aus?

Wichtige Aspekte guter Führung sind für mich Kommunikation auf Augenhöhe, Vertrauen, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken stärken – aber auch, Leistung einzufordern und aus Fehlern zu lernen. Dabei erwarte ich von einer guten Führungskraft, dass sie berechenbar ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, respektvoll und wertschätzend im Umgang. Die Grundhaltung und die Einstellung, gemeinsam aus Fehlern lernen zu können. Die Weiterentwicklung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für mich persönlich besonders wichtig.
Wichtige Aspekte guter Führung sind für mich klare Kommunikation auf Augenhöhe, Berechenbarkeit, Feedback und Vertrauen. Eine Führungskraft sollte ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken stärken und respektvoll und wertschätzend im Umgang sein. Genauso wichtig ist es aber auch, Leistung von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzufordern und regelmäßig konstruktives Feedback zu geben, um sich weiterzuentwickeln. Die Weiterentwicklung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für mich persönlich besonders wichtig! Darüber hinaus vertrete ich grundlegend die Haltung, gemeinsam aus Erfahrungen – positiven wie negativen Erfahrungen – lernen zu können. Denn vor allem auch Führungskräfte sollten offen dafür sein, ihr Handeln zu hinterfragen und dazuzulernen. Das kann letztlich allen nutzen.

Welche neuen Herausforderungen hat das Führen, nicht nur im Ausnahmezustand Corona, unter dem Aspekt New Work?

Ich denke, dass Führung und Zusammenarbeit in der neuen Arbeitswelt neu interpretiert werden müssen. Kompetenzen wie Veränderungsfähigkeit, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit werden wichtiger, um den Anforderungen der Arbeitswelt und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht zu werden.
Methoden und Werkzeuge ändern sich, aber wenn ich als Führungskraft die richtige Grundhaltung habe, kann ich diese Tools anpassen. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen den Unterschied machen – heute und zukünftig auch.

Interviewt von:
Caroline Wagner, Stadt Köln I Katja Petry, DuMont |

MARTINA WÜRKER

Geschäftsführerin Jobcenter Köln

MARTINA WÜRKERGeschäftsführerin

Ihr Karriereweg: Was waren die größten Meilensteine auf Ihrem bisherigen Karriereweg und was hat Sie dabei am Stärksten geprägt?

Meine erste Führungsrolle: Es wurde erwartet, dass ich etwas sage und etwas tue. Ich hatte keinerlei Begleitung und wollte allen Anforderungen gerecht werden. Was dabei wichtig war und heute immer noch wichtig ist: Mit den Mitarbeitenden sprechen!
Zwei Situationen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben: Nach zwei Monaten war ich erstmals im Jugendhilfeausschuss. Ich traf eine Aussage und wurde am nächsten Tag in der Presse kritisiert. Es war ein Fehler, aber es hat mich gestärkt. Und mein Chef hat mir Freiheiten gegeben und stand hinter mir. Mit Anfang 30 hatte ich einen Mitarbeiter mit Alkoholproblem. Niemand zuvor hatte ihn darauf angesprochen. Ich tat es. Der Arbeitgeber ist derjenige, der Menschen anstoßen kann. Er ging in Therapie. Auch das geschafft zu haben, hat mich gestärkt.
Fazit: Mit Menschen reden ist enorm wichtig! Austausch und Coaching empfinde ich als Stärkung für mich und gibt Orientierung.

Work-Life-Balance: Eine solche Karriere erfordert hohen Einsatz. Wie schaffen Sie es täglich „bei sich zu bleib?en“? Haben Sie Tipps?

Dies gilt es immer wieder neu auszutarieren. Früher habe ich z. B. Theater gespielt, bis ich es nicht mehr regelmäßig zu den Proben geschafft habe. Ich überlege mir: Was ist mir wichtig? Wie kann ich mir die Aufgaben einteilen?
Dabei helfen Methoden zum Zeitmanagement nur bedingt. Denn die Prioritäten muss ich selbst setzen und kommunizieren. Heute gelingt mir dies besser. Ich habe Erfahrungen gesammelt, wie ich mich gut organisieren kann. Zum Beipspiel mache ich meinen Sport vor der Arbeit und integriere Bewegung in den Alltag. Das funktioniert gut und ich habe gelernt abzuschalten.
Grundsätzlich bemisst sich eine gute Führungskraft nicht nach dem Zeiteinsatz – außer wie viel Zeit ich mir für meine Mitarbeitenden nehme.

Weibliche Führung: Hatten Sie auf Ihrem bisherigen Weg Vor- oder Nachteile, weil Sie eine Frau sind? Gab es weibliche Vorbilder, die Sie in Ihrem Führungsverständnis gestärkt haben?

Ohne die Förderung meines (männlichen) Chefs hätte ich damals weniger Chancen auf meine erste Führungsstelle gehabt. Als Frau ist es oftmals anstrengender. Männer präsentieren sich in der Regel anders und bemessen Erfolge viel mehr an Zahlen und Fakten, so dass „frau“ lernen muss wie sie gehört wird. Heute gewinnen „weiche“ Faktoren an Bedeutung, wovon Frauen grundsätzlich profitieren.
Die Förderung von Frauen ist mir wichtig. Hierfür gilt es unter anderem entsprechende Strukturen zu schaffen (z. B. Führen in Teilzeit), von denen Frauen wie Männer profitieren. Mein Vorteil als Chefin ist, ich kann gestalten!
Ein Vorbild ist für mich Christiane Schönefeld (Vorstand Bundesagentur für Arbeit), da sie sehr souverän und selbstbestimmt agiert und es schafft trotz aller Normen Wege zu finden. Auch Jutta Allmendinger (Soziologieprofessorin) beeindruckt mich mit ihrem Auftreten.

Interviewt von:
Anna Maria Müther, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- u. Raumforschung I Margit Krahe, Sparkasse KölnBonn |

ANJA DRAXLER

Head of HR & Legal Eurowings

ANJA DRAXLERHead of HR & Legal Eurowings

Versucht nicht, die besseren Männer zu sein. Überdenkt Eure Zurückhaltung, aber bleibt Frauen.

Die Luftverkehr- und Tourismusbranche sind durch die Corona-Krise schwer getroffen. Sie wechseln mitten in dieser Krise Ihren Job, bleiben aber weiterhin dieser zu diesem Zeitpunkt gebeutelten Branche treu. Was hat Sie zu diesem mutigen Schritt motiviert?

Die beiden Berufsfelder, in denen ich schon tätig gewesen bin und für die ich auch eine Leidenschaft habe, hier in EINER Position vorzufinden. Und obwohl ich von mir nicht sagen würde, dass ich Kerosin im Blut habe, kann auch ich mich der Faszination des Airline Business nicht entziehen. Nicht wegen des Fliegens an sich, sondern weil es immer schön ist, zu sehen, wie wir Menschen und Wirtschaften miteinander verbinden. Kaum jemand kann sich vermutlich dem Flair eines Flughafens und der Emotionen in der Ankunftshalle entziehen. Meine Entscheidung stand bereits vor der Krise fest und wurde durch sie auch nicht geändert.

Welche (neuen/nicht absehbaren) Herausforderungen sind durch die Krise für Sie hinzugekommen und wie Sie sind diese angegangen?

Ich habe in den letzten 1,5 Jahren so viel gelernt, wie in den letzten 20 Berufsjahren nicht. Neben den fachlichen Themen wie Kurzarbeit und neuen Arbeitsschutzverordnungen war die größte Herausforderung aber, Entscheidungen in absoluter Unsicherheit treffen zu müssen. Ohne klare Fakten und sichere Prognosen. Das sind Skills, die man nicht aus Büchern lernt, da braucht man Mut, ein starkes Team und eine „Can Do“-Mentalität. Wir waren ein völlig neues Team und mussten uns jetzt einfach vertrauen – und das hat uns sehr zusammengeschweißt.
Was ich auch gelernt habe, ist ein Perspektivenwechsel: diese Situation ist keine Bürde, sondern eine Chance, um Dinge auszuprobieren. Man kann seinen Weg dadurch finden und den Verlauf prägen.

Was freuen Sie sich anpacken und umsetzen zu können, wenn dieser Sonderzustand der Pandemie zumindest soweit unter Kontrolle ist, dass wieder ein geregelteres Arbeitsleben stattfinden kann?

Die Eurowings ist ein Unternehmen, das viele Mitarbeitende aus anderen, übernommenen Airlines beschäftigt. Bisher haben wir es nicht geschafft, eine gemeinsame Kultur zu finden. Ich denke auch nicht, dass wir die Herkunft dieser Mitarbeitenden überschreiben sollen. Sondern wir müssen eine gemeinsame Identität finden, so, wie vielleicht in New York, wo Menschen von überall herkommen, ihre Wurzeln nicht vergessen und dennoch stolz sind, New Yorker:in zu sein. Und das schafft man nur mit persönlichen Kontakten und nicht per Videokonferenzen. Ich freue mich alle endlich persönlich kennenzulernen, inklusive meinem Team. Ich brenne echt darauf, loszulegen.

Abschließend wäre es schön, wenn wir von Ihnen noch ein Zitat dazu bekommen könnten, was eine Frau in einem bislang von Männern dominierten Umfeld wie der Luftfahrt mitbringen muss, um sich durchzusetzen und Karriere zu machen.

Versucht nicht, die besseren Männer zu sein. Überdenkt Eure Zurückhaltung, aber bleibt Frauen.

Interviewt von:
Eva Miriam Fuchs, DEG I Anita Spanier, Sparkasse KölnBonn |

YASMIN AS

Abteilungsleiterin Zentrale Dienste

YASMIN ASAbteilungsleiterin Zentrale Dienste

Einfach machen und Mut mitbringen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Führungsaufgabe?

Menschen zu entwickeln und sie zu begleiten. Es macht mir Freude, mit anzusehen wie Mitarbeitende an ihren Aufgaben wachsen. Vor allem durch Kolleg:innen, die zum ersten Mal eine Führungsposition inne haben, bekomme ich zusätzlich wertvolle Impulse für mein eigenes Führungsverhalten. Diese zwischenmenschlichen Erlebnisse motivieren mich mehr als so manch positives Ergebnis.

Das Motto des diesjährigen Cross-Mentoring-Programms lautet: Karriere gewinnt Flughöhe. Sind Sie während Ihres Karrierefluges mal in Turbulenzen geraten? Wenn ja, wie haben Sie diese überwunden?

Ich hatte mal eine Phase, in der es mir beruflich nicht gut ging. In dieser Situation habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, auch bei der Arbeit Menschen um mich zu haben, die mir nahestehen – nicht nur Familie und Freunde. Dieses Netzwerk ist gut, um weiterzukommen und um in solchen Situationen aufgefangen zu werden. Vor allem mein berufliches Umfeld kennt mein „Arbeits-Ich“ und kann mich entsprechend bestärken.

Was möchten Sie uns gern mit auf den Weg geben?

Einfach machen und Mut mitbringen. Lieber Entscheidungen treffen, die auch mal falsch sind, als sie komplett zu vermeiden. Vor allem beim Thema Führen in Teilzeit und Jobsharing bemerke ich viele Unsicherheiten bei Frauen. Hier kann ich nur sagen, führen kann man auch in Teilzeit lernen und beim Jobsharing kann man sich sogar gegenseitig unterstützen. Was soll im schlimmsten Fall passieren? Es nicht auszuprobieren, wenn man es möchte, ist keine Alternative.

Interviewt von:
Sarah-Luisa Görtz, DuMont I Julia Reinhardt, Eurowings |

SABINE CRAMER

Geschäftsführerin DuMont Buchverlag

SABINE CRAMERGeschäftsführerin DuMont Buchverlag

Die größte Hürde, war gleichzeitig meine größte Chance!

War Ihr Karriereweg eine bewusste Entscheidung und was hat Sie darin bestärkt?

Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn hatte ich nicht die Idee im Kopf, dass ich einmal verlegerische Geschäftsführerin werde. Mein Traum – dessen Erfüllung ich damals für eher unrealistisch hielt – war es, Lektorin zu werden. Mein Karriereweg war also keine bewusste Entscheidung. Vielmehr ist es im Laufe der Zeit und durch verschiedene Beförderungen dazu gekommen. Gestartet habe ich als Lektorin. Von dort sind es viele kleine Schritte bis zu meiner jetzigen Position gewesen. Ich war immer ein ehrgeiziger Mensch, was mir sicherlich auf meinem Weg geholfen hat. Außerdem war das Feedback meiner jeweiligen Vorgesetzten für mich wichtig und eine große Unterstützung. Rückblickend würde ich zwei meiner Vorgesetzten auch als Mentoren betrachten: Eine davon war eine Frau, der andere ein Mann.

Was, glauben Sie, ist der wichtigste Faktor damit Frauen die (höhere) Führungsebene erobern?

Die Frauen müssen es unbedingt wollen! Man muss eine überdurchschnittliche Motivation besitzen, vieles dafür tun und sich vor allem nicht darin behindern. Jemand, der sich immer genau an die Arbeitszeiten hält, nichts Zusätzliches leistet und nicht gut mit den Vorgesetzten zusammenarbeitet, wird keine Karriere machen. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Außerdem: Mut ist wichtiger als Perfektion. Frauen neigen dazu immer perfekt sein zu wollen und stehen sich damit selbst im Weg, sie müssen sich strategischer ausrichten und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Was waren Ihre größten Hürden auf Ihrem Karriereweg, und wie haben Sie diese überwunden?

Die größte Hürde war die Kündigung bei einem früheren Arbeitgeber. Das war eine sehr schmerzhafte Erfahrung, gerade weil sich zu dieser Zeit mein Leben vor allem um meine Arbeit drehte und ich einen hohen Anspruch an mich selbst hatte. Heute weiß ich, dass dieses Ereignis die größte Chance in meiner Karriere war. Schneller als ich dachte, habe ich einen neuen Job bekommen, der eins zu eins zu meinem Profil passte. Ich musste dafür zwar für zwei Jahre nach München ziehen, aber diese Flexibilität und Bereitschaft ist Voraussetzung in unserer Branche. Ganz besonders dann, wenn man beruflich aufsteigen möchte. Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass Frauen seltener berufliche Wagnisse eingehen. Ich kann jedoch nur sagen: Das Risiko gehört dazu!

Was ist Ihr Lebensmotto?

Es gibt kein konkretes. Das Leben ist Veränderung, und so finde ich immer wieder neue Antworten auf die Frage, was wichtig und richtig ist. So wird es auch nie langweilig. Oder ist das schon ein Lebensmotto?

Interviewt von:
Stefanie Lönnendunk, Jobcenter Köln I Alexandra Cahn, Flughafen Köln Bonn |

ANGELA LANGEN

Bereichsleiterin Privatkunden Direkt- und Immobilienberatung I Sparkasse KölnBonn

ANGELA LANGENBereichsleiterin Privatkunden Direkt- und Immobilienberatung I Sparkasse KölnBonn

Mein Mentor, der Vorstandsvorsitzende, hat mich bestärkt. Man braucht einen Türöffner.

Wir haben im Vorfeld natürlich etwas recherchiert und sind dabei auf einen Artikel des Magazins „Die Wirtschaft“ gestoßen, in dem folgendes Zitat von Dir zu Deinem Einstieg in eine Spitzenposition bei der Sparkasse zu lesen war: „Mein Mentor, der Vorstandsvorsitzende, hat mich bestärkt. Man braucht einen Türöffner.“ Hierauf zielt unsere erste Frage ab: Mit „man“ meinst Du im Speziellen Frauen oder allgemein Personen mit Ambitionen? Wie hast Du, abgesehen vom persönlichen Türöffner, den Sprung in die Spitzenposition geschafft?

Das ist generell gemeint. Es gibt keine „starken Männer, schwache Frauen“. Auch wenn es damals natürlich noch eine andere Zeit war. Für den Sprung in eine Spitzenposition braucht es auch nicht nur Glück, sondern auch Leistung, die auffällt. Das war bei mir der Fall. Hinzu kommt die Verantwortung von Führungskräften, zu fördern und Potenziale zu entwickeln. Diese Verantwortung bestand damals wie heute.

Bei der Sparkasse sind – wie bei vielen anderen Unternehmen auch – der Großteil der Führungskräfte männlich. Woran liegt das, und was muss sich hier noch ändern?

Die Offenheit gegenüber weiblichen Führungskräften besteht durchaus, nicht nur wegen einer Quote. Seit der Vorstand wieder rein männlich ist, möchte ebenjener wieder Frauen in seinen Reihen. Dafür muss jede Frau das Für und Wider abwägen und ihre persönliche Entscheidung treffen, damit auch eine innere Zufriedenheit – im Beruf und im privaten Leben – entsteht. Darüber hinaus zeigt meine Erfahrung auch, dass Frauen teilweise von ihrem eigenen Potenzial überzeugt und ein bisschen „geschubst“ werden müssen.

Was rätst Du anderen Frauen, die in eine Spitzenposition wollen? Und was rätst Du Männern?

Egal, ob Mann oder Frau, ich rate: machen und sich die Tätigkeit selbst zutrauen. Wichtig dabei ist, sich selbst treu zu bleiben und authentisch zu sein. Das bedeutet für Frauen auch: Versucht nicht ein „besserer Mann“ zu sein. Wisst, was ihr wollt, und setzt euch mit dem Thema Führung (mit allem, was dazu gehört) auseinander.

Interviewt von:
Annika Schmitz, Delvag I Julia Hoffmann, Jobcenter Köln |

SABINE MENDEZ

Mitglied der Geschäftsführung Jobcenter Köln

SABINE MENDEZMitglied der Geschäftsführung Jobcenter Köln

JA, es muss eine Frauenquote geben.

Frau Mendez, was hat Sie motiviert nach so vielen Jahren im Beruf sich noch einmal auf ein Studium für den Höheren Dienst einzulassen?

Meine Motivation ist meine lebenslange Lern-Lust. Nicht „aufraffen“, sondern „ja“ sagen, begeistern mich immer aufs Neue. Der Spagat zwischen Familie und Beruf kann gelingen. Förderlich ist es, wenn frau sich davon verabschieden kann, überall perfekt sein zu wollen. Ich hatte immer Menschen an meiner Seite, die mich unterstützt haben: Familie, Freunde und professionelle, herzliche Kinderbetreuung. Menschen, denen ich vertraue, auch meinen Kindern habe ich immer viel zugetraut.
Auf Neues einlassen, auf mich und Andere vertrauen und gute Organisation sind Teil meines „positiven Mindsets“. Ich bin gerne an Gestaltungsprozessen beteiligt und das kann man aus einer Führungsposition heraus. Dafür setze ich mich auch abends gerne hin und lerne. Natürlich klappt nicht immer alles, und manches war auch schwierig, mein Fokus lag und liegt in der Regel auf den Möglichkeitsräumen. Alter finde ich, spielt dabei keine Rolle.

Sie haben eine Vorliebe für Improtheater. Sind diese Erfahrungen für Ihre Karriere hilfreich gewesen und wenn ja, wie?

Der Antrieb für das Improvisationstheater war nicht beruflich motiviert. Mich begeistert es mit Worten zu spielen, ad hoc reagieren zu müssen und jeden Dienstag einen festen Termin zum Lachen zu haben. Viele Elemente werden in Führungsworkshops aufgegriffen (eigene Wirkung, Feedback, schnelle Reaktionsfähigkeit, Interaktion mit anderen …). Hier gilt: „Scheiter heiter“ und versuch es „noch mal“. Man wächst über sich hinaus in dem man sich ausprobiert oder sich hin und wieder lächerlich macht. Das alles kann man bestens ins Berufsleben mitnehmen.

Was für eine Rolle spielt für Sie die Frauenquote und hat sich Ihre Einstellung dazu im Laufe des Berufslebens verändert?

Sie spielt eine große Rolle und ja, sie hat sich gewandelt. Vor 20 Jahren wollte ich keine Quote und heute sage ich „JA, es muss eine Frauenquote geben.“. Wir schaffen es ohne Quote, aber nicht im gleichen Zeitraum. Wecken wir den sportlichen Ehrgeiz der Vorstände, die ERSTEN zu sein, die die Frauenquote erfüllen. Es ist ein gesellschaftliches Thema, welches durch die Diskussion präsent bleiben muss. Ich möchte nicht wie ein Mann führen, sondern ich will „ICH“ sein dürfen. Es ist allerdings klug zu wissen, wie Männerbündnisse und Mechanismen funktionieren. Nutzen wir unsere eigene Vielfalt, Klugheit, Verbundenheit, um die Welt mitzugestalten.

Interviewt von:
Anita Spanier, Sparkasse KölnBonn I Ute Meissner, Stadt Köln |

DR. SARAH BRASACK

Stellvertretende Chefredakteurin des „Kölner Stadt-Anzeiger“

DR. SARAH BRASACKStellvertretende Chefredakteurin des „Kölner Stadt-Anzeiger“

Ich hab immer gedacht, Warum eigentlich nicht?!?

Was zeich­net dich als Mache­rin aus? Siehst du dich über­haupt so?

Ich würde mich nie selbst als Mache­rin bezeich­nen, aber ich glaube schon, dass ich gut organisie­ren und Auf­ga­ben schnell und effizient umset­zen kann – außer­dem, dass ich gu­te Ide­en habe und in der Lage bin, diese Ergeb­nisse gemein­sam mit meinem Team um­zuset­zen.
Das ist aber vielleicht auch eine frauen­typi­sche Be­schei­den­heit. Natür­lich sind wir Macherinnen, aber das klingt aus eigener Perspek­ti­ve doch eher an­ge­be­risch. So etwas sagt man nicht gern über sich selbst.

Du stellst als Frau auf Führungs­ebe­ne im Bereich der Re­dakti­on eher eine „Besonder­heit“ dar. Wie hast du dich als Frau durch­gesetzt? Was hat dich besonders ge­macht?

Ich hab es gar nicht so empfun­den, dass ich mich gegen jemanden durch­gesetzt habe. Ich glaube, dass man einfach erkannt hat – und das ist ja auch nicht immer der Fall – dass ich gut bin in meinem Job. Aus meiner Sicht ist es immer noch häufig so, dass Vor­gesetzte zu Mit­arbeitern tendie­ren, die ihnen selbst ähnlich sind. Das ist dann häufig gleich­geschlechtlich einfacher. Da muss man das Glück haben, einen Vor­gesetzten zu haben, der eher den Fo­kus darauf setzt, eine gewisse Viel­falt im Team zu haben und der ganz neutral beurteilt, wer den Job am besten macht. Und dieses Glück habe ich einfach gehabt.

Was ist dein Allein­stellungs­merk­mal/USP?

Ich kann gut mit 15 Bällen gleich­zeitig in der Luft jonglie­ren und verlie­re dabei die einzelnen Aufga­ben nicht aus den Augen. Die Fähigkeit des Multi­tasking schreibt man ja eher Frauen zu 😉

… ein perfekter Über­gang zu deinem berufli­chen Werde­gang, der wie aussah?

Ich habe Musik­wissenschaften, Germanistik & Erziehungs­wissen­schaften studiert – und wollte unbedingt Journalistin werden. Nach dem Praktikum beim Ge­neral-Anzei­ger bin ich dort als freie Mit­arbeite­rin ein­gestiegen und habe zeit­gleich beim WDR in Köln gejobbt. Nach dem Magis­ter habe ich an der Uni ge­arbei­tet und dabei bereits organisatori­sche und verantwortungs­volle Auf­gaben über­nommen. Als ich 30 wurde, habe ich schließlich meinen Traum Journalistin zu werden in die Tat um­ge­setzt und beim Kölner-Stadt-Anzeiger ein zwei­jähriges Volontariat be­gonnen. Danach bin ich in die Lokal­redaktion Leverkusen ge­wech­selt und nach 6 Monaten stellv. Re­dak­tions­leiterin geworden. Noch ein halbes Jahr später bin ich Re­daktions­leiterin in Bergisch Gladbach geworden. Eigentlich hat mich immer jemand gefragt „Willst du das nicht machen?“ und ich hab immer gedacht „Warum eigentlich nicht?!?“. In Bergisch Gladbach habe ich dann auch die Zusammen­legung der Lokal­redaktio­nen vom Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau beglei­tet und neben den „normalen“ Führungs­aufga­ben noch aktiv an den Um­strukturierungs­prozessen mit­ge­wirkt. Nach dem Umbau bin ich dann nach Köln in die größte Lokal­redaktion als stell­vertretende Ressort­leite­rin gewech­selt.

Interviewt von:
Maike Neldner, DuMont |

ELKE HOLIN

Leiterin des Geschäfts­be­reichs Unternehmens­entwick­lung I Del­vag Versicherungs-AG

ELKE HOLINLeiterin des Geschäfts­be­reichs Unternehmens­entwick­lung, Del­vag Versicherungs-AG

Lebensklugheit bedeutet: Alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.

(Arthur Schnitzler)

Was hat Ihnen bei Ihrem bisherigen (beruflichen) Lebensweg am meisten geholfen?

Auf meinem beruflichen Lebensweg hat es auch sehr herausfordernde Situationen gegeben, die mich stark forderten. In diesen Zeiten hat es mir geholfen, einen Schritt zur Seite zu gehen, Ruhe zu bewahren, die Situation von einer anderen Perspektive zu betrachten und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Ich habe diese Situationen immer als Chance begriffen, da sich für mich so oftmals neue Wege eröffnet haben, die ich andernfalls vielleicht nicht erkannt und mich somit auch nicht darauf eingelassen hätte. Ich habe auch gelernt, dass der Karriereweg nicht immer strikt geradeaus gehen muss. Ich halte es für sinnvoll, einen roten Faden in der beruflichen Planung zu verfolgen, der den persönlichen Neigungen und Stärken entspricht, ansonsten darf der Weg auch gerne mal etwas gewunden sein. So kann man nach der nächsten Biegung mit neuen und positiven Möglichkeiten überrascht werden.

Was sind Ihre Karrieretipps?

Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und ab und an eine Standortbestimmung durchzuführen. Dazu gehört auch der Blick zurück: Was habe ich erreicht, welche Stärken haben mir dabei geholfen, worauf kann ich mich verlassen? Aus dieser Position der Selbstreflektion heraus ist es einfacher, die berufliche Entwicklung im eigenen Sinne zu steuern und sein Profil zu schärfen. Auch schwierigen Situationen kann man sich nach meiner Erfahrung damit besser stellen.
Ein weiterer Tipp: Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich bieten – durchaus auch mit dem berühmten Mut zur Lücke, d.h. Unsicherheitsfaktoren in Kauf zu nehmen. Im besten Fall führt die Beschäftigung mit dem Unbekannten zu einer Schärfung bzw. Erweiterung des eigenen Profils und ist somit eine Investition in die Zukunft.

Haben Sie ein Motto, das Sie begleitet?

Die Ausgestaltung des Geschäftsbereichs Unternehmensentwicklung bedeutet Impulse zu setzen und Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Dies erfordert ein hohes Maß an Präsenz, Kommunikation, aber auch Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – manchmal scheinbar über das Machbare hinaus. Das oben genannte Zitat erinnert mich daran, Dinge zu relativieren, den Überblick zu behalten und alles in eine kluge Reihenfolge zu bringen.

Interviewt von:
Bettina Schreiner, Delvag Versicherungs-AG |

SIMONE KOLLMANN-GÖBELS

Senior Vice President Procurement & Real Estate I STRÖER Gruppe

SIMONE KOLLMANN-GÖBELSSenior Vice President Procurement & Real Estate I STRÖER Gruppe

Was ist Ihrer Einschätzung nach ausschlaggebend für eine erfolgreiche Karriere?

Eine entsprechende Berufserfahrung, gute Projektergebnisse und das richtige Auftreten sind meiner Einschätzung nach entscheidender als zum Beispiel der erlangte Studienabschluss. Durch erfolgreich abgeschlossene Projekte bietet sich die Möglichkeit, sich für eine neue Position anzubieten und ein Netzwerk zu knüpfen. Ein solches Netzwerk ist häufig mitentscheidend. Man benötigt Förderer, die einem Türen öffnen und die Weiterentwicklung ermöglichen, einen gegebenenfalls in die richtige Richtung weisen sowie coachen oder auch für eine neue Position empfehlen können. Darüber hinaus muss man mutig sein und auf sich aufmerksam machen. Dabei sollte auch die Unternehmenskultur stimmen, die einen entsprechenden Aufstieg, z.B. unabhängig von Alter und Geschlecht, zulässt. Last but not least benötigt man aber auch manchmal einfach Glück.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen schreiben Sie einer guten Führungskraft zu?

Bei einer Abwägung, ob das erlangte Fachwissen oder die Fähigkeit zu führen ausschlaggebender ist, halte ich die Führungsqualitäten für wichtiger. Eine Führungskraft sollte sich zum Ziel setzen, dass ihre Teammitglieder die Führungskraft eigentlich nicht mehr brauchen. Dabei sollte man sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Wichtig hingegen ist gegenseitiges Vertrauen. Wenn dieses besteht, muss die Führungskraft nicht in alle Themen tief eintauchen. Vielmehr reichen dann stichprobenartige Plausibilitätschecks aus. Die Zielvereinbarungen für die Teams sollten dabei sowohl Top-down als auch Bottom-up erfolgen. So werden Betroffene zu Beteiligten und die Motivation in den Teams ist höher.

Welche Tipps würden Sie uns für unseren weiteren Karriereweg mitgeben?

Seid mutig! Man darf auch mal zu große Schuhe anprobieren. Ihr solltet euch trauen, neue Aufgaben und mehr Verantwortung zu übernehmen. Damit meine ich explizit auch, mutig zu sein, dies einzufordern oder sich bei einer sich bietenden Gelegenheit aktiv ins Spiel zu bringen. Sehr wahrscheinlich gibt es dabei nichts zu verlieren! Man lernt auch bei negativen als auch positiven Erfahrungen immer dazu. Und falls es mal nicht klappt: „Aufrappeln, Krönchen richten und weiter machen.“

Interviewt von:
Christine Lay I Linda Mörstedt, Eurowings Aviation |

Jutta Wittler

Rechtsanwältin, Partnerin I Luther Lawfirm

Jutta WittlerRechtsanwältin, Partnerin I Luther Lawfirm

Wer gemischte Teams will, muss Frauen und Männern Teilzeit ermöglichen.

Liebe Frau Wittler, oft wird von der gläsernen Decke gesprochen. Sind Sie schon einmal dagegen gestoßen?

Mit Mitte 30 als ich eine Tochter bekam. Für mich stand der nächste Schritt an, und ich fand es total toll, dass ich Partnerin in einer Kölner Kanzlei werden sollte. Eine andere als die, für die ich heute arbeite. Die Familienplanung wollte ich vorher machen, damit alle sehen „Hey, die hat ein Kind und kann trotzdem diesen Schritt gehen.“ Und dann ging es eben nicht mehr. Da fing ich schon an zu grübeln, weil andere, männliche Kollegen, befördert wurden. Erst einmal habe ich gedacht: „Naja, ich arbeite ja auch nur bis 16 statt bis 19.30 Uhr.“ Aber ich fühlte mich extrem ungerecht behandelt: Zum ersten Mal bin ich an etwas gescheitert, das ich nicht verstehen konnte. Dann habe ich die Kanzlei gewechselt. Als Quereinsteigerin war die Partnerschaft kein Problem. Nun stelle ich fest, dass es auch bei uns einen Unterschied macht, ob man ein eigenes Gewächs ist und bei dem es irgendwann um die Familienplanung geht – dann scheint es ein bisschen langsamer zu gehen – oder ob man von außen kommt.

Seit kurzem stehen Sie aktiv mit den anderen Frauen in der Kanzlei Luther im Austausch. Wie sieht das aus?

Wir schalten uns per Videokonferenz zusammen. Inzwischen ist das ja zur Gewohnheit geworden. Wir sind 124 weibliche Anwältinnen – das ist ja schon mal ne Hausnummer. Wenn wir vor Corona ein Meeting geplant hätten, wären wir nie auf die Idee gekommen, das online zu machen. Wir hätten das in einem Hotel mit Übernachtung geplant und ganz sicher hätte es kritische Stimmen gegeben, dass die Frauen eine wilde Party oder was auch immer ohne die Männer feiern. Ganz einfach aus der Angst heraus, nicht dabei zu sein. Heute ist das Motto: Hauptsache man macht was! Auch die männlichen Kollegen finden es gut, dass wir uns treffen. Ich habe gerade erst im Handelsblatt gelesen, dass die Frauennetzwerke unheimlich aufblühen. Ich denke, das hat damit zu tun, dass die Diskussionen wegfallen. Mit einer Videokonferenz machen wir einfach. Keiner fragt: „Wo gehen die denn hin? Was machen die ohne uns?“

Wie ist die Resonanz unter den Frauen?

Auf einmal habe ich erfahren, dass jüngere Frauen in der Kanzlei bereits etwas auf die Beine gestellt hatten. So kommen wir zusammen, und es ist toll. Die größte Resonanz erlebe ich bei denen, die schon einen Karriereschritt hinter sich haben. Sie sind zwischen 34 und 38, überlegen wann sie den nächsten Schritt planen und gleichen das mit ihrem Privatleben ab. Das finde ich gut, dass sich da etwas bewegt.

Was muss sich noch bewegen?

Seit einem halben Jahr sehe ich Strukturen, die sich nicht geändert haben. Es ist wichtig, dass den Frauen klar wird, dass sie nicht alleine sind mit der Karriereplanung. Gleichzeitig müssen sich die Strukturen ändern: Wer gemischte Teams will, muss Frauen UND Männern Teilzeit ermöglichen, von dem Modell des Vollzeit-Juristen abrücken und akzeptieren, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt.

Interviewt von:
Anke Walenbergh und Sabine Rossi, WDR |

Petra Loubek

Leiterin Innendienste Regional I Ströer SE & Co. KGaA

Petra LoubekLeiterin Innendienste Regional

Selbstmarketing ist das Non plus Ultra im Geschäftsleben!

 

Wer oder was hat Ihren bisherigen Lebens/Berufsweg geprägt?

Mein Lebenslauf ist vermutlich im Vergleich zu vielen anderen Führungskräften nicht immer perfekt gelaufen, aber genau diese Stolpersteine bzw. Niederlagen in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass mein Selbstvertrauen und meine Selbstsicherheit, doch das Richtige zu tun, mich unglaublich stark gemacht haben. Ich bin sehr neugierig auf alles Neue. Zudem gehe ich sehr bewusst mit den Menschen in meiner Umwelt um und beobachte, wie sie handeln und agieren. Bei Menschen, die mich in irgendeiner Art und Weise beeindrucken oder inspirieren, frage ich mich, was genau mich gerade anspricht. Wenn jemand z.B. souverän agiert, möchte ich das übernehmen und für mich und auf meine Weise umsetzen. Wenn ich etwas nicht gut finde, überlege ich, wie ich etwas besser machen könnte. Hierbei vertraue ich auch auf mein Bauchgefühl.
Ich habe sehr viel Spaß an der Arbeit, das hat mich auch so erfolgreich gemacht. Neben dem Beruf sind selbstverständlich Eltern und Freunde auch sehr wichtig, weil ich dann sein kann wie ich bin, und dort nicht zählt, welche berufliche Position ich inne habe.

Welche Karrieretipps können Sie anderen Frauen geben?

Es ist wichtig, sich immer wieder selbst zu reflektieren um seine eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren. Daran muss man täglich arbeiten. Ich möchte auf Augenhöhe wahrgenommen werden und um das zu erreichen muss jede Frau auch das Selbstvertrauen in das eigene Handeln haben. Frauen sollten sich nicht in irgendwelche Ecken und Nischen drängen lassen und auch immer wieder mutig sein, mitunter ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Frauen dürfen auch anpassungsfähig sein, sollten sich jedoch dabei nicht selbst verlieren. Keine Angst vor Veränderungen – hier sollte man stattdessen alles Neue als spannende Aufgabe wahrnehmen, an der man wachsen kann. Wichtig ist auch ein Netzwerk unabhängig von Hierarchie aufzubauen und man darf keine „Ellenbogen“kultur fördern.

Wie wichtig ist Selbstmarketing, was sollte beachtet werden?

Selbstmarketing ist das Non plus Ultra im Geschäftsleben!
Durch das gezielte Selbstmarketing in Gesprächen und Sitzungen habe ich es in der Hand, wie ich wahrgenommen werden möchte und auch wie ich von anderen gesehen und behandelt werden möchte. Daraus kann ich wichtige Rückschlüsse zu meiner Person ziehen. Ich sehe mich hier auch als „Pressesprecherin“ meiner Abteilung, die ich selbstverständlich positiv für Andere „vermarkten“ möchte. Allerdings bedeutet Selbstmarketing aber auch nicht, dass man immer in der ersten Reihe steht, oder sich in den Vordergrund drängen sollte, nein, manchmal ist es wichtig, einfach nur zum richtigen Zeitpunkt in Erscheinung zu treten.

Interviewt von:
Nathalie Nies, Stadt Köln |

Nelly Kostadinova

Gründerin und Inhaberin LINGUA WORLD

Nelly KostadinovaGründerin und Inhaberin LINGUA WORLD

Don’t be a talker – be a doer!

Frau Kostadinova, Sie haben 1997 Ihr Übersetzungsbüro Lingua-World gegründet und sind eine international erfolgreiche Unternehmerin. Zuvor waren Sie bereits als freie Journalistin und Dolmetscherin tätig. Den Schritt in die Selbständigkeit wagen bis heute nur wenige Frauen. Was bewog Sie damals dazu und wer waren Ihre Vorbilder?

Selbständig wird man, weil man nicht anders kann. Ich konnte mir nicht vorstellen, unter der Leitung eines anderen zu arbeiten. Ich trage tief in mir eine enorme Energie und Leidenschaft, verspüre den Drang zu gestalten und dabei ständig neue Wege zu beschreiten. Man muss entschlossen sein und wie im Leistungssport immer wieder an seine Grenzen gehen, man muss wieder aufstehen und weitermachen können, wenn man einmal stolpert. Mein Leben war immer mit meiner Firma verbunden. Ich liebe das, was ich tue. Zudem hatte ich stets das große Bedürfnis, Arbeitgeberin zu sein, meine eigene Unternehmenskultur zu gestalten, Menschen zu führen und Verantwortung für meine Mitarbeiter und ihre Familien zu übernehmen. Unternehmertum bedeutet, mit Herz und Verstand dabei zu sein. Dies gilt insbesondere in Krisenzeiten, wie sie die Pandemie gerade verursacht.
Der Schritt in die Selbständigkeit ist etwas ganz Großes. Er erfordert unglaublich viel Kraft und ist selbstverständlich auch mit Unsicherheiten und Risiken verbunden. Man muss von sich und dem, was man tut, überzeugt sein, auf andere Menschen aktiv zugehen und ihnen zeigen, was man kann. Das fällt vielen Frauen heute immer noch schwer. Zudem ist es als Unternehmerin oftmals herausfordernd, den Balanceakt zwischen Beruf und Familie zu meistern. Es gibt viele Frauen, die sich daher bewusst für ein Angestelltenverhältnis entscheiden. Sie können sich unter dem Dach eines Arbeitgebers entfalten und gleichzeitig ihre Rolle als Frau und Mutter ausfüllen. Eine Familie zu führen und Kinder zu erziehen, das ist etwas Großartiges und Wunderschönes!
Auf meinem Weg hat mich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Vorbild begleitet: Als junge Journalistin durfte ich sie interviewen und ihr Satz „Bleiben Sie mutig!“ hat mich angespornt, immer groß zu denken und mich mit den Großen zu messen.

Mut ist eine der wichtigsten Tugenden für Sie. Was bedeutet Ihnen Mut und warum sollten wir alle mutig(er) sein?

Mut habe ich in mir entdeckt, ohne zu wissen, dass ich mutig bin. Ich wurde oft erfolgreich genannt und konnte das gar nicht so richtig glauben. Doch wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückblicke, verstehe ich: Alles, was ich tat, tue und noch tun werde, ist sehr mutig.
In jedem Menschen steckt eine große Portion Mut, aber nicht alle entdecken ihn. Mut ist eine Gabe! Man muss sich selbst in einer Mut erfordernden Situation nur erlauben, mutig zu sein. Niemand wird als Versager geboren. Wir entwickeln uns, wenn uns das Leben, die Arbeit vor Herausforderungen stellt. Ich denke, dass Vorbilder dafür eine wichtige Rolle spielen. Menschen müssen in diesen Momenten, wo es auf ihre Entscheidung ankommt, Vorbilder vor Augen haben. Das war meine Motivation, das Thema Mut in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und in meiner Fernseh-Wirtschaftssendung „Mut Café“ (rheinmaintv) außergewöhnliche Mutmacher vorzustellen – gerade jetzt in der Krise. Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind und ihnen vermitteln: „Auch DU bist mutig. DU musst den Mut in dir nur freilassen!“

In der aktuellen Situation fragen sich viele Frauen, wie man aus dem Home Office heraus überhaupt sichtbar wird und netzwerken kann. Haben Sie Empfehlungen, wie das trotz digitalem Abstand gelingt?

Für große Karrieren ist Sichtbarkeit unerlässlich. Doch sich sichtbar zu machen, das braucht Mut. Man muss sich trauen, vor einem Publikum oder einem Bildschirm zu stehen und zu sprechen.
Aber keine Sorge, das Mutigsein lässt sich trainieren! Als ich zum ersten Mal meine Visitenkarten verteilte, trug ich eine knallrot leuchtende Jacke und ganz ehrlich, mein Gesicht stand der Jackenfarbe in nichts nach. Aber ich hatte damals keine Alternative, ich musste etwas unternehmen! Wäre ich zu Hause geblieben, dann wäre ich heute nicht hier und könnte Ihnen keinen Rat als erfolgreiche Unternehmerin geben. Sichtbarkeit ist das Mittel, den Menschen zu zeigen, was du kannst.
Besonders in Deutschland sind die Frauen sehr schüchtern. Viele müssen lernen, „Ich kann das!“ zu sagen – und zu ihren Worten und damit zu sich selbst zu stehen. Es ist eine veraltete Tradition, dass eine Frau sich höflich zurückhält und darauf wartet, dass sie (von Männern) bemerkt und angesprochen wird. Schluss damit! Gehen Sie auf die Menschen, die Männer, die Gruppen zu und sagen Sie, wer Sie sind und was Sie können: „Hallo, ich bin Nelly Kostadinova. Ich führe mein internationales Unternehmen erfolgreich!

Auf mich wirken Sie so, als könnte Sie nichts und niemand umhauen. Viele Frauen haben dann aber doch Angst vor Kritik. Gerade die Frauen, die mutig vorangehen, müssen noch immer viel einstecken können.

Im Zweifel haue ich zurück, Boxen gehört nicht ohne Grund zu meinem Fitnessprogramm! Doch im Ernst: Ich kenne das auch. Ich habe aber längst gelernt, wie ich damit umgehen und wie ich mich verhalten kann. Man sagt: „Auf der Spitze ist es einsam.“ Für Karrierefrauen wird die Luft tatsächlich dünner, je höher sie auf der Karriereleiter aufsteigen. Und sie werden bei ihrem Aufstieg von Männern immer noch schärfer beobachtet und auch schärfer kritisiert.
Ich rate Ihnen: Stehen Sie da drüber! Sie müssen dazu nicht extra maskulin sein, aber Sie brauchen eine gewisse Härte, um die nötige Distanz aufzubauen. Sie dürfen anderen nicht erlauben, dass sie bis tief in Ihre Seele vordringen und Sie darunter leiden. Ihr Selbstbewusstsein gehört nur Ihnen, es steckt in Ihnen – keiner kann es Ihnen nehmen.

Sehen Sie sich als Macherin? Und was zeichnet Sie als solche aus?

Ich fühle mich als Macherin. Ich brenne für alles, was ich im Kopf und im Herzen trage. Ich zergrübele das nicht. Meine Leidenschaft und meine Entschlossenheit sind so groß, dass ich keine Angst habe, eine neue Idee auf den Weg zu bringen und umzusetzen. Ich bin sehr lösungsorientiert. Und das ist es, was alle Machern in sich haben: Wir können Entscheidungen treffen. Unser Erfolg kommt, wenn wir alle Schritte zum angepeilten Ziel gehen und uns dabei immer weiterentwickeln. Ich lebe mein Motto: „Don‘t be a talker – be a Doer“.

Interviewt von:
Heike Mück, DuMont I Randi Baum, REWE |

Sophia Schwind

Bereichsleiterin Private Banking und Privatkunden Sparkasse KölnBonn

Sophia Schwind Bereichsleiterin Private Banking und Privatkunden

Welche persönlichen Eigenschaften mussten Sie im Laufe der Zeit für Ihre Karriere ablegen, und was ist Ihr Erfolgsrezept?

Mein Erfolgsrezept war, dass ich nicht Andere über meinen Werdegang entscheiden ließ, sondern mir immer spannende Geschäftsbereiche als Motivation und nächstes Ziel ausgesucht habe. Und damit ich diese neuen Aufgaben auch erhielt, habe ich es bei meinen Vorgesetzten proaktiv angesprochen und eingefordert.
Dies ist ein Vorgehen, das ich auch heute bei meinen Mitarbeitern schätze: Zeigen, dass man neue Aufgaben kennenlernen und angehen will. Die Sichtbarkeit ist sehr wichtig. Wenn man weiterkommen möchte, darf man nicht allein auf ein automatisches Jobangebot auf Grund guter Leistungen warten.
Ich empfehle, neue Aufgaben unter wohlwollender Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und im Bewusstsein des eigenen Wertes aktiv einzufordern. Sagen Sie sich: „Ich mache einen super Job. Ich bin mehr Geld und eine bessere und verantwortungsvollere Position wert“.

Welche Schattenseiten Ihres Erfolges mussten Sie bis heute erfahren?

Als Leiter ist man nicht mehr Teammitglied oder Teil der Gruppe. Die neue Rolle muss einem bewusst sein und nach innen und außen mit gelebt werden. Trifft die Geschäftsführung eine Entscheidung, muss diese dem Team vermittelt werden. Schmerzlich wird einem bewusst, dass man nicht mehr „everybody‘s darling“ ist. Hier hilft ein gutes Selbstvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten.
Eine weitere Schattenseite ist die zeitliche Inanspruchnahme. Da fällt schon einmal eine Freizeitaktivität oder Verabredung aus. Meine Freunde sind größtenteils in einer ähnlichen Rolle und haben daher Verständnis. Denn wenn man sich privat für das berufliche Weiterkommen rechtfertigen muss, ist dies auf Dauer nicht auszuhalten. Ein verständnisvoller und fördernder Partner, der einen privat entlastet, ist zudem auch ein großer Vorteil.
Aber Erfolg und Einfluss macht ja auch Spaß, und das ist die Investition, die man dafür leistet. Das Lernen einer neuen Sprache oder eines Instruments verschiebe ich erstmal auf später.

Würden Sie sagen, dass Ihre Entscheidungen immer richtig waren, oder was würden Sie rückblickend anders machen?

Meine beruflichen Entscheidungen waren wohl zum größten Teil richtig, sonst stünde ich nicht da, wo ich heute bin. Rückblickend wünschte ich mir, einige Entscheidungen früher getroffen zu haben. Ich habe mich zu lange zu wohl gefühlt. Um nach ganz oben zu kommen, muss man sich aus seiner Komfortzone bewegen und nicht zu früh zufrieden sein. Das bedeutet auch, sich für neue, unbekannte Aufgaben zu entscheiden. Auch wenn dies die Veränderung des gewohnten Umfelds und ggf. einen Umzug bedeutet. Bleibt aktiv auf der Suche!

Interviewt von:
Heike Pendro, STRÖER I Vanessa Starck, S-Immobilienpartner |

Dr. Viola Fuchs

Leiterin Apotheke Kliniken der Stadt Köln

Dr. Viola FuchsLeiterin Apotheke

Warum ich das so mache? Weil ich es kann!

In welcher Situation mussten Sie sich gegen Männer mit vergleichbarer Qualifikation behaupten? Bitte beziehen sie sich in ihrer Antwort auf die Erfahrung mit Gender-Klischees, inwieweit sie für Sie eine Rolle gespielt haben und beschreiben Sie, wie sie sich in diesen Situationen gefühlt haben?!

Das ist ganz einfach zu beantworten: Noch nie!

„Der Weg ist das Ziel“, oder hatten Sie ihr Ziel klar definiert? Bitte gehen Sie auf Höhen und Tiefen ein, die Ihre Entscheidungen beeinflusst haben und benennen Sie, was Sie heute ggf. anders machen würden.

Ich bin ein Jahrgang 64 und habe 1983 Abitur gemacht. In der Zeit war man noch sehr fremdbestimmt von den Eltern. Das erhoffte Lehramtsstudium war nicht erwünscht, stattdessen habe ich eine Banklehre gemacht. Über meinen damaligen Freund kam ich dann auf Pharmazie. Ich habe mich durch dieses Studium gebissen, meine Approbation bekommen und war dann Apothekerin. Ich hatte nebenbei schon sehr lange und auch während des Studiums im Krankenhaus Holweide gearbeitet. Im September 1991 habe ich dann bei den Kliniken der Stadt Köln als Apothekerin angefangen und bin seitdem hier. Ich habe im Laufe der Jahrzehnte in fast allen Bereichen der Apotheke gearbeitet.
Mein Werdegang war nie zielgerichtet auf die Position, die ich heute ausfülle. Für mich war mein Beruf immer Mittel zum Zweck. Ich bekomme ein gutes Gehalt und dafür liefere ich eine gute Leistung. Mein Fokus lag immer auf der Familie. In der Zeit bei den Kliniken habe ich meine Doktorarbeit geschrieben, ein Haus gebaut, ich habe 2 Kinder bekommen und abwechselnd mit meinem Mann in Voll- oder Teilzeit gearbeitet.
Seit 2014 arbeite ich wieder in Vollzeit, weil mein Mann in Teilzeit das noch im Haushalt lebende Kind versorgt. 2014 habe ich die stellvertretende Leitung der Apotheke übernommen, 2018 die Leitung. Beruflich kommt es jetzt eigentlich dem am nächsten, was ich eigentlich bin – ein Organisator und Kommunikator mit Freude an der Personalführung und weniger Pharmazeut. Die Entscheidung war somit richtig. Aber es ist nicht so, dass ich einen Karriereweg aktiv verfolgt habe. Für mich stand immer Disziplin im Vordergrund und der Wille, die Arbeit bestmöglich zu erfüllen. Das hat mich im Laufe der Jahre mit zu der Führungskraft geformt, die ich heute bin.

Sie sind eine erfolgreiche Frau, die das Leben mit Kind und erfolgreichem Mann unter einen Hut bekommt, welche Eigenschaften mussten Sie dafür mitbringen oder erlernen und welche Emotion löst diese Aussage bei Ihnen aus?

Mein Mann hat den beruflichen Erfolg immer für die Familie hintangestellt. Er hält mir auch heute den Rücken frei für die Berufsausübung in der Führungsaufgabe. Für mich war maximal wichtig, dass unsere Kinder mit einem Elternteil zu Hause aufwachsen. Und wenn mein Mann nicht diese Verantwortung mit übernommen hätte, wäre ich wohl erst jetzt, wo unser Jüngster 18 Jahre alt wird, wieder in die Vollzeit übergegangen und hätte keine Leitungsposition übernommen. Ich wünsche allen Frauen, die eine Karriere anstreben, „moderne“ kompromissbereite Partner (w/m/d)!

Interviewt von:
Heike Pendro, STRÖER I Lydia Euchner, Kliniken der Stadt Köln |

MANUELA MARQUES

Bereichsleiterin „Customer Solutions“ DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH

MANUELA MARQUESBereichsleiterin „Customer Solutions“ DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH

Frauen sollten ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen.

Frau Marques, Sie leiten den Bereich „Customer Solutions“, ein Bereich, der sich durch Kreativität und Vielfalt kennzeichnet. Inwiefern entspricht das Ihrem Werdegang, und welche Eigenschaften zeichnen Sie aus, um Veränderungsprozesse und Themenvielfalt zu managen?

Für die Leitung des DEG-Bereichs „Customer Solutions“ fiel die Wahl der Geschäftsführung 2015 auf mich, nachdem ich zuvor das Middle Office und nunmehr die neue Abteilung Syndizierung & Wissensmanagement im neu geschaffenen Bereich aufbauen sollte. Neben einer breiten fachlichen Ausrichtung strahle ich in Veränderungsprozessen offenbar die nötige Ruhe aus und halte eine gute Balance zwischen den unterschiedlichsten Themen. Als Bereichsleiterin „Customer Solutions“ ist mein Interesse vor allem darauf gerichtet, was im operativen Geschäft gebraucht wird, was das eigentliche Ziel einer (aufzubauenden) Abteilung ist, wo etwaige Probleme liegen und wie wir gemeinsam zu pragmatischen Lösungen kommen. Darüber hinaus kann ich in der Führung sehr gut „Leine lassen“, um Mitarbeitern Raum für Kreativität zu geben. Bei den fünf recht unterschiedlichen Abteilungen meines Bereichs ist es darüber hinaus kaum möglich, in alle Themen sehr detailliert einzusteigen. Vielmehr sehe ich meine Rolle darin, bei Veränderungsprozessen alle Stakeholder mit ins Boot zu nehmen und etwaige Bedenken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Hierbei geht es mir darum herauszufinden, wo die Gründe für die Vorbehalte liegen, und gemeinsam alternative Lösungen zu entwickeln. All diese Facetten machen meinen Job unglaublich interessant.

Sie managen neben Ihrem Full-time Job noch eine Familie, sind Mentorin und in diversen Netzwerken aktiv. Wir erleben Sie als immer fröhlich und voll positiver Energie. Was gibt Ihnen für all diese Aktivitäten die Energie und wie bekommen Sie alles so locker unter einen Hut?

Meine Mutter war immer berufstätig, und auch ich wollte beides: einen interessanten Beruf und eine Familie. Vorbilder habe ich auch während meiner Zeit als Au-pair in Paris gefunden, wo es Normalität war, dass beide Elternteile berufstätig und viel unterwegs waren, und daneben das Familienleben mit kleinen Kindern gemeistert haben. Bei der Umsetzung dieses Lebenskonzeptes hat mich mein Mann sehr unterstützt, indem er als Freelancer die Familie an die erste Stelle setzen konnte und mir damit – insbesondere als die Kinder noch klein waren – den „Rücken freihielt“. Das war für mich ein unglaublicher Luxus, auch wenn ich lernen musste zuzulassen, dass der Vater in bestimmten Lebenslagen für die Kinder wichtiger war als die Mutter. Viel meiner Kraft rührt sicherlich daher, dass ich nach Hause komme und dort eine völlig andere Welt als im Büro vorfinde. Meine Kinder erden mich und stehen nach einem Arbeitstag mit ihren Themen ganz im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Darüber hinaus macht mir mein Beruf unglaublich viel Freude, und ich bin dankbar, dass meine Stärken erkannt wurden und ich mich beruflich weiterentwickeln konnte. Für mich ist eine gute Balance zwischen Beruf und Familie das A und O.

Was raten Sie Frauen, die Karriere und Familie vereinbaren wollen und trotzdem sie selbst bleiben wollen?

Hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde ich jeder jungen Frau raten, sich den passenden Mann dafür auszusuchen – sofern man die Partnerwahl überhaupt steuern kann. Der Mann muss ja nicht auf seine Karriere verzichten, sollte aber auch seiner Frau eine Karriere zugestehen. Das ist wirklich sehr wichtig. Eine zweite wichtige Voraussetzung ist der Spaß am Job. Nur dann ist FRAU in der Lage, Engagement zu zeigen und die Bereitschaft auszustrahlen, Verantwortung übernehmen zu wollen. Darüber hinaus sollten Frauen ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen. In dieser Hinsicht sind Frauen häufig zu bescheiden und vermitteln den Eindruck, dass der Erfolg doch eine selbstverständliche Leistung war. Und – last but not least – halte ich es für wichtig, einen guten Ausgleich zu finden, etwas, bei dem FRAU ihre Batterien aufladen kann. Das kann Sport sein oder – wie in meinem Fall – die Gestaltung und Arbeit im Garten.

Interviewt von:
Christina Gabener, DEG |

EVA-MARIA MICHEL

Stellvertretende Intendantin und Justiziarin I WDR

EVA-MARIA MICHELStellvertretende Intendantin und Justiziarin WDR

Meine Mentorin war für mich der große Glücksfall!

Seit Oktober 1997 sind Sie Justiziarin im WDR. War das immer schon Ihr Karriereziel?

Nein, ich habe Jura studiert, weil ich Richterin werden wollte. Ich hatte vor zu promovieren und durch das Thema der Arbeit bin ich zum Süddeutschen Rundfunk gekommen als Referentin der damaligen Justiziarin. Bei ihr habe ich gesehen, dass es möglich ist, eine Führungsaufgabe als Frau mit Familie gut und erfolgreich zu machen. Das hat mich sehr beeindruckt.

War sie Ihre Mentorin?

Genau, das war für mich der große Glücksfall. Sie hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich die Aufgaben, die sie mir übertragen hat, erfüllen kann. Sie hat an mich geglaubt und mir die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich bemühe mich sehr, in meinem Team den Frauen auch diese Unterstützung zu geben. Eine Beobachtung ist, dass Frauen vielfach inhaltlich qualitativ besser sind, aber Männer sich oftmals besser verkaufen.

Woran liegt es, dass wir Frauen dieses Selfmarketing nicht gut können?

Ich selbst dachte auch immer, dass, wenn man eine Sache gut gemacht hat, darüber reden und Marketing gar nicht notwendig sind. Das ist falsch, heute sage ich: „Macht nicht nur gute Arbeit, sondern steht auf und redet darüber. Und wenn andere ihre tollen Leistungen loben, dann tönt bitte noch einen Ton lauter.“

Jetzt ist die Geschäftsleitung paritätisch besetzt, und über 35% der Führungskräfte im WDR sind weiblich. Gibt es im WDR speziell für Frauen Führungsseminare?

Es gibt ein internes Mentoringprogramm. In den technischen Bereichen gibt’s besondere Anstrengungen, weibliche Führungskräfte zu entwickeln und wir erhoffen uns auch, aus dem Bündnis neue Ideen und Anregungen zu bekommen. Alle Unternehmen haben festgestellt, dass Frauen eine Bereicherung sind. Sie haben in der Regel eine bessere soziale Kompetenz. Die meisten Frauen sind belastbarer und trotzdem ausgeglichener.

Ihr Arbeitstag ist sicher nicht nach acht Stunden zu Ende. Können Sie noch abschalten?

Ja, aber das habe ich mir hart erarbeiten müssen. Ich habe festgestellt, wenn ich dies nicht schaffe, dass das Leben dann nur noch aus Arbeit besteht, Freundschaften und Interessen auf der Strecke bleiben. Das darf nicht sein. Ich mache regelmäßig Sport, um Stress abzubauen. Und ich beginne den Tag mit Klavierspielen. Dadurch habe ich eine Zufriedenheit erreicht, die man nicht durch den beruflichen Erfolg bekommt.

Ist das Ihr Erfolgsrezept? Spaß und Zufriedenheit bei der Arbeit?

Ja, ich nehme meinen Beruf sehr ernst und er macht mir Spaß! Dazu gehört auch, dass ich in einem Direktorium bin, in dem ich gut angenommen bin und mich gut aufgehoben fühle. Ich kann mich einbringen und es sind Menschen, mit denen ich gerne arbeite. Und: hier im Justiziariat habe ich ein ganz tolles Team, auf das ich mich jeden Tag freue!

Interviewt von:
Anne Buchholz, WDR |

BETTINA MÖTTING

Leiterin des Amts für Gleichstellung von Frauen und Männern I Gleichstellungsbeauftragte I Stadt Köln

BETTINA MÖTTINGLeiterin des Amts für Gleichstellung von Frauen und Männern I Gleichstellungsbeauftragte

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

(Marlene Dietrich)

Frau Mötting, wie wurden Sie zu der, die Sie heute sind?

Mir war ein ehrliches, offenes Feedback immer sehr wichtig. Außerdem stelle ich mich stets Herausforderungen, auch wenn es oftmals eine harte Schule ist. Auch beobachte ich gerne Menschen und schaue mir einiges ab. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Diese Fähigkeit macht auch heute noch einiges leichter. Wenn ich so auf mein Berufsleben schaue, habe ich die stärksten Entwicklungen durch Feedback und auch das Lernen aus Fehlern gemacht. Fehler passieren jedem und oft absolut unabsichtlich. Das Lernen daraus hat mich wirklich unheimlich geprägt.

Welche Ihrer Entscheidung hat Ihre berufliche Karriere am meisten beeinflusst?

Mit Mitte zwanzig bewarb ich mich für einen Lehrgang bei der Stadt Köln für potentielle Führungskräfte und wurde als eine der Jüngsten angenommen. Dieser einjährige Lehrgang war schon eine Wende in meinem Berufsleben. Dort bekam ich viel Feedback, Führungskräfteschulungen, den Blick über den Tellerrand und vor allem baute sich ein Netzwerk auf, welches heute noch funktioniert. Ich wurde sichtbar! Ein zweiter wichtiger Schritt war kurz nach der Geburt meines Sohnes sicherlich auch die Übernahme einer verantwortungsvollen Führungstätigkeit in Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde zur Herausforderung, aber es nahm alles einen guten Weg, und ich würde es jederzeit wieder so machen.
2014 nahm ich als Mentee an einem Crossmentoring mit sieben Kölner Unternehmen teil. Auch diese Zeit hat meinen Horizont sehr erweitert und ich bekam interessante Stellenangebote. Viele Jahre war mir gar nicht bewusst, welchen Herausforderungen ich mich gestellt habe und wie ich diese gemeistert habe. Erst mit der Erfahrung und dem Wissen, was ich heute habe, gucke ich zurück und dachte, interessant was Du früher für jecke Sachen gemacht hast.

Müssen Frauen sich wie Männer benehmen, um erfolgreich zu sein

Nein, bitte nicht! Es ist anstrengender es nicht zu tun.

Familie und Beruf passen bei Ihnen unter einen Hut, weil…?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in erster Linie eine Organisationsfrage. Ich habe auch immer versucht, daraus kein Problem zu machen, sondern es immer selbstverständlich in den Alltag mit einfließen lassen. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber finde ich allerdings auch die Bedingungen vor, die mir all dies ermöglichen. Und natürlich habe ich zum Glück ein tolles Kind, das das alles gut mitmacht.

Was würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem 18-jährigen Ich sagen wollen?

„Blamiere dich täglich!“ Übersetzt heißt das: Sei entschlossen, probiere dich aus, riskiere auch mal Fehler zu machen, sei weltoffen. Das bringt dich voran. Ich hatte damals eine typische Mädchenerziehung. Es war schwer mich zu emanzipieren und meinen eigenen Weg zu finden. Deshalb hätte ich mir schon früher mehr eigene Courage für meinen Lebensweg gewünscht und mir etwas mehr Zeit für meine persönliche Entwicklung und Ausbildung nehmen sollen z.B. durch Auslandsaufenthalte.

Interviewt von:
Sabine Arimond und Heike Verbeeten, Jobcenter Köln |

BIRGIT OSSENDORF-WILL

Leiterin Personal I STRÖER

BIRGIT OSSENDORF-WILLLeiterin Personal STRÖER

Mutig sein!

Du bist Mitglied des ExCom, der höchsten Entscheider-Ebene bei Ströer. Auf was führst Du zurück, dass Du diese Position erreicht hast und erfolgreich Dinge bewegen kannst?

Ehrlicherweise hatte ich keine Vorstellung davon, wie meine Karriere mal aussehen kann. Aber von Anfang an gab es Dinge, die für mich wichtig waren und heute noch immer wichtig sind: neugierig sein, Dinge von allen Seiten zu betrachten und mir bei Aufgaben (auch wenn sie mal nicht so spannend sind) zu überlegen, warum, wieso, weshalb und was geht besser. Wissbegierig sein, mit Themen überzeugen und Ergebnisse liefern. Mit Menschen zu arbeiten. Ich stehe für kreative – manchmal verrückte – Ideen, neue Impulse und deren Umsetzung. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sind für mich sehr relevant. Zutrauen und Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, auch mehr machen zu dürfen und mehr Verantwortung zu meistern. Es gibt immer ein „Mächtespiel“. Die Kunst ist es, dies als Spiel zu begreifen und mit Können, Humor, Witz und Souveränität aufzunehmen. Zickenterror oder besserwisserische Attitüden führen genauso wenig zu Ergebnissen wie Machogehabe.

Welche Tipps hast Du, sich in einer männerdominierten Entscheider-Ebene durchzusetzen? Inwieweit musstest Du dazu Dein Verhalten oder Auftreten auf dem Weg Deiner Karriere verändern?

Es gibt einen guten Tipp: Sei Du selbst. Ich finde, wir Frauen sind Frauen und sollen auch Frau bleiben. Die Geschlechter auf der Welt teilen sich ca. 50/50 auf. Wenn wir Kunden haben, dann wird die Verteilung wahrscheinlich ähnlich sein. Glauben wir wirklich, dass eine Gruppe von Männern oder eine Gruppe von Frauen gute Entscheidungen treffen, was diese Kunden benötigen? Ich sehe generell einen Vorteil darin in Teams eine größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten. Es gibt einen tollen Spruch den man dem österreichischen Philosophen Paul Watzlawick nachsagt: „Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun.“ Dieses Andere kommt in diversen Teams viel schneller ans Tageslicht als in konformen Teams. Weitere Tipps wären: Habt eine Meinung und vertretet diese. Vertretet auch die Leistung, die Ihr erbringt. Achtet darauf, dass Eure Themen klar, strukturiert und eindeutig formuliert sind. Habt eine Meinung und vermeidet Phrasen wie z.B. „Vielleicht könnten wir ja…“, „Es fühlt sich nicht gut an…“ Bleibt in Eurer Tonhöhe und werdet nicht schrill. Seid nicht launig. Ergreift Eure Chancen. Aber bitte bleibt Frau, und seid einfach gut!

Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, Entscheidungen oder Momente, die Dich erfolgreich gemacht haben?

Die erste wahrscheinlich: Jeden Tag daran denken, wie ich etwas verbessern kann, und es auch dann tun. Frei nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. Aber insbesondere mit Menschen arbeiten. Das treibt mich an und macht mir Spaß. Es freut und motiviert mich, wenn Teams funktionieren und ich bei der Optimierung der Ergebnisse mithelfen kann und durch neue Impulse etwas bewegen kann.

Wie hast Du es geschafft Familie, Partnerschaft & Privatleben mit dem Karriereweg zu vereinbaren? Welche Tipps hast Du, um eine Balance zu schaffen und dennoch die Karriere weiter zu verfolgen?

Ich arbeite sehr gerne und häufig auch sehr viel. Doch es funktioniert nur deswegen gut, da mein Mann ein echter emanzipierter Partner ist und wir Aufgaben selbstverständlich aufteilen. Dabei haben wir auch Aufgaben abgegeben und auch ohne schlechtes Gewissen externe Hilfe in Anspruch genommen, um die wenige private Zeit, die wir hatten, auch für uns und die Familie wertvoll zu nutzen. Es gibt Vorteile dabei: Meine Kinder haben durch externe Betreuung eine große Vielfalt erlebt. Wichtig ist allerdings: Wenn ich da war, war ich für sie da! Es ist auch klar, dass Prioritäten in der Familie – Geburtstage z.B. – echte Prioritäten sind. Wenn meine Kinder oder mein Mann Geburtstag oder einen „großen Tag“ haben, dann bin ich da und nicht woanders.

Interviewt von:
Silke Marlene Backhaus, STRÖER |

DR. KATRIN VERNAU

Verwaltungsdirektorin I WDR

DR. KATRIN VERNAUVerwaltungsdirektorin WDR

John UND Jane – Vielfalt ist ein Gebot der Fairness!

Hatten Sie schon immer das Ziel vor Augen, Karriere zu machen?

Tatsächlich hatte ich nie das abstrakte Ziel, „Karriere zu machen“. Ich wollte immer eine Aufgabe haben, die mich fordert und bei der ich auch etwas bewegen kann. Und ich habe alles mit voller Leidenschaft und großem Engagement gemacht. Dass sich mein bisheriger Lebensweg möglicherweise als „Karriere“ darstellt, ist das Ergebnis, aber nicht das Ziel.

Gab es eine Mentorin/einen Mentor, die/der Sie gefördert hat?

Es gab und gibt immer wieder Menschen, die mir etwas zugetraut haben. So haben sich für mich Chancen ergeben, die ich ergriffen habe und an denen ich gewachsen bin. Diese Menschen haben einen Blick für die Entwicklungspotenziale in ihrem Umfeld und Freude daran, diese zu fördern.

Es heißt, Männer verkaufen sich generell besser. Warum ist Selfmarketing für uns Frauen so schwierig?

Ich glaube, Männer lernen tendenziell im Zuge ihrer Sozialisation eher, sich im Wettbewerb zu behaupten. Sie erkennen früher, dass es nicht nur darauf ankommt, brav gute Sacharbeit zu leisten, sondern damit auch wahrgenommen zu werden. Und dass es auch nicht hilft zu wissen, dass man selbst vielleicht die schlauste, fleißigste Person im Raum ist, sondern dass es auch auf Networking und Zusammenarbeit mit anderen ankommt. Frauen erfahren tendenziell, dass von ihnen erwartet wird, dass sie zum sozialen Zusammenhalt einer Gruppe beitragen, sich selbst darin einpassen, die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Damit gibt es schon sehr unterschiedliche Erfahrungshintergründe, wenn wir die Extrempunkte betrachten. Aber wir sind ja unser ganzes Leben lang lernfähig und können immer unser Verhaltensspektrum erweitern.
Allerdings habe ich auch beobachtet, dass ein und dasselbe Verhalten ganz unterschiedlich wahrgenommen wird, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau es an den Tag legen: Während Männer laut werden oder sehr entschieden, sogar hart, auftreten können, um ihr Gegenüber zu beeindrucken, sehen sich Frauen bei ähnlichem Verhalten dann schnell mit Zuschreibungen wie „hysterisch“ oder „Haare auf den Zähnen“ konfrontiert.
Es geht in jedem Fall darum, Gleichberechtigung bei der Entwicklung und Besetzung von Führungspositionen zu erzeugen – das ist allein schon eine Frage der Fairness. Zudem bin ich überzeugt, dass Vielfalt in jeder Hinsicht zu besseren Lösungen führt – so dass es auch im ureigenen Interesse jedes Unternehmens sein müsste, Führungspositionen mit unterschiedlichen Menschen zu besetzen. Wenn tatsächlich, wie die New York Times kürzlich ausgewertet hat, die Anzahl allein der Männer mit dem Vornamen John in Boards der Fortune-500-Unternehmen größer ist als die Anzahl der Frauen, dann ist dieses Ziel offensichtlich noch nicht erreicht!

Interviewt von:
Anne Buchholz, WDR |

PETRA KOTTE

Bereichsleiterin Finanzinstitute und Deutsche Wirtschaft I DEG

PETRA KOTTEBereichsleiterin Finanzinstitute und Deutsche Wirtschaft I DEG

Mein Appell an alle Frauen ist „Traut Euch und traut Euch Führung zu, bleibt dabei aber authentisch und verbiegt Euch nicht.

Was sind Unterschiede oder Gemeinsamkeiten, aus Ihrer Sicht, zwischen einer „Doppelspitze“ und einem „Führungstandem“?

Beide Begriffe werden häufig synonym verwendet, gerade wenn es um den Paritätsgedanken geht. In der DEG hatten wir früher auch schon Doppelspitzen, da ging es aber nicht um paritätische Besetzung. Es haben zwei Vollzeit-Abteilungsleiter:innen eine große Abteilung gemeinsam geleitet, die aber auch hätte aufgeteilt werden können. Für mich ist ein Führungstandem im engeren Sinne, wenn sich zwei Teilzeit-Führungskräfte eine Stelle teilen und gemeinsam die Verantwortung für eine Abteilung übernehmen. Und hier zeigt sich ein Unterschied: Ein Führungstandem ermöglicht es Frauen und Männern, Beruf und Führung besser unter einen Hut zu bringen. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, denn in beiden Modellen braucht es eine sehr enge Abstimmung und eine einheitliche und transparente Kommunikation.
Wichtig bei einem Führungstandem ist, dass sich die beiden Tandempartner selber finden. Man würfelt sie nicht einfach zusammen; beide müssen fest überzeugt sein, eine Abteilung gemeinsam führen zu wollen. Die Chemie muss stimmen.

Sie haben als erste Führungskraft in der DEG ein Führungstandem in Ihrem Bereich etabliert. Welche Hoffnungen und welche Befürchtungen hatten Sie, als Sie zum damaligen Zeitpunkt über diese Option nachdachten?

Ich habe mich damals sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, hatte dabei aber den Vorteil, dass ich eine der beiden Führungskräfte vorher schon sehr gut kannte. Wichtig für den Erfolg der Tandemkonstellation war für mich eine klare Aufteilung der Verantwortung und Abgrenzung der Einflussbereiche. Das persönliche Auskommen der beiden Tandempartner ist entscheidend für ein Gelingen.
Eine Tandemführung bietet viele Vorteile, auf die ich bei der Entscheidung auch gesetzt habe: hohe Flexibilität, gegenseitige Vertretungsmöglichkeit, bessere Erreichbarkeit, schnellere Entscheidungen, gegenseitige Ergänzung von Stärken und natürlich der Tandempartner als Sparringspartner. Dafür müssen sich die Tandempartner uneingeschränkt vertrauen – und so kommt man im Tandem vielleicht sogar zu besseren Ergebnissen.

Gibt es etwas, das Sie dann in der Praxis überrascht hat, womit Sie vorher nicht gerechnet hatten?

Ich hatte keine festen Erwartungen oder Vorstellungen: Ich war sehr offen und auch neugierig, ob und wie es funktionieren würde. Ich hätte mir aber tatsächlich nicht vorgestellt, dass eine Tandem-Führung wirklich reibungslos funktionieren kann. Und ich muss sagen, nach außen hin tritt das Führungstandem sehr konsistent und geschlossen auf. Ich kann mir zwar vorstellen, dass die beiden auch mal Reibungen haben. Das ist normal, dass es auch unterschiedliche Vorstellungen gibt. Aber nach außen treten sie geschlossen auf und das hat mich angenehm überrascht.

Abschließend wäre es schön, wenn wir von Ihnen noch ein Zitat dazu bekommen könnten, was eine Frau aus Ihrer Sicht mitbringen muss, um Karriere zu machen.

Mein Appell an alle Frauen ist „Traut Euch und traut Euch Führung zu, bleibt dabei aber authentisch und verbiegt Euch nicht.“

Interviewt von:
Aida Jobe, Eurowings I Eva Miriam Fuchs, DEG |

Dr. Hannelore Vogt

Leiterin der Stadtbibliothek Köln

Dr. Hannelore VogtLeiterin der Stadtbibliothek Köln

Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.

(Augustinus, 354-430)

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Große Offenheit und die Freude an dem, was ich tue, haben mich immer beglei­tet und voran gebracht. Besonders zeich­net mich meine schier unend­liche Neugier aus, die es mir er­mög­licht, Vertrau­tes aufzu­ge­ben und mit Mut Neues aus­zuprobie­ren. Das Ziel klar im Blick, gebe ich auch bei zu Schwierig­kei­ten nicht so schnell auf. Dabei ist es besonders wichtig, Priori­täten zu setzen und gut de­le­gie­ren zu können. Das Vertrauen in die Mit­arbei­ter*innen und dass die Mitarbeite­r*innen mir vertrauen können, berei­tet die Basis für eine erfolg­reiche konzeptionelle und inhaltli­che Arbeit und ihre stra­te­gische Um­setzung. Dass bei den Projek­ten auch Feh­ler passieren können und dür­fen, ist selbst­verständlich. Ein ehr­liches Interesse an Men­schen zu ha­ben, halte ich beson­ders wich­tig bei einer Führungs­kraft. Denn damit die Institu­tion nach außen funktioniert, muss es in­tern stim­men.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Jede Frau sollte sich viele Netz­wer­ke auf­bauen, beruf­lich und pri­vat, vor Ort, national und inter­national, sei es durch persön­liche Kontak­te, das Hal­ten von Vor­trä­gen oder durch Publika­ti­onen. Oft scheuen sich Frauen, Ihre Erfol­ge mit­zutei­len. Im Sinne eine positi­ven Selbstmarketings rate ich zur der Devise „Tue Gutes und rede darüber!“. So gelingt es, die persönliche Vita kontinuierlich zu bereichern und über den ei­ge­nen Teller­rand hinaus­zuschauen. Man sollte an sich selbst glau­ben, authentisch sein und die eigene Begeiste­rung zum Mo­tor wer­den las­sen und ande­re gleich mit begeistern. Die Erwartun­gen zu brechen und z.B. unerwar­tet sehr kompe­tent zu sein, kann bei der strate­gischen Umsetzung der eigenen Pläne sehr erfolg­reich sein.

Welche Hindernisse und Schwierig­keiten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Meist waren und sind es struk­turelle Hin­dernisse, wie etwa lange Ver­waltungs­wege, die über­wun­den wer­den müssen. Aber ich bin in posi­ti­vem Sinn dick­köp­fig. Regeln for­dern Kreati­vi­tät, um neue We­ge zu fin­den. Aber es lassen sich immer kreati­ve Spiel­räume aus­lo­ten, in denen Han­deln mög­lich ist.

Erlau­ben Sie uns noch eine persön­liche Fra­ge? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

Auf jeden Fall, ganz bewusst. Mein Privat­le­ben ist mir sehr wich­tig. Im Freundes­kreis kann ich außer­halb der beruf­li­chen Rollen­wahrneh­mung Kraft tan­ken, außer­dem gehe ich ger­ne Joggen.

Gibt es ein Motto, das Sie begleitet:

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen ent­fachen“, Augusti­nus (354-430)

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins I Stadt Köln |

Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagen

Ärztliche Direktorin Neurologische Rehabilitationsklinik RehaNova Köln gGmbH

Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagenÄrztliche Direktorin Neurologische Rehabilitationsklinik RehaNova Köln gGmbH

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Der Bereich Medizin wird nach wie vor von Männern dominiert. Welche Eigenschaften haben Ihnen geholfen sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen?

Es ist erfreulich, wie sich der Bereich Medizin wandelt und insgesamt weiblicher wird. Aber je höher Sie auf der Karriereleiter schauen, desto weniger Frauen sind dort repräsentiert. Was mir auf meinem beruflichen Weg bestimmt geholfen hat, waren konkrete Ziele. Ich wusste, dass ich gestalten und entscheiden möchte, und mir war klar, dass dafür bestimmte Karriereschritte erforderlich sind und ich diese auch nehmen möchte. Außerdem habe ich diese konkreten Ziele auch regelmäßig geäußert. So habe ich meinem damaligen Chef früh signalisiert, dass ich die Voraussetzungen zur Oberärztin erfülle und diese Position auch bekleiden möchte, und bin von diesem Ziel auch nicht zurückgewichen, als ich schwanger war.

Wie aktiv haben Sie in der Vergangenheit, aber auch aktuell, bewusst eine Karriereplanung verfolgt?

Obwohl Veränderungen spürbar sind, ist die Medizin nach wie vor sehr hierarchisch gegliedert. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um sich für bestimmte Karriereschritte zu positionieren. Diese Voraussetzungen zu erreichen habe ich sorgfältig geplant und umgesetzt, was mir leichtfiel, da diese meinen Interessengebieten entsprachen. Ich weiß, dass ich wahnsinniges Glück hatte, mir aussuchen zu dürfen, was ich beruflich machen wollte. Ich bin dafür sehr dankbar und war daher auch immer bereit, viel zu geben und meine Karriereplanung zu verfolgen.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die wegen der Vereinbarkeit von Familie & Beruf zögern Karriere zu machen?

Am wichtigsten ist, dass man an seinen Zielen festhält und auch in schwierigen Zeiten an diese glaubt. Frauen haben einen hohen Anspruch an sich, der sie zögern lässt, und sie schätzen sich meines Erachtens meist schlechter ein als sie sind und trauen sich weniger zu. „Einfach mal machen“, wäre hier mein Rat. Ich würde empfehlen, sich voll auf die Karriere einzulassen und den Willen zur Karriere zu zeigen. Man sollte sich nicht von einer in der Zukunft liegenden Familienplanung schon im Vorfeld einschränken lassen. Ergänzend zu allem ist es absolut empfehlenswert, Kontakte zu pflegen, sich zu vernetzen, Stichwort Frauennetzwerk, und sich Vorbilder zu suchen.

Interviewt von:
Melanie Schäfer, Kliniken Köln I Hannah Botz, Jobcenter Köln |

Rita Markus-Schmitz

Regionalvorständin Direktion Rhein-Erft I Kreissparkasse Köln

Rita Markus-SchmitzRegionalvorständin Direktion Rhein-Erft

Lassen Sie sich durch nichts von Ihrem Weg abbringen!

Frau Markus-Schmitz, was hat maßgeblich zu Ihrer Karriere beigetragen?

Fachkompetenz ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Darüber hinaus ist eine theoretische Qualifikation hilfreich. Es geht auch manchmal ohne, aber dann wird es ungleich schwieriger und der Karriereweg dauert ggf. länger. Außerdem ist es unverzichtbar, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Viel Netzwerken hilft hier ungemein. Und mir hat es geholfen, meine Chefs positiv zu überraschen: heben Sie sich vom Mainstream ab. Ich habe oft länger gearbeitet, viel Eigenverantwortung und Engagement gezeigt und mich ins Zeug gelegt. Solches Selbstmarketing fällt auf und man macht damit auf sich aufmerksam.

Darüber hinaus finde ich Empathie überaus wichtig. Diese Fähigkeit ist uns Frauen ja oftmals in die Wiege gelegt. Das sollten wir unbedingt nutzen. Um beispielsweise in Meetings zwischen den Zeilen zu lesen; die unausgesprochenen Worte zu hören und darauf zu reagieren. Damit verschaffe ich mir Autorität und man hört mir zu. Und viel für’s Team tun. Einfach mit dem Herzen dabei sein.

Zu guter Letzt habe ich mich auf meine Stärken besonnen. Fehlende Skills kann man sich auch prima über Mitarbeiter ins Boot holen. Man muss nicht alles selbst können. Ich arbeite lieber an meinen Stärken und versuche auch meine Mitarbeiter hierzu zu motivieren.

Welche Stolpersteine gab es in Ihrer Karriere?

Der größte Stolperstein oder eher die größte Herausforderung in meiner Karriere war definitiv das Übereinbringen meiner Führungsposition mit der Geburt meines Sohnes. Als ich vor 13 Jahren – damals war ich Bereichsleiterin – schwanger wurde, fragte mein Chef mich als erstes, was ich denn nun wolle: Kind oder Karriere? Ich wollte aber immer schon beides und konnte nicht akzeptieren, dass ich mich entscheiden sollte. Ich hatte Gott sei Dank tollen Support durch meinen Mann und meine Familie, so dass ich schnell wieder arbeiten gehen konnte. Auch mein Arbeitgeber hat mich sehr gut unterstützt. Heutzutage ist das etwas leichter. Auch viele Männer nehmen mittlerweile anteilig Elternzeit, so dass die Frauen schnell wieder in den Job zurück können.

So oder so funktioniert das aber nur, wenn sich alle einig sind und jeder Kompromisse eingeht. Man muss einfach bereit sein auch einmal auf etwas zu verzichten und sich jeden Tag gut organisieren.

Was war Ihre glücklichste Entscheidung?

Bei all der Freude im Job sind meine Familie und mein Sohn mein größter Erfolg und meine glücklichste Entscheidung war definitiv Mutter zu werden.

Interviewt von:
Nicole Kral, Delvag I Jennifer Heydmann, Diözesan-Caritasverband |

Andrea Grabowsky

Zentralbereichsleiterin I Kreissparkasse Köln

Andrea GrabowskyZentralbereichsleiterin

Man ist nicht an der Spitze, um hinabzublicken, sondern um vorauszuschauen!

Sie sind zur Zeit die einzige Zentralbereichsleiterin bei der Kreissparkasse Köln. Alle anderen Zentralbereiche werden von Männern geführt. Wie fühlt sich das an?

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Schon immer waren weniger Frauen in Führungspositionen und die Frauen, die sozusagen mit mir den Weg gegangen sind, sind über die Jahre immer die gleichen geblieben. In der nächsten Führungsebene sind inzwischen zum Glück einige Frauen hinzugekommen.

Natürlich hatte ich manchmal das Gefühl, mehr kämpfen zu müssen. In solchen Situationen ist es besonders hilfreich, einerseits kompetent und andererseits in der Sache auf dem Punkt zu sein. Man muss dann selbstbewusst nach vorne gehen und darf dem Impuls, sich verstecken zu wollen, nicht nachgeben.

Dies gilt auch im direkten Dialog. Ich habe die Kollegen offen und in Einzelgesprächen darauf angesprochen, wenn ich die Zusammenarbeit als schwierig empfunden habe. Allein diese Gespräche klären Grenzen und waren oft der erste Schritt zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Als Personalchefin haben Sie viel mit Menschen zu tun und Einfluss auf Personalentscheidungen oder Personalförderung. Was geben Sie jungen, engagierten Mitarbeiterinnen mit auf den Weg oder was können Frauen, die noch etwas erreichen wollen, von Ihnen lernen?

Ich glaube, man muss sich selber treu bleiben, sonst wird’s schwer. Frauen müssen viel mutiger dazu stehen, was sie sich zutrauen und können, anstatt danach zu schauen, was schwierig ist. Sich zu verbiegen oder zu versuchen, zu sein wie die Männer, macht einen im Zweifel nur schlechter. Es geht nur, wenn es in einem ist und man es wirklich will. Dann kann man es natürlich üben und ausbauen.

Tatsächlich muss man den größten Teil des Weges alleine gehen. Ganz wichtig ist dabei, dass das persönliche Umfeld stimmt. Man sollte Menschen um sich haben, die an einen glauben, die einen nach vorne bringen, die sagen „Hör mal, davon kannst du dich jetzt unmöglich ins Bockshorn jagen lassen. Du weißt doch, wer du bist und wofür du stehst und jetzt steh auf und geh‘ weiter!“ Mit jungen Mitarbeiterinnen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft Thema. Ich rate immer dazu, sich über sein persönliches Umfeld bewusst zu werden und mit dem Partner, der im Zweifel dann selber zurückstecken muss, zu sprechen. Sich zum Beispiel ständig zwischen dem Job und den eigenen Kindern entscheiden zu müssen, zerreißt jede Mutter irgendwann. Im Übrigen gibt es auch Beispiele, bei denen eine späte Karriere (also nach den Kindern) sehr erfolgreich war. Auch das ist eine Möglichkeit, denn die Kinder werden irgendwann flügge und so ein Arbeitsleben dauert schließlich rund 45 Jahre.

Man hört immer, dass Netzwerken so wichtig ist. Was für eine Bedeutung hat das Netzwerken, was zeichnet das Macherinnen-Netzwerk aus und warum ist das wichtig für Frauen in Führung?

Ein Netzwerk ist immer wichtig. Ohne ein Netzwerk werden Sie nie entscheidende Themen voran bringen können. Oft brauchen Sie andere Expertisen. Für jedes Thema ist es eine andere Koalition, die Sie eingehen müssen und die Sie vorwärts bringt. Das macht für mich ein Inhouse-Netzwerk aus. Im Außen ist das Netzwerk ganz entscheidend für das Marketing. Die Menschen finden nicht das Unternehmen toll, für das Sie arbeiten, sondern Sie als Person. Und das macht es Frauen oft leichter. Sie werden eher „umworben“ und weniger als Konkurrenz empfunden. Zum Netzwerken kann das außerordentlich nützlich sein und es ist auch völlig ok, sich das zu Nutze zu machen.

Das Macherinnen-Netzwerk ist ein sehr hochwertiges und vielfältiges Netzwerk. Gerade das Thema Frauenförderung ist nicht leicht voranzubringen. Hierzu in einen Austausch zu kommen und zu sehen, was andere Unternehmen für Ideen haben, ist extrem wertvoll. Wie platziere ich mein Unternehmen bei Karriere-Frauen? Was machen international tätige Unternehmen anders? Bei welchen Themen sind diese weiter und was können wir davon lernen? Das alles kann nur den eigenen Horizont erweitern.

Interviewt von:
Stephanie Schönenborn, Kreissparkasse Köln |
  • scroll down
  • scroll up

Wir müssen Wissen, Potential und Talente von Frauen nutzen und fördern, um ihre Beteiligung in allen Führungsebenen zu ...

YVONNE GEBAUERMinisterin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Ich bin den Dingen nie hinterhergelaufen, ich bin ihnen entgegen gegangen.

Liebe Frau Gebauer, was waren entscheidende Aspekte in Ihrer Karriere?

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, fundiertes Fachwissen aufzubauen und so Expertin in einem Themengebiet zu werden. Mein Fokus lag dabei immer auf der Schul- und Bildungspolitik, beginnend im Stadtrat von Köln. Während meiner bisherigen Laufbahn war ich glücklicherweise häufig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oft bin ich aktiv gefragt worden, ob ich mir eine Position mit mehr Verantwortung vorstellen kann. Dabei habe ich signalisiert, dass ich grundsätzlich Interesse an einem Aufstieg habe. Mir war und ist immer wichtig: neuen Herausforderungen aktiv entgegen zu gehen, sie aber nicht erzwingen zu wollen.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen haben Ihnen bei Ihrem beruflichen Karriereweg geholfen?

Neugier und Offenheit für Neues: Ein vielseitiges Interesse führt zwangsläufig zu einem breiten Informationsstand, vielfältigen Kontakten und damit unmittelbar zu einem fundierten Netzwerk. Hilfreich ist dazu eine gewisse Flexibilität, um Aufgaben positiv und mit Optimismus entgegenzugehen. Über die Zeit gelernt habe ich die Fähigkeit, Fehlschläge, die einem widerfahren, schnell abhaken zu können und nicht zu sehr darüber zu grübeln. Das kostet nur Zeit und Energie. „Überzeugung statt unberechtigter Selbstzweifel“ ist die Devise! Was bei meinem Karriereweg geholfen hat, ist Eigeninitiative zu zeigen.

Und zum Schluss: Wir gehen jetzt zurück an unseren Arbeitsplatz und basteln weiter an unserer Karriere… Welche Tipps können Sie uns mit auf den Weg geben?

Ein wichtiger Tipp ist, sich Menschen zu suchen, die einen unterstützen. Ich habe beispielsweise immer Menschen um mich gehabt, denen ich vertraue und von denen ich regelmäßig auch kritisches Feedback erhalte. Das hilft mir persönlich sehr, mich weiter zu entwickeln, meine Wirkung auf andere zu verstehen und Situationen besser einzuschätzen.
Außerdem kann man sich auf andere Menschen einstellen, wenn man verschiedene Kommunikationsstile beherrscht, sich dabei aber nicht verbiegt und vor allem nicht die Butter vom Brot nehmen lässt!
Und noch ein ganz praktischer Tipp. Ich habe gemerkt, wie wichtig eine ausdrucksstarke Stimme ist. Mir hat ein Stimmtraining sehr geholfen. Dort habe ich auch Übungen gelernt, um mit Situationen umzugehen, in denen ich aufgeregt bin. Die gute Nachricht: Die Nervosität geht irgendwann vorbei.

Interviewt von:
Linda Mörstedt, Eurowings I Kerstin Raczuhn, Sparkasse KölnBonn I Juliane Killich, DEG |
DR. STEPHANIE COßMANNBoard of Management I LANXESS AG

Frauen in Führungspositionen haben eine große Verantwortung, andere Frauen zu unterstützen – sei es als Mentorin, Vorbild oder Fürsprecherin.

Was sind Ihrer Auffassung nach die Gründe, weshalb es Frauen oft nicht in Führungspositionen schaffen, für die sie geeignet sind, und wie können Frauen diese Hürden überwinden?

Ein Grund liegt bei den Frauen selbst: Viele Frauen stellen ihre eigene Kompetenz in Abrede. Oft fehlt Frauen auch der Mut zur Doppelbelastung mit Kind und Karriere.
Ein zweiter Grund: In vielen Bereichen befördern Männer – auch ohne böse Absicht – lieber Männer, weil das bequemer und Diversität auch anstrengend sein kann.
Frauen in Führungspositionen haben daher eine große Verantwortung, andere Frauen zu unterstützen – sei es als Mentorin, Vorbild oder Fürsprecherin. Zumindest übergangsweise benötigen wir Netzwerke und auch die Frauenquote. Für eine echte Gleichstellung bräuchten wir im bisherigen Tempo sonst zu lange. Schließlich wollen Frauen sich auch selbst versorgen und ihre Rente aus eigener Kraft sicherstellen. Wenn sie dabei Familie und Karriere unter einen Hut bringen, dann kann das auch hart sein und bedarf viel Disziplin.

Wo bedarf es noch Verbesserung, damit Frauen sich weniger mit der Frage „Familie oder Karriere“ beschäftigen müssen, sondern sich für „Familie und Karriere“ entscheiden können?

Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort ist sicherlich hilfreich. Da hat uns die Pandemie einen Schub gegeben, Arbeitszeiten noch eigenverantwortlicher zu gestalten.
Unser selbstgemachtes Bild davon, wer Elternzeit nimmt und wer sich um die Kinder kümmert, muss sich ändern. Traditionelle Rollenbilder in den Köpfen sind nicht hilfreich. Da müssen alle umdenken: Wir Frauen, die Gesellschaft, aber auch die Männer.

Hatten Sie eine Art Mentor oder eine andere Person, die Ihnen Ratschläge gegeben hat und dadurch Ihren Karriereweg geprägt hat?

Ich hatte keinen Mentor, aber Personen, die mein Leben positiv beeinflusst haben. Beim Thema Disziplin haben mich insbesondere meine Eltern und meine Großmutter stark geprägt. Als ich bei LANXESS angefangen habe, hat mir mein damaliger Chef sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Beides hat mir sehr geholfen.

 

 

Interviewt von:
Katharina Klenk, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft I Kim Scherer-Winterlich, Allianz One Business Solutions GmbH |
STEPHANIE SCHMITZDirector HR Germany SIEGWERK

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, anzufangen, bevor man bereit ist – abhängig von unserem Mut.

Interviewt von:
|
PETRA RIGA-MÜLLERVorständin Commercial Insurance Germany I Zurich Gruppe Deutschland

Als Vorständin in der Versicherungsbranche liegt mir die Förderung von Frauen, von der Ausbildung bis zum Senior Leadership, besonders am Herzen, und ich freue mich, wenn wir gerade junge Talente für unsere Profession gewinnen können.

Interviewt von:
|
SERAP GÜLERMitglied des Deutschen Bundestages

Wie aktiv und konkret haben Sie Ihre Karriere geplant?

Eigentlich stolpert man da so ein bisschen rein. Also aktiv geplant habe ich es nicht. Ehrlich gesagt – wenig konkrete Planung. Ich wurde 2012 von meiner Partei gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, für den Landtag zu kandidieren. Dann kam ein Schritt nach dem nächsten. Insofern kann ich nicht sagen, dass ich einen 10-Jahres-Masterplan hatte, der irgendwie aufgegangen oder nicht aufgegangen ist.

Wie haben Sie Ihr berufliches Netzwerk aufgebaut, und wie haben Sie entschieden, wer ein:e wichtige:r Wegbegleiter:in für Sie ist?

Man sucht sich ein Netzwerk nicht immer selbst aus und trifft dabei eigene Entscheidungen. Ich hatte viele Wegbegleiter, tatsächlich wenig Wegbegleiterinnen. Ich wurde stark von Armin Laschet unterstützt. Aber auch Norbert Röttgen, der 2012 Parteivorsitzender war und von Generalsekretär Oliver Wittke, der meine Kandidatur und auch einen guten Listenplatz sehr stark unterstützt hat. Auch der Kreisvorsitzende vor Ort, Bernd Petelkau, hat mich immer stark unterstützt.
Es liegt an der Struktur der Partei, dass es mehr männliche Unterstützer waren. Unter all den Männern war auch eine Frau dabei: Ursula Heinen-Esser aus Köln, die mich hierhin geholt hat und die mich auch nach wie vor begleitet. Wenn Sie mich fragen, wer meine Mentorin ist, dann ist sie es. Heute erweitert sich mein Netzwerk, je mehr Menschen ich kennenlerne.
Ich suche mir innerhalb der Partei die Netzwerke aus, durch die ich unterstützt werde – kommunal vor Ort oder in Berlin. Und natürlich ergeben sich aus meinen Aufgaben immer wieder neue Kontakte, die mein Netzwerk erweitern.

Wie schaffen Sie Ihre Work-Life-Balance?

Bei mir ist es tatsächlich mehr Work-Balance, das Gleichgewicht klappt nicht immer gut.
Insbesondere durch mein Bundestagsmandat wird es nochmal schwieriger. Ich bin im Durchschnitt im Monat zwei Wochen in Berlin. Es kommt vieles zu kurz, was die Life-Balance ausmacht. Ich versuche es trotzdem, dass ich mir z.B. einmal in der Woche eine Jogging-Runde freischaufle oder im kollegialen Umfeld abends mal Essen gehe und nicht nur über Politik spreche. Aktuell kommt das alles allerdings zu kurz. Aber das ist nicht so schlimm, da mir die Arbeit Freude und Spaß macht!

Interviewt von:
Stefanie Brans I Sparkasse KölnBonn I Astrid Hilgers I Stadt Köln |
PROF. DR. DÖRTE DIEMERTKämmerin der Stadt Köln

Um aus der Masse herauszustechen, braucht es auch Mut.

Das diesjährige Cross-Mentoring von „Mit Frauen in Führung“ steht unter der Überschrift „Karriere gewinnt! Flughöhe“. Mit welchem konkreten Vorgehen haben Sie Ihrer Karriere mehr Flughöhe verliehen und inwiefern haben Sie Ihren Weg geplant?

Für meine Arbeit hat schon immer meine hohe Fachkompetenz gesprochen. Diese Qualität bringen aber viele mit. Um aus der Masse herauszustechen, braucht es auch Mut. Mut, die Komfortzone zu verlassen und sich selbst etwas zu zutrauen. Auch Mut zur Veränderung. Karrieren lassen sich teilweise planen, genauso wichtig sind allerdings auch Flexibilität, um auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren, und die Bereitschaft, Chancen zu erkennen und zu nutzen – also den Schritt ins Unbekannte zu machen und durch die Tür zu gehen, wenn sie sich öffnet.

Wir haben erfahren, dass Sie in Ihrer Freizeit gerne segeln. Welche Ihrer Fähigkeiten, die Sie sich dabei erworben haben, können Sie sich auch in Ihrem beruflichen Alltag zu Nutze machen?

Segeln lehrt unter anderem Demut und Gelassenheit, da der Mensch keine Kontrolle über die Wetterbedingungen wie Wind und Strömung hat. Hat man ein Ziel, muss man sich überlegen, wie man mit schwierigen Rahmenbedingungen umgehen möchte. Ob man bei stürmischer See gegen den Wind ankreuzt oder im Hafen den richtigen Moment abwartet, um einen Törn anzutreten. Das Leben an Bord lehrt außerdem Verantwortungsübernahme: Als Kapitän oder Kapitänin bestimme ich nicht nur den Kurs, sondern habe auch die Verantwortung für das Schiff sowie die Mannschaft und stelle sicher, dass alle heil ankommen.

Waren Sie selbst schon mal Mentee oder Mentorin und wenn ja, welchen Rat aus Ihren eigenen Erfahrungen können Sie uns mit auf den Weg geben?

Ich hatte nie offiziell einen Mentor oder eine Mentorin, aber in entscheidenden Lebensphasen immer Menschen, die mich kundig unterstützt haben. Und das ist auch mein Rat: sich Menschen zu suchen, die einem wohlgesonnen sind, Kenntnis vom beruflichen Umfeld haben und die gerne bereits ein paar Karriereschritte voraus sind und so Dinge schon mal spiegeln können. Sinnvoll ist es, deren Einschätzung proaktiv einzufordern und anzuhören, aber auch selbstbewusst den eigenen Weg zu gehen.

Und wenn der direkte Weg nicht zum Erfolg führt, gelingt es gegebenenfalls auf einem Umweg. Wichtig ist, sich nicht zu schnell entmutigen zu lassen. Wenn es nicht weiter geht, kann es helfen, einen Schritt zurückzutreten, das persönliche Setting zu analysieren, die Gesamtsituation unabhängig von sich als Person zu beurteilen und zu überlegen, was man tun kann. Ich habe gelernt, mit meinen Kräften zu haushalten, denn hier ist Durchhaltekraft gefordert.

Interviewt von:
Tamara Giechau, Sparkasse KölnBonn I Alexandra Hirsch, STROER |
Cordula von WysockiChefredakteurin Kölnische I Bonner Rundschau

Stark bleiben und individuelle Kraftquellen nutzen!

Warum glauben Sie sind 95% der Chefredakteure in Deutschland männlich und welche Eigenschaften haben Ihnen dabei geholfen, sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen?

Ich habe nicht das Gefühl, dass es Vorbehalte gibt, Frauen als Chefredakteurinnen einzusetzen. Allerdings gibt es in der Chefredaktion keine geregelten und festen Arbeitszeiten. Häufig wird bis in die Nacht gearbeitet, sodass eine Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie schwierig ist. Durch Heimarbeit, flexiblere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Führung in Teilzeit könnte sich das in Zukunft ändern.
Als Führungskraft kann man seinen Tag eigentlich nicht planen. Es passieren ständig unerwartete Dinge. Dabei hilft es, gute Nerven und einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich musste mich nie mit Kraft und Ellbogen gegen männliche Kollegen durchsetzen. Es reicht, gut zuzuhören und aufzupassen, um Karrieremöglichkeiten zu finden und zu nutzen.

Welchen Einfluss hat eine weibliche Chef-Redakteurin auf das Miteinander in der Redaktion und die Karrieremöglichkeiten von Frauen?

Das Miteinander ändert sich generell, wenn Frauen am Tisch sitzen, unabhängig davon, ob die Frau die Chefin ist. Nach meiner Erfahrung wirken sich gemischte Teams positiv auf das Klima und die Produktivität aus. Durch Frauen in Führung erweitert sich das Blickfeld und es entsteht eine andere Dynamik. Auch Männer setzen sich heute zunehmend dafür ein, dass Frauen Entwicklungsschritte machen und auf ihrem Karriereweg gefördert werden. Ich glaube aber, dass Chefinnen einen speziellen Blick darauf haben, woran es liegt, wenn sich eine junge Kollegin trotz Fähigkeiten und Kompetenzen nicht traut. Manchmal ist es ganz einfach und es braucht nur einen kleinen „Stupps“.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-30-jährigen „Ich“ aus Ihrer heutigen Lebens- und Berufserfahrung heraus geben und was sind Ihre Karriere-Tipps für junge weibliche Führungskräfte

Rückblickend würde ich den Rat geben, entschiedener zu sein – Entscheidungen schneller zu treffen, auch ohne vorab alle möglichen Folgen eruiert zu haben. Als Führungskraft steht man stets im Fokus der Mitarbeiter und sollte Entschlossenheit ausstrahlen. Daneben würde ich empfehlen, mehr Feedback zu geben, aber auch einzufordern. Empathie gegenüber den Mitarbeitern ist wichtig genauso wie ein regelmäßiger Austausch. Das fördert ein gutes Arbeitsklima im Team und jeder weiß, ob er die richtige Richtung eingeschlagen hat.
Als Tipp möchte ich jungen Führungskräften mitgeben, sich nicht durch selbstbewusste Auftritte männlicher Kollegen verunsichern zu lassen. Stark bleiben und individuelle Kraftquellen nutzen. Das können gute Freunde, Mentoren, Ratgeber sein, die im Notfall rund um die Uhr ansprechbar sind, die Zweifel ausräumen und zum Weitermachen animieren. Mir hilft immer der Satz: Es gibt für alles eine Lösung!

Vier Frauen vor Glasscheibe

Interviewt von:
Theresa Kolb, DuMont Mediengruppe I Sandra Steinbüchel, Sparkasse KölnBonn I Nadine Varghese-Kavalachirayil, Flughafen Köln/Bonn |
Dr. Bettina Horenburg

Die eigene Rolle überzeugend auszufüllen, sollte für Frauen genauso der Fokus sein wie für Männer. Wir sollten weniger vergleichen und vielmehr einfach überzeugen – mit dem was wir können.

Interviewt von:
|
CHRISTIANE LAIBACHGeschäftsführerin DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Niemand ist perfekt, wenn er/sie den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen.

Sie haben wichtige Karriereschritte als jeweils erste Frau in einem eher männlich dominierten Umfeld gemeistert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Durchaus unterschiedliche – das kennen wir sicher alle. Bevor ich zur DEG kam, bewegte ich mich über die Jahre in so unterschiedlichen Branchen wie der Finanzierung von Fluggesellschaften, der Schifffahrt und auch dem Risikomanagement. In der Flugzeugbranche fiel es mir zunächst nicht so schwer Fuß zu fassen. Die Community war sehr international, mit vielen jungen Gesichtern und angelsächsisch aber auch französisch geprägt. Diese Diversität, aber auch einige Frauen in Führungspositionen, an denen ich mich orientieren konnte, haben sehr geholfen. Richtig bewusst wurde mir dies aber erst, als ich mich in der Schifffahrtsbranche bewähren musste – hier geht es sehr traditionsbewusst zu, alteingesessene Kaufmannschaften und Reeder prägen die Kultur. Erst während dieser Zeit habe ich die Bedeutung von männlichen Netzwerken erkannt und mehr und mehr verstanden damit umzugehen. Das letzte Quäntchen zum vollkommenen Zugang fehlte jedoch immer. Gerade deshalb finde ich Frauennetzwerke so wichtig. Und über die Jahre entwickeln sich diese auch inhaltlich immer mehr. Die gegenseitige Unterstützung wird konkreter – in persönlichen Fragen der Karriere und auch im Austausch von Informationen, Ideen und Kontakten in geschäftlichen Fragen. Das finde ich sehr ermutigend.

Was hat Sie zu dem jeweils nächsten Karriereschritt motiviert?

Ich hätte mir nie vorstellen können, über Jahrzehnte immer sehr ähnliche Aufgaben zu haben. So ein Berufsleben ist lang, und Veränderung motivierte mich immer wieder. Mit jeder neuen Stufe in der Hierarchie ist nicht nur eine fachliche Weiterentwicklung verbunden und ein anderer Blick auf die Dinge. Man muss sich insbesondere auch als Mensch in einer neuen Rolle ausprobieren. Das hat mich stets gereizt. Dafür braucht es Neugierde und Mut, die Herausforderung anzunehmen. Frauen zögern und hinterfragen sich manchmal zu lange, wenn sich eine Chance ergibt. Ich kenne dies von mir selbst nur zu gut. Ich habe auch erst nach einiger Zeit verstanden, dass niemand perfekt ist, wenn er den nächsten Schritt geht. Aber es lohnt sich, den eigenen Stärken zu vertrauen. Ich rate Frauen, im richtigen Moment entschieden JA zu sagen.

Gibt es Erfahrungen, die Sie lieber nicht gemacht hätten?

Als ich 9/11 für die Flugzeugfinanzierung verantwortlich war und weltweit eine Konkurswelle von Fluggesellschaften auslöste, begann eine beruflich sehr schwierige Phase mit enormen Herausforderungen und Belastungen. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich mir diese Aufgabe nicht zugetraut. Damals hätte ich auf diese Erfahrungen gerne verzichten wollen. Aber im Rückblick habe ich in solchen Phasen am meisten gelernt. Wohl auch fachlich-inhaltlich, aber vor allem über mich persönlich. Ich habe erleben können, dass ich auch in Stresssituationen Aufgaben gut bewältigen kann und mich Rückschläge nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Dies hat mir in späteren beruflichen Situationen sehr geholfen und rückblickend wollte ich diese Erfahrungen nicht mehr missen.

Interviewt von:
Franziska Hollmann I DEG |
DR. DANIELA BÜCHELMitglied des Vorstands – Human Resources und Nachhaltigkeit

Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern!

Wie war Ihr Karriereweg?

Ich habe mich nach dem Abitur für ein Ökonomie-Studium an der idyllischen Uni Hohen­heim in Stuttgart entschieden. Während meines Studiums habe ich ein Auslands­semes­ter in Lissabon ab­solviert. Englisch und Französisch konnte ich schon gut, nun wollte ich auch Portugiesisch lernen. Nach meinem Stu­dium habe ich am Institut für Handels­forschung promoviert. Ich habe dort viele Beratungs­projekte, jedoch eher im Pharma­bereich durch­geführt. Einige Projek­te führten mich auch in den LEH, unter ande­rem habe ich die Ein­füh­rung der Balanced Score Card bei der REWE Group beglei­tet. Über diesen Weg habe ich auch erste Kontak­te zu REWE geknüpft und war schnell überzeugt bei der REWE einzu­stei­gen. Ausschlag­gebend waren für mich die Dyna­mik des Business und der überzeugende Chef! Bei REWE bin ich im Konzern­controlling eingestie­gen und habe dann diverse Bereiche verantwortet, u.a. das Konzern­marke­ting, die Nach­haltig­keit und Public Affairs. Mir waren immer Themen wichtig, bei denen ich das Gefühl hatte, etwas bewe­gen zu können. Im Mittel­punkt steht hier das Arbeiten mit Men­schen, Wer­ten und anderen Kultu­ren.

Es gibt nie den einen vor­gezeichne­ten Karriere­weg, es ist viel­mehr eine Mischung aus Leistungs­bereit­schaft, Eigen­initiati­ve, Offenheit und vor allem auch Glück. Ich hatte oft das Glück, zur richti­gen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem etwas zutrauen und einen fördern – ganz im Sinne eines Mentors. Auch ich hatte diverse Mentoren. Ich bin ich sehr stolz, ein Teil der REWE-Kultur sein zu dürfen!

Was würden Sie heute anders machen?

Rückblickend würde ich mir beim Start in eine größere Führungs­rolle von vorne herein Unterstützung durch ein entsprechendes Coaching holen. Vor 10 Jahren gab es quasi keine Coachings im Unternehmen. Es ist wichtig, das Thema Führung sehr ernst zu nehmen und sich hier entsprechend zu entwickeln. Außerdem würde ich mir meine eigenen Ziele deutlicher formulieren. Es ist wichtig, auch mal „nein“ zu sagen und sich bewusst zu machen, welche Priorität man derzeit hat.

Wie wichtig ist Netzwerken für Sie? Was bedeutet für Sie Netzwerken?

Netzwerken ist wichtig, ich bezeichne es jedoch lieber als Stake­hol­der Management. Es erweitert einfach den Blick­winkel. Ich selbst nutze Netz­wer­ke, die einen inhaltlichen Be­zug zu meiner Arbeit ha­ben, beispiels­weise zu den Themen HR und Nachhaltig­keit, aber auch ein Vorstands­netz­werk, in dem ich mich regel­mäßig engagiere.

Interviewt von:
Melanie Berthold und Ina Meyer I REWE Group |
DR. BIRGIT MEYERIntendantin der Oper Köln

Es braucht Fachwissen, eine große Disziplin und Ausdauer.

Wie haben Sie es geschafft, sich in der von Männern dominierten Opernwelt durchzusetzen – und zur mächtigsten Person der Kölner Oper zu werden?

Ich bin in einer sehr schwierigen Situation der Kölner Oper zu ihrer Intendantin geworden. Ich war zu dem Zeitpunkt stellvertretende Intendantin – und bin dann in die Chefposition nachgerückt. Die Oper war verschuldet, mein Vorgänger musste gehen. Das Klima war schlecht und es war eine verfahrene Situation. Ich denke, es war kein Zufall, dass ich als Frau gerade in diesem Moment zum Zug kam. Meine Erfahrung ist: Frauen werden häufig dann gerufen, wenn eine Situation aussichtslos erscheint, wenn es darum geht, Kompromisse zu schließen, Menschen und Meinungen zu integrieren, gemeinsam neue Wege zu suchen – und eben nicht lautstark zu tönen oder seine Ellenbogen auszufahren.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen haben Ihnen hierbei geholfen?

Zunächst einmal muss man sein Handwerk beherrschen. Es braucht Fachwissen, eine große Disziplin und Ausdauer. Ein Teil des Erfolgs ist es, durchzuhalten und die Dinge auch in einem aufgewühlten Sturm immer wieder mit Ruhe und Gelassenheit zu sortieren. Ein gewisser Pragmatismus ist hilfreich; allerdings darf man dabei niemals die Sache – in meinem Falle die Kunst – verraten. Sie müssen wissen, was Sie wollen. Und Sie müssen den Weg hierfür freischlagen. Dafür braucht es Energie, Freude und Überzeugungskraft. Als Opernintendantin habe ich es mit besonderen Menschen zu tun. Im Publikum, aber auch im Opernbetrieb. Um Künstler zu führen, braucht es eine Sensibilität und Empathie für diese kreativen Menschen und eine Bereitschaft, sich ganz auf sie einzulassen. In der Kultur ist der Prozess zum Erfolg sicher ein anderer als in der Wirtschaft. Mir ist es wichtig, meinen Mitarbeiter*innen Raum für Kreativität und Gestaltung zu geben.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20jährigen „Ich“ für eine erfolgreiche Karriere und eine Spitzenposition aus Ihrer heutigen Perspektive geben?

Es sind zwei Empfehlungen: Sich Zeit lassen. Und sich frei machen vom Erwartungsdruck anderer. Peter Lindbergh hat es kurz vor seinem Tod sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Alles, was man sieht, alles, was man hört und riecht und alles, was man sagt, bleibt in einem drin. Das ist da, in einem selber, und das muss man benutzen. Die meisten Leute wissen das nicht. Den größten Schatz der Welt schleppen sie mit sich herum.“
Ich empfinde das auch so. Unser eigener Erfahrungsschatz ist ein kostbares Kapital, welches wir auch in unserer Karriere einsetzen können. Nehmt Euch die Zeit, die Euer ganz persönlicher Weg braucht und spürt danach, wofür Ihr wirklich brennt und was Euch begeistert.

Interviewt von:
Dr. Katrin Neukamm, WDR I Sandra Steinbüchel, Sparkasse KölnBonn |
FRANZISKA HAGENLOCHERHead of Crew Resources and Steering

Man muss sich auch selbst eine gute Führungskraft sein und auf sich selbst achten. Denn nur mit gesundem Körper und Geist kann man auch für andere eine gute Führungskraft sein.

Welche Erfahrungen in deiner beruflichen Laufbahn haben deiner Karriere Flughöhe verliehen?

Ich war damals sehr jung, als ich eingestiegen bin, und das bei einer Airline, die gerade neu gegründet wurde. Dadurch habe ich sehr früh sehr viel Verantwortung übernommen. Ich habe mich nie weggeduckt, sondern Mut bewiesen und mir Dinge zugetraut. Ich habe nie drauf gewartet, dass man mir etwas auf dem Silbertablett serviert. Zusätzlich bin ich ein kommunikativer Mensch, netzwerke gerne und halte Kontakte, was mich stetig weitergebracht hat. Hierbei umgebe ich mich mit Menschen, die mich inspirieren, anstatt nur zum Zweck zu netzwerken, daher geht mir das leicht von der Hand. Authentizität ist in vielen Situationen der „winning factor“. Im Bewerbungsgespräch bei der letzten Beförderung war ich authentisch und ehrlich und hatte genau deshalb Erfolg.

Was sind aus deiner Sicht wichtige Führungseigenschaften und wie setzt du sie um?

Servant Leader – was muss ich tun, damit die Mitarbeiter*innen ihre bestmögliche Arbeit machen können? Stärken stärken, statt nur Schwächen schwächen.
Klarheit und Transparenz – auch wenn es unangenehme Entscheidungen gibt, müssen diese gut und offen kommuniziert werden. Nicht allein „Feel good Management“, sondern offen äußern, wenn etwas nicht gut läuft. Das bedeutet auch, das richtige Maß zu finden und den eigenen Druck, den man verspürt, zu managen: wie viel Druck gebe ich ans Team weiter und wie viel bleibt bei mir.
Menschlichkeit – ich bin Mensch, aber auch meine Mitarbeiter*innen haben menschliche Bedürfnisse, die gesehen werden wollen.
Immer auf Augenhöhe kommunizieren – auch wenn ich jünger bin als alle meine Führungskräfte, war das noch nie ein Problem. Hierbei hat geholfen, dass ich nie die Chefkarte gespielt habe.
Trust the process – anfallende Problemstellungen im Team diskutieren und durch die richtigen Fragen das Team dazu bringen, die bestmöglichen Lösungswege zu erarbeiten. Man muss Vertrauen in das Team und den Lösungsprozess haben, was am Anfang eine große Herausforderung sein kann.

Was sind die drei wichtigsten Tipps, die du uns im Hinblick auf Zielerreichung und Karriere mitgeben möchtest?

I. Netzwerken! Am leichtesten geht das mit Menschen, die inspirieren und Energie geben.
II. Frauen sollten sich gegenseitig besser promoten und zusammenhalten. Wir müssen nicht die Frauen verändern, sondern das gesamte System, das sich in den letzten Jahrzenten nun mal am Mann und seinen Bedürfnissen ausgerichtet hat.
III. Ich kommuniziere immer offen, wo ich gerade stehe und was ich brauche. Denn wer nicht kommuniziert, dem kann auch nicht geholfen werden.

Interviewt von:
Daniela Baers, WDR I Helena Prégardien, Kliniken der Stadt Köln |
DR. PETRA MEYER-OCHELBereichsleiterin Personalentwicklung Konzern REWE GROUP

Wir Frauen müssen uns nicht verbiegen und wie Männer werden, um nach oben zu kommen. Im Gegenteil: Ein Geheimnis des Erfolgs ist es, den eigenen Weg zu finden und die eigenen Potenziale zu entfalten und zu nutzen.

Sie kennen das Thema Führung aus der Selbständigkeit und aus der Konzernsicht. Was hat Sie gereizt, wieder in einem großen Konzern zu arbeiten?

In der Beratung habe ich mich mit dem Thema Führung intensiv aus konzeptioneller Sicht beschäftigt, hatte aber nur ein kleines Team. Auch, wenn ich nah am Kunden war, bei der Implementierung der Konzepte war ich nicht dabei. Ich wollte wieder viel stärker im Unternehmen mitgestalten, in die Umsetzung gehen und Führung übernehmen, was ich jetzt in einem großen Team kann. Mir macht das großen Spaß!

Was macht für Sie gute Führung aus?

Wichtige Aspekte guter Führung sind für mich Kommunikation auf Augenhöhe, Vertrauen, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken stärken – aber auch, Leistung einzufordern und aus Fehlern zu lernen. Dabei erwarte ich von einer guten Führungskraft, dass sie berechenbar ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, respektvoll und wertschätzend im Umgang. Die Grundhaltung und die Einstellung, gemeinsam aus Fehlern lernen zu können. Die Weiterentwicklung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für mich persönlich besonders wichtig.
Wichtige Aspekte guter Führung sind für mich klare Kommunikation auf Augenhöhe, Berechenbarkeit, Feedback und Vertrauen. Eine Führungskraft sollte ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken stärken und respektvoll und wertschätzend im Umgang sein. Genauso wichtig ist es aber auch, Leistung von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzufordern und regelmäßig konstruktives Feedback zu geben, um sich weiterzuentwickeln. Die Weiterentwicklung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für mich persönlich besonders wichtig! Darüber hinaus vertrete ich grundlegend die Haltung, gemeinsam aus Erfahrungen – positiven wie negativen Erfahrungen – lernen zu können. Denn vor allem auch Führungskräfte sollten offen dafür sein, ihr Handeln zu hinterfragen und dazuzulernen. Das kann letztlich allen nutzen.

Welche neuen Herausforderungen hat das Führen, nicht nur im Ausnahmezustand Corona, unter dem Aspekt New Work?

Ich denke, dass Führung und Zusammenarbeit in der neuen Arbeitswelt neu interpretiert werden müssen. Kompetenzen wie Veränderungsfähigkeit, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit werden wichtiger, um den Anforderungen der Arbeitswelt und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht zu werden.
Methoden und Werkzeuge ändern sich, aber wenn ich als Führungskraft die richtige Grundhaltung habe, kann ich diese Tools anpassen. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen den Unterschied machen – heute und zukünftig auch.

Interviewt von:
Caroline Wagner, Stadt Köln I Katja Petry, DuMont |
MARTINA WÜRKERGeschäftsführerin

Ihr Karriereweg: Was waren die größten Meilensteine auf Ihrem bisherigen Karriereweg und was hat Sie dabei am Stärksten geprägt?

Meine erste Führungsrolle: Es wurde erwartet, dass ich etwas sage und etwas tue. Ich hatte keinerlei Begleitung und wollte allen Anforderungen gerecht werden. Was dabei wichtig war und heute immer noch wichtig ist: Mit den Mitarbeitenden sprechen!
Zwei Situationen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben: Nach zwei Monaten war ich erstmals im Jugendhilfeausschuss. Ich traf eine Aussage und wurde am nächsten Tag in der Presse kritisiert. Es war ein Fehler, aber es hat mich gestärkt. Und mein Chef hat mir Freiheiten gegeben und stand hinter mir. Mit Anfang 30 hatte ich einen Mitarbeiter mit Alkoholproblem. Niemand zuvor hatte ihn darauf angesprochen. Ich tat es. Der Arbeitgeber ist derjenige, der Menschen anstoßen kann. Er ging in Therapie. Auch das geschafft zu haben, hat mich gestärkt.
Fazit: Mit Menschen reden ist enorm wichtig! Austausch und Coaching empfinde ich als Stärkung für mich und gibt Orientierung.

Work-Life-Balance: Eine solche Karriere erfordert hohen Einsatz. Wie schaffen Sie es täglich „bei sich zu bleib?en“? Haben Sie Tipps?

Dies gilt es immer wieder neu auszutarieren. Früher habe ich z. B. Theater gespielt, bis ich es nicht mehr regelmäßig zu den Proben geschafft habe. Ich überlege mir: Was ist mir wichtig? Wie kann ich mir die Aufgaben einteilen?
Dabei helfen Methoden zum Zeitmanagement nur bedingt. Denn die Prioritäten muss ich selbst setzen und kommunizieren. Heute gelingt mir dies besser. Ich habe Erfahrungen gesammelt, wie ich mich gut organisieren kann. Zum Beipspiel mache ich meinen Sport vor der Arbeit und integriere Bewegung in den Alltag. Das funktioniert gut und ich habe gelernt abzuschalten.
Grundsätzlich bemisst sich eine gute Führungskraft nicht nach dem Zeiteinsatz – außer wie viel Zeit ich mir für meine Mitarbeitenden nehme.

Weibliche Führung: Hatten Sie auf Ihrem bisherigen Weg Vor- oder Nachteile, weil Sie eine Frau sind? Gab es weibliche Vorbilder, die Sie in Ihrem Führungsverständnis gestärkt haben?

Ohne die Förderung meines (männlichen) Chefs hätte ich damals weniger Chancen auf meine erste Führungsstelle gehabt. Als Frau ist es oftmals anstrengender. Männer präsentieren sich in der Regel anders und bemessen Erfolge viel mehr an Zahlen und Fakten, so dass „frau“ lernen muss wie sie gehört wird. Heute gewinnen „weiche“ Faktoren an Bedeutung, wovon Frauen grundsätzlich profitieren.
Die Förderung von Frauen ist mir wichtig. Hierfür gilt es unter anderem entsprechende Strukturen zu schaffen (z. B. Führen in Teilzeit), von denen Frauen wie Männer profitieren. Mein Vorteil als Chefin ist, ich kann gestalten!
Ein Vorbild ist für mich Christiane Schönefeld (Vorstand Bundesagentur für Arbeit), da sie sehr souverän und selbstbestimmt agiert und es schafft trotz aller Normen Wege zu finden. Auch Jutta Allmendinger (Soziologieprofessorin) beeindruckt mich mit ihrem Auftreten.

Interviewt von:
Anna Maria Müther, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- u. Raumforschung I Margit Krahe, Sparkasse KölnBonn |
ANJA DRAXLERHead of HR & Legal Eurowings

Versucht nicht, die besseren Männer zu sein. Überdenkt Eure Zurückhaltung, aber bleibt Frauen.

Die Luftverkehr- und Tourismusbranche sind durch die Corona-Krise schwer getroffen. Sie wechseln mitten in dieser Krise Ihren Job, bleiben aber weiterhin dieser zu diesem Zeitpunkt gebeutelten Branche treu. Was hat Sie zu diesem mutigen Schritt motiviert?

Die beiden Berufsfelder, in denen ich schon tätig gewesen bin und für die ich auch eine Leidenschaft habe, hier in EINER Position vorzufinden. Und obwohl ich von mir nicht sagen würde, dass ich Kerosin im Blut habe, kann auch ich mich der Faszination des Airline Business nicht entziehen. Nicht wegen des Fliegens an sich, sondern weil es immer schön ist, zu sehen, wie wir Menschen und Wirtschaften miteinander verbinden. Kaum jemand kann sich vermutlich dem Flair eines Flughafens und der Emotionen in der Ankunftshalle entziehen. Meine Entscheidung stand bereits vor der Krise fest und wurde durch sie auch nicht geändert.

Welche (neuen/nicht absehbaren) Herausforderungen sind durch die Krise für Sie hinzugekommen und wie Sie sind diese angegangen?

Ich habe in den letzten 1,5 Jahren so viel gelernt, wie in den letzten 20 Berufsjahren nicht. Neben den fachlichen Themen wie Kurzarbeit und neuen Arbeitsschutzverordnungen war die größte Herausforderung aber, Entscheidungen in absoluter Unsicherheit treffen zu müssen. Ohne klare Fakten und sichere Prognosen. Das sind Skills, die man nicht aus Büchern lernt, da braucht man Mut, ein starkes Team und eine „Can Do“-Mentalität. Wir waren ein völlig neues Team und mussten uns jetzt einfach vertrauen – und das hat uns sehr zusammengeschweißt.
Was ich auch gelernt habe, ist ein Perspektivenwechsel: diese Situation ist keine Bürde, sondern eine Chance, um Dinge auszuprobieren. Man kann seinen Weg dadurch finden und den Verlauf prägen.

Was freuen Sie sich anpacken und umsetzen zu können, wenn dieser Sonderzustand der Pandemie zumindest soweit unter Kontrolle ist, dass wieder ein geregelteres Arbeitsleben stattfinden kann?

Die Eurowings ist ein Unternehmen, das viele Mitarbeitende aus anderen, übernommenen Airlines beschäftigt. Bisher haben wir es nicht geschafft, eine gemeinsame Kultur zu finden. Ich denke auch nicht, dass wir die Herkunft dieser Mitarbeitenden überschreiben sollen. Sondern wir müssen eine gemeinsame Identität finden, so, wie vielleicht in New York, wo Menschen von überall herkommen, ihre Wurzeln nicht vergessen und dennoch stolz sind, New Yorker:in zu sein. Und das schafft man nur mit persönlichen Kontakten und nicht per Videokonferenzen. Ich freue mich alle endlich persönlich kennenzulernen, inklusive meinem Team. Ich brenne echt darauf, loszulegen.

Abschließend wäre es schön, wenn wir von Ihnen noch ein Zitat dazu bekommen könnten, was eine Frau in einem bislang von Männern dominierten Umfeld wie der Luftfahrt mitbringen muss, um sich durchzusetzen und Karriere zu machen.

Versucht nicht, die besseren Männer zu sein. Überdenkt Eure Zurückhaltung, aber bleibt Frauen.

Interviewt von:
Eva Miriam Fuchs, DEG I Anita Spanier, Sparkasse KölnBonn |
YASMIN ASAbteilungsleiterin Zentrale Dienste

Einfach machen und Mut mitbringen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Führungsaufgabe?

Menschen zu entwickeln und sie zu begleiten. Es macht mir Freude, mit anzusehen wie Mitarbeitende an ihren Aufgaben wachsen. Vor allem durch Kolleg:innen, die zum ersten Mal eine Führungsposition inne haben, bekomme ich zusätzlich wertvolle Impulse für mein eigenes Führungsverhalten. Diese zwischenmenschlichen Erlebnisse motivieren mich mehr als so manch positives Ergebnis.

Das Motto des diesjährigen Cross-Mentoring-Programms lautet: Karriere gewinnt Flughöhe. Sind Sie während Ihres Karrierefluges mal in Turbulenzen geraten? Wenn ja, wie haben Sie diese überwunden?

Ich hatte mal eine Phase, in der es mir beruflich nicht gut ging. In dieser Situation habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, auch bei der Arbeit Menschen um mich zu haben, die mir nahestehen – nicht nur Familie und Freunde. Dieses Netzwerk ist gut, um weiterzukommen und um in solchen Situationen aufgefangen zu werden. Vor allem mein berufliches Umfeld kennt mein „Arbeits-Ich“ und kann mich entsprechend bestärken.

Was möchten Sie uns gern mit auf den Weg geben?

Einfach machen und Mut mitbringen. Lieber Entscheidungen treffen, die auch mal falsch sind, als sie komplett zu vermeiden. Vor allem beim Thema Führen in Teilzeit und Jobsharing bemerke ich viele Unsicherheiten bei Frauen. Hier kann ich nur sagen, führen kann man auch in Teilzeit lernen und beim Jobsharing kann man sich sogar gegenseitig unterstützen. Was soll im schlimmsten Fall passieren? Es nicht auszuprobieren, wenn man es möchte, ist keine Alternative.

Interviewt von:
Sarah-Luisa Görtz, DuMont I Julia Reinhardt, Eurowings |
SABINE CRAMERGeschäftsführerin DuMont Buchverlag

Die größte Hürde, war gleichzeitig meine größte Chance!

War Ihr Karriereweg eine bewusste Entscheidung und was hat Sie darin bestärkt?

Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn hatte ich nicht die Idee im Kopf, dass ich einmal verlegerische Geschäftsführerin werde. Mein Traum – dessen Erfüllung ich damals für eher unrealistisch hielt – war es, Lektorin zu werden. Mein Karriereweg war also keine bewusste Entscheidung. Vielmehr ist es im Laufe der Zeit und durch verschiedene Beförderungen dazu gekommen. Gestartet habe ich als Lektorin. Von dort sind es viele kleine Schritte bis zu meiner jetzigen Position gewesen. Ich war immer ein ehrgeiziger Mensch, was mir sicherlich auf meinem Weg geholfen hat. Außerdem war das Feedback meiner jeweiligen Vorgesetzten für mich wichtig und eine große Unterstützung. Rückblickend würde ich zwei meiner Vorgesetzten auch als Mentoren betrachten: Eine davon war eine Frau, der andere ein Mann.

Was, glauben Sie, ist der wichtigste Faktor damit Frauen die (höhere) Führungsebene erobern?

Die Frauen müssen es unbedingt wollen! Man muss eine überdurchschnittliche Motivation besitzen, vieles dafür tun und sich vor allem nicht darin behindern. Jemand, der sich immer genau an die Arbeitszeiten hält, nichts Zusätzliches leistet und nicht gut mit den Vorgesetzten zusammenarbeitet, wird keine Karriere machen. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Außerdem: Mut ist wichtiger als Perfektion. Frauen neigen dazu immer perfekt sein zu wollen und stehen sich damit selbst im Weg, sie müssen sich strategischer ausrichten und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Was waren Ihre größten Hürden auf Ihrem Karriereweg, und wie haben Sie diese überwunden?

Die größte Hürde war die Kündigung bei einem früheren Arbeitgeber. Das war eine sehr schmerzhafte Erfahrung, gerade weil sich zu dieser Zeit mein Leben vor allem um meine Arbeit drehte und ich einen hohen Anspruch an mich selbst hatte. Heute weiß ich, dass dieses Ereignis die größte Chance in meiner Karriere war. Schneller als ich dachte, habe ich einen neuen Job bekommen, der eins zu eins zu meinem Profil passte. Ich musste dafür zwar für zwei Jahre nach München ziehen, aber diese Flexibilität und Bereitschaft ist Voraussetzung in unserer Branche. Ganz besonders dann, wenn man beruflich aufsteigen möchte. Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass Frauen seltener berufliche Wagnisse eingehen. Ich kann jedoch nur sagen: Das Risiko gehört dazu!

Was ist Ihr Lebensmotto?

Es gibt kein konkretes. Das Leben ist Veränderung, und so finde ich immer wieder neue Antworten auf die Frage, was wichtig und richtig ist. So wird es auch nie langweilig. Oder ist das schon ein Lebensmotto?

Interviewt von:
Stefanie Lönnendunk, Jobcenter Köln I Alexandra Cahn, Flughafen Köln Bonn |
ANGELA LANGENBereichsleiterin Privatkunden Direkt- und Immobilienberatung I Sparkasse KölnBonn

Mein Mentor, der Vorstandsvorsitzende, hat mich bestärkt. Man braucht einen Türöffner.

Wir haben im Vorfeld natürlich etwas recherchiert und sind dabei auf einen Artikel des Magazins „Die Wirtschaft“ gestoßen, in dem folgendes Zitat von Dir zu Deinem Einstieg in eine Spitzenposition bei der Sparkasse zu lesen war: „Mein Mentor, der Vorstandsvorsitzende, hat mich bestärkt. Man braucht einen Türöffner.“ Hierauf zielt unsere erste Frage ab: Mit „man“ meinst Du im Speziellen Frauen oder allgemein Personen mit Ambitionen? Wie hast Du, abgesehen vom persönlichen Türöffner, den Sprung in die Spitzenposition geschafft?

Das ist generell gemeint. Es gibt keine „starken Männer, schwache Frauen“. Auch wenn es damals natürlich noch eine andere Zeit war. Für den Sprung in eine Spitzenposition braucht es auch nicht nur Glück, sondern auch Leistung, die auffällt. Das war bei mir der Fall. Hinzu kommt die Verantwortung von Führungskräften, zu fördern und Potenziale zu entwickeln. Diese Verantwortung bestand damals wie heute.

Bei der Sparkasse sind – wie bei vielen anderen Unternehmen auch – der Großteil der Führungskräfte männlich. Woran liegt das, und was muss sich hier noch ändern?

Die Offenheit gegenüber weiblichen Führungskräften besteht durchaus, nicht nur wegen einer Quote. Seit der Vorstand wieder rein männlich ist, möchte ebenjener wieder Frauen in seinen Reihen. Dafür muss jede Frau das Für und Wider abwägen und ihre persönliche Entscheidung treffen, damit auch eine innere Zufriedenheit – im Beruf und im privaten Leben – entsteht. Darüber hinaus zeigt meine Erfahrung auch, dass Frauen teilweise von ihrem eigenen Potenzial überzeugt und ein bisschen „geschubst“ werden müssen.

Was rätst Du anderen Frauen, die in eine Spitzenposition wollen? Und was rätst Du Männern?

Egal, ob Mann oder Frau, ich rate: machen und sich die Tätigkeit selbst zutrauen. Wichtig dabei ist, sich selbst treu zu bleiben und authentisch zu sein. Das bedeutet für Frauen auch: Versucht nicht ein „besserer Mann“ zu sein. Wisst, was ihr wollt, und setzt euch mit dem Thema Führung (mit allem, was dazu gehört) auseinander.

Interviewt von:
Annika Schmitz, Delvag I Julia Hoffmann, Jobcenter Köln |
SABINE MENDEZMitglied der Geschäftsführung Jobcenter Köln

JA, es muss eine Frauenquote geben.

Frau Mendez, was hat Sie motiviert nach so vielen Jahren im Beruf sich noch einmal auf ein Studium für den Höheren Dienst einzulassen?

Meine Motivation ist meine lebenslange Lern-Lust. Nicht „aufraffen“, sondern „ja“ sagen, begeistern mich immer aufs Neue. Der Spagat zwischen Familie und Beruf kann gelingen. Förderlich ist es, wenn frau sich davon verabschieden kann, überall perfekt sein zu wollen. Ich hatte immer Menschen an meiner Seite, die mich unterstützt haben: Familie, Freunde und professionelle, herzliche Kinderbetreuung. Menschen, denen ich vertraue, auch meinen Kindern habe ich immer viel zugetraut.
Auf Neues einlassen, auf mich und Andere vertrauen und gute Organisation sind Teil meines „positiven Mindsets“. Ich bin gerne an Gestaltungsprozessen beteiligt und das kann man aus einer Führungsposition heraus. Dafür setze ich mich auch abends gerne hin und lerne. Natürlich klappt nicht immer alles, und manches war auch schwierig, mein Fokus lag und liegt in der Regel auf den Möglichkeitsräumen. Alter finde ich, spielt dabei keine Rolle.

Sie haben eine Vorliebe für Improtheater. Sind diese Erfahrungen für Ihre Karriere hilfreich gewesen und wenn ja, wie?

Der Antrieb für das Improvisationstheater war nicht beruflich motiviert. Mich begeistert es mit Worten zu spielen, ad hoc reagieren zu müssen und jeden Dienstag einen festen Termin zum Lachen zu haben. Viele Elemente werden in Führungsworkshops aufgegriffen (eigene Wirkung, Feedback, schnelle Reaktionsfähigkeit, Interaktion mit anderen …). Hier gilt: „Scheiter heiter“ und versuch es „noch mal“. Man wächst über sich hinaus in dem man sich ausprobiert oder sich hin und wieder lächerlich macht. Das alles kann man bestens ins Berufsleben mitnehmen.

Was für eine Rolle spielt für Sie die Frauenquote und hat sich Ihre Einstellung dazu im Laufe des Berufslebens verändert?

Sie spielt eine große Rolle und ja, sie hat sich gewandelt. Vor 20 Jahren wollte ich keine Quote und heute sage ich „JA, es muss eine Frauenquote geben.“. Wir schaffen es ohne Quote, aber nicht im gleichen Zeitraum. Wecken wir den sportlichen Ehrgeiz der Vorstände, die ERSTEN zu sein, die die Frauenquote erfüllen. Es ist ein gesellschaftliches Thema, welches durch die Diskussion präsent bleiben muss. Ich möchte nicht wie ein Mann führen, sondern ich will „ICH“ sein dürfen. Es ist allerdings klug zu wissen, wie Männerbündnisse und Mechanismen funktionieren. Nutzen wir unsere eigene Vielfalt, Klugheit, Verbundenheit, um die Welt mitzugestalten.

Interviewt von:
Anita Spanier, Sparkasse KölnBonn I Ute Meissner, Stadt Köln |
DR. SARAH BRASACKStellvertretende Chefredakteurin des „Kölner Stadt-Anzeiger“

Ich hab immer gedacht, Warum eigentlich nicht?!?

Was zeich­net dich als Mache­rin aus? Siehst du dich über­haupt so?

Ich würde mich nie selbst als Mache­rin bezeich­nen, aber ich glaube schon, dass ich gut organisie­ren und Auf­ga­ben schnell und effizient umset­zen kann – außer­dem, dass ich gu­te Ide­en habe und in der Lage bin, diese Ergeb­nisse gemein­sam mit meinem Team um­zuset­zen.
Das ist aber vielleicht auch eine frauen­typi­sche Be­schei­den­heit. Natür­lich sind wir Macherinnen, aber das klingt aus eigener Perspek­ti­ve doch eher an­ge­be­risch. So etwas sagt man nicht gern über sich selbst.

Du stellst als Frau auf Führungs­ebe­ne im Bereich der Re­dakti­on eher eine „Besonder­heit“ dar. Wie hast du dich als Frau durch­gesetzt? Was hat dich besonders ge­macht?

Ich hab es gar nicht so empfun­den, dass ich mich gegen jemanden durch­gesetzt habe. Ich glaube, dass man einfach erkannt hat – und das ist ja auch nicht immer der Fall – dass ich gut bin in meinem Job. Aus meiner Sicht ist es immer noch häufig so, dass Vor­gesetzte zu Mit­arbeitern tendie­ren, die ihnen selbst ähnlich sind. Das ist dann häufig gleich­geschlechtlich einfacher. Da muss man das Glück haben, einen Vor­gesetzten zu haben, der eher den Fo­kus darauf setzt, eine gewisse Viel­falt im Team zu haben und der ganz neutral beurteilt, wer den Job am besten macht. Und dieses Glück habe ich einfach gehabt.

Was ist dein Allein­stellungs­merk­mal/USP?

Ich kann gut mit 15 Bällen gleich­zeitig in der Luft jonglie­ren und verlie­re dabei die einzelnen Aufga­ben nicht aus den Augen. Die Fähigkeit des Multi­tasking schreibt man ja eher Frauen zu 😉

… ein perfekter Über­gang zu deinem berufli­chen Werde­gang, der wie aussah?

Ich habe Musik­wissenschaften, Germanistik & Erziehungs­wissen­schaften studiert – und wollte unbedingt Journalistin werden. Nach dem Praktikum beim Ge­neral-Anzei­ger bin ich dort als freie Mit­arbeite­rin ein­gestiegen und habe zeit­gleich beim WDR in Köln gejobbt. Nach dem Magis­ter habe ich an der Uni ge­arbei­tet und dabei bereits organisatori­sche und verantwortungs­volle Auf­gaben über­nommen. Als ich 30 wurde, habe ich schließlich meinen Traum Journalistin zu werden in die Tat um­ge­setzt und beim Kölner-Stadt-Anzeiger ein zwei­jähriges Volontariat be­gonnen. Danach bin ich in die Lokal­redaktion Leverkusen ge­wech­selt und nach 6 Monaten stellv. Re­dak­tions­leiterin geworden. Noch ein halbes Jahr später bin ich Re­daktions­leiterin in Bergisch Gladbach geworden. Eigentlich hat mich immer jemand gefragt „Willst du das nicht machen?“ und ich hab immer gedacht „Warum eigentlich nicht?!?“. In Bergisch Gladbach habe ich dann auch die Zusammen­legung der Lokal­redaktio­nen vom Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau beglei­tet und neben den „normalen“ Führungs­aufga­ben noch aktiv an den Um­strukturierungs­prozessen mit­ge­wirkt. Nach dem Umbau bin ich dann nach Köln in die größte Lokal­redaktion als stell­vertretende Ressort­leite­rin gewech­selt.

Interviewt von:
Maike Neldner, DuMont |
ELKE HOLINLeiterin des Geschäfts­be­reichs Unternehmens­entwick­lung, Del­vag Versicherungs-AG

Lebensklugheit bedeutet: Alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.

(Arthur Schnitzler)

Was hat Ihnen bei Ihrem bisherigen (beruflichen) Lebensweg am meisten geholfen?

Auf meinem beruflichen Lebensweg hat es auch sehr herausfordernde Situationen gegeben, die mich stark forderten. In diesen Zeiten hat es mir geholfen, einen Schritt zur Seite zu gehen, Ruhe zu bewahren, die Situation von einer anderen Perspektive zu betrachten und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Ich habe diese Situationen immer als Chance begriffen, da sich für mich so oftmals neue Wege eröffnet haben, die ich andernfalls vielleicht nicht erkannt und mich somit auch nicht darauf eingelassen hätte. Ich habe auch gelernt, dass der Karriereweg nicht immer strikt geradeaus gehen muss. Ich halte es für sinnvoll, einen roten Faden in der beruflichen Planung zu verfolgen, der den persönlichen Neigungen und Stärken entspricht, ansonsten darf der Weg auch gerne mal etwas gewunden sein. So kann man nach der nächsten Biegung mit neuen und positiven Möglichkeiten überrascht werden.

Was sind Ihre Karrieretipps?

Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und ab und an eine Standortbestimmung durchzuführen. Dazu gehört auch der Blick zurück: Was habe ich erreicht, welche Stärken haben mir dabei geholfen, worauf kann ich mich verlassen? Aus dieser Position der Selbstreflektion heraus ist es einfacher, die berufliche Entwicklung im eigenen Sinne zu steuern und sein Profil zu schärfen. Auch schwierigen Situationen kann man sich nach meiner Erfahrung damit besser stellen.
Ein weiterer Tipp: Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich bieten – durchaus auch mit dem berühmten Mut zur Lücke, d.h. Unsicherheitsfaktoren in Kauf zu nehmen. Im besten Fall führt die Beschäftigung mit dem Unbekannten zu einer Schärfung bzw. Erweiterung des eigenen Profils und ist somit eine Investition in die Zukunft.

Haben Sie ein Motto, das Sie begleitet?

Die Ausgestaltung des Geschäftsbereichs Unternehmensentwicklung bedeutet Impulse zu setzen und Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Dies erfordert ein hohes Maß an Präsenz, Kommunikation, aber auch Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – manchmal scheinbar über das Machbare hinaus. Das oben genannte Zitat erinnert mich daran, Dinge zu relativieren, den Überblick zu behalten und alles in eine kluge Reihenfolge zu bringen.

Interviewt von:
Bettina Schreiner, Delvag Versicherungs-AG |
SIMONE KOLLMANN-GÖBELSSenior Vice President Procurement & Real Estate I STRÖER Gruppe

Was ist Ihrer Einschätzung nach ausschlaggebend für eine erfolgreiche Karriere?

Eine entsprechende Berufserfahrung, gute Projektergebnisse und das richtige Auftreten sind meiner Einschätzung nach entscheidender als zum Beispiel der erlangte Studienabschluss. Durch erfolgreich abgeschlossene Projekte bietet sich die Möglichkeit, sich für eine neue Position anzubieten und ein Netzwerk zu knüpfen. Ein solches Netzwerk ist häufig mitentscheidend. Man benötigt Förderer, die einem Türen öffnen und die Weiterentwicklung ermöglichen, einen gegebenenfalls in die richtige Richtung weisen sowie coachen oder auch für eine neue Position empfehlen können. Darüber hinaus muss man mutig sein und auf sich aufmerksam machen. Dabei sollte auch die Unternehmenskultur stimmen, die einen entsprechenden Aufstieg, z.B. unabhängig von Alter und Geschlecht, zulässt. Last but not least benötigt man aber auch manchmal einfach Glück.

Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen schreiben Sie einer guten Führungskraft zu?

Bei einer Abwägung, ob das erlangte Fachwissen oder die Fähigkeit zu führen ausschlaggebender ist, halte ich die Führungsqualitäten für wichtiger. Eine Führungskraft sollte sich zum Ziel setzen, dass ihre Teammitglieder die Führungskraft eigentlich nicht mehr brauchen. Dabei sollte man sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Wichtig hingegen ist gegenseitiges Vertrauen. Wenn dieses besteht, muss die Führungskraft nicht in alle Themen tief eintauchen. Vielmehr reichen dann stichprobenartige Plausibilitätschecks aus. Die Zielvereinbarungen für die Teams sollten dabei sowohl Top-down als auch Bottom-up erfolgen. So werden Betroffene zu Beteiligten und die Motivation in den Teams ist höher.

Welche Tipps würden Sie uns für unseren weiteren Karriereweg mitgeben?

Seid mutig! Man darf auch mal zu große Schuhe anprobieren. Ihr solltet euch trauen, neue Aufgaben und mehr Verantwortung zu übernehmen. Damit meine ich explizit auch, mutig zu sein, dies einzufordern oder sich bei einer sich bietenden Gelegenheit aktiv ins Spiel zu bringen. Sehr wahrscheinlich gibt es dabei nichts zu verlieren! Man lernt auch bei negativen als auch positiven Erfahrungen immer dazu. Und falls es mal nicht klappt: „Aufrappeln, Krönchen richten und weiter machen.“

Interviewt von:
Christine Lay I Linda Mörstedt, Eurowings Aviation |
Jutta WittlerRechtsanwältin, Partnerin I Luther Lawfirm

Wer gemischte Teams will, muss Frauen und Männern Teilzeit ermöglichen.

Liebe Frau Wittler, oft wird von der gläsernen Decke gesprochen. Sind Sie schon einmal dagegen gestoßen?

Mit Mitte 30 als ich eine Tochter bekam. Für mich stand der nächste Schritt an, und ich fand es total toll, dass ich Partnerin in einer Kölner Kanzlei werden sollte. Eine andere als die, für die ich heute arbeite. Die Familienplanung wollte ich vorher machen, damit alle sehen „Hey, die hat ein Kind und kann trotzdem diesen Schritt gehen.“ Und dann ging es eben nicht mehr. Da fing ich schon an zu grübeln, weil andere, männliche Kollegen, befördert wurden. Erst einmal habe ich gedacht: „Naja, ich arbeite ja auch nur bis 16 statt bis 19.30 Uhr.“ Aber ich fühlte mich extrem ungerecht behandelt: Zum ersten Mal bin ich an etwas gescheitert, das ich nicht verstehen konnte. Dann habe ich die Kanzlei gewechselt. Als Quereinsteigerin war die Partnerschaft kein Problem. Nun stelle ich fest, dass es auch bei uns einen Unterschied macht, ob man ein eigenes Gewächs ist und bei dem es irgendwann um die Familienplanung geht – dann scheint es ein bisschen langsamer zu gehen – oder ob man von außen kommt.

Seit kurzem stehen Sie aktiv mit den anderen Frauen in der Kanzlei Luther im Austausch. Wie sieht das aus?

Wir schalten uns per Videokonferenz zusammen. Inzwischen ist das ja zur Gewohnheit geworden. Wir sind 124 weibliche Anwältinnen – das ist ja schon mal ne Hausnummer. Wenn wir vor Corona ein Meeting geplant hätten, wären wir nie auf die Idee gekommen, das online zu machen. Wir hätten das in einem Hotel mit Übernachtung geplant und ganz sicher hätte es kritische Stimmen gegeben, dass die Frauen eine wilde Party oder was auch immer ohne die Männer feiern. Ganz einfach aus der Angst heraus, nicht dabei zu sein. Heute ist das Motto: Hauptsache man macht was! Auch die männlichen Kollegen finden es gut, dass wir uns treffen. Ich habe gerade erst im Handelsblatt gelesen, dass die Frauennetzwerke unheimlich aufblühen. Ich denke, das hat damit zu tun, dass die Diskussionen wegfallen. Mit einer Videokonferenz machen wir einfach. Keiner fragt: „Wo gehen die denn hin? Was machen die ohne uns?“

Wie ist die Resonanz unter den Frauen?

Auf einmal habe ich erfahren, dass jüngere Frauen in der Kanzlei bereits etwas auf die Beine gestellt hatten. So kommen wir zusammen, und es ist toll. Die größte Resonanz erlebe ich bei denen, die schon einen Karriereschritt hinter sich haben. Sie sind zwischen 34 und 38, überlegen wann sie den nächsten Schritt planen und gleichen das mit ihrem Privatleben ab. Das finde ich gut, dass sich da etwas bewegt.

Was muss sich noch bewegen?

Seit einem halben Jahr sehe ich Strukturen, die sich nicht geändert haben. Es ist wichtig, dass den Frauen klar wird, dass sie nicht alleine sind mit der Karriereplanung. Gleichzeitig müssen sich die Strukturen ändern: Wer gemischte Teams will, muss Frauen UND Männern Teilzeit ermöglichen, von dem Modell des Vollzeit-Juristen abrücken und akzeptieren, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt.

Interviewt von:
Anke Walenbergh und Sabine Rossi, WDR |
Petra LoubekLeiterin Innendienste Regional

Selbstmarketing ist das Non plus Ultra im Geschäftsleben!

 

Wer oder was hat Ihren bisherigen Lebens/Berufsweg geprägt?

Mein Lebenslauf ist vermutlich im Vergleich zu vielen anderen Führungskräften nicht immer perfekt gelaufen, aber genau diese Stolpersteine bzw. Niederlagen in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass mein Selbstvertrauen und meine Selbstsicherheit, doch das Richtige zu tun, mich unglaublich stark gemacht haben. Ich bin sehr neugierig auf alles Neue. Zudem gehe ich sehr bewusst mit den Menschen in meiner Umwelt um und beobachte, wie sie handeln und agieren. Bei Menschen, die mich in irgendeiner Art und Weise beeindrucken oder inspirieren, frage ich mich, was genau mich gerade anspricht. Wenn jemand z.B. souverän agiert, möchte ich das übernehmen und für mich und auf meine Weise umsetzen. Wenn ich etwas nicht gut finde, überlege ich, wie ich etwas besser machen könnte. Hierbei vertraue ich auch auf mein Bauchgefühl.
Ich habe sehr viel Spaß an der Arbeit, das hat mich auch so erfolgreich gemacht. Neben dem Beruf sind selbstverständlich Eltern und Freunde auch sehr wichtig, weil ich dann sein kann wie ich bin, und dort nicht zählt, welche berufliche Position ich inne habe.

Welche Karrieretipps können Sie anderen Frauen geben?

Es ist wichtig, sich immer wieder selbst zu reflektieren um seine eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren. Daran muss man täglich arbeiten. Ich möchte auf Augenhöhe wahrgenommen werden und um das zu erreichen muss jede Frau auch das Selbstvertrauen in das eigene Handeln haben. Frauen sollten sich nicht in irgendwelche Ecken und Nischen drängen lassen und auch immer wieder mutig sein, mitunter ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Frauen dürfen auch anpassungsfähig sein, sollten sich jedoch dabei nicht selbst verlieren. Keine Angst vor Veränderungen – hier sollte man stattdessen alles Neue als spannende Aufgabe wahrnehmen, an der man wachsen kann. Wichtig ist auch ein Netzwerk unabhängig von Hierarchie aufzubauen und man darf keine „Ellenbogen“kultur fördern.

Wie wichtig ist Selbstmarketing, was sollte beachtet werden?

Selbstmarketing ist das Non plus Ultra im Geschäftsleben!
Durch das gezielte Selbstmarketing in Gesprächen und Sitzungen habe ich es in der Hand, wie ich wahrgenommen werden möchte und auch wie ich von anderen gesehen und behandelt werden möchte. Daraus kann ich wichtige Rückschlüsse zu meiner Person ziehen. Ich sehe mich hier auch als „Pressesprecherin“ meiner Abteilung, die ich selbstverständlich positiv für Andere „vermarkten“ möchte. Allerdings bedeutet Selbstmarketing aber auch nicht, dass man immer in der ersten Reihe steht, oder sich in den Vordergrund drängen sollte, nein, manchmal ist es wichtig, einfach nur zum richtigen Zeitpunkt in Erscheinung zu treten.

Interviewt von:
Nathalie Nies, Stadt Köln |
Nelly KostadinovaGründerin und Inhaberin LINGUA WORLD

Don’t be a talker – be a doer!

Frau Kostadinova, Sie haben 1997 Ihr Übersetzungsbüro Lingua-World gegründet und sind eine international erfolgreiche Unternehmerin. Zuvor waren Sie bereits als freie Journalistin und Dolmetscherin tätig. Den Schritt in die Selbständigkeit wagen bis heute nur wenige Frauen. Was bewog Sie damals dazu und wer waren Ihre Vorbilder?

Selbständig wird man, weil man nicht anders kann. Ich konnte mir nicht vorstellen, unter der Leitung eines anderen zu arbeiten. Ich trage tief in mir eine enorme Energie und Leidenschaft, verspüre den Drang zu gestalten und dabei ständig neue Wege zu beschreiten. Man muss entschlossen sein und wie im Leistungssport immer wieder an seine Grenzen gehen, man muss wieder aufstehen und weitermachen können, wenn man einmal stolpert. Mein Leben war immer mit meiner Firma verbunden. Ich liebe das, was ich tue. Zudem hatte ich stets das große Bedürfnis, Arbeitgeberin zu sein, meine eigene Unternehmenskultur zu gestalten, Menschen zu führen und Verantwortung für meine Mitarbeiter und ihre Familien zu übernehmen. Unternehmertum bedeutet, mit Herz und Verstand dabei zu sein. Dies gilt insbesondere in Krisenzeiten, wie sie die Pandemie gerade verursacht.
Der Schritt in die Selbständigkeit ist etwas ganz Großes. Er erfordert unglaublich viel Kraft und ist selbstverständlich auch mit Unsicherheiten und Risiken verbunden. Man muss von sich und dem, was man tut, überzeugt sein, auf andere Menschen aktiv zugehen und ihnen zeigen, was man kann. Das fällt vielen Frauen heute immer noch schwer. Zudem ist es als Unternehmerin oftmals herausfordernd, den Balanceakt zwischen Beruf und Familie zu meistern. Es gibt viele Frauen, die sich daher bewusst für ein Angestelltenverhältnis entscheiden. Sie können sich unter dem Dach eines Arbeitgebers entfalten und gleichzeitig ihre Rolle als Frau und Mutter ausfüllen. Eine Familie zu führen und Kinder zu erziehen, das ist etwas Großartiges und Wunderschönes!
Auf meinem Weg hat mich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Vorbild begleitet: Als junge Journalistin durfte ich sie interviewen und ihr Satz „Bleiben Sie mutig!“ hat mich angespornt, immer groß zu denken und mich mit den Großen zu messen.

Mut ist eine der wichtigsten Tugenden für Sie. Was bedeutet Ihnen Mut und warum sollten wir alle mutig(er) sein?

Mut habe ich in mir entdeckt, ohne zu wissen, dass ich mutig bin. Ich wurde oft erfolgreich genannt und konnte das gar nicht so richtig glauben. Doch wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückblicke, verstehe ich: Alles, was ich tat, tue und noch tun werde, ist sehr mutig.
In jedem Menschen steckt eine große Portion Mut, aber nicht alle entdecken ihn. Mut ist eine Gabe! Man muss sich selbst in einer Mut erfordernden Situation nur erlauben, mutig zu sein. Niemand wird als Versager geboren. Wir entwickeln uns, wenn uns das Leben, die Arbeit vor Herausforderungen stellt. Ich denke, dass Vorbilder dafür eine wichtige Rolle spielen. Menschen müssen in diesen Momenten, wo es auf ihre Entscheidung ankommt, Vorbilder vor Augen haben. Das war meine Motivation, das Thema Mut in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und in meiner Fernseh-Wirtschaftssendung „Mut Café“ (rheinmaintv) außergewöhnliche Mutmacher vorzustellen – gerade jetzt in der Krise. Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind und ihnen vermitteln: „Auch DU bist mutig. DU musst den Mut in dir nur freilassen!“

In der aktuellen Situation fragen sich viele Frauen, wie man aus dem Home Office heraus überhaupt sichtbar wird und netzwerken kann. Haben Sie Empfehlungen, wie das trotz digitalem Abstand gelingt?

Für große Karrieren ist Sichtbarkeit unerlässlich. Doch sich sichtbar zu machen, das braucht Mut. Man muss sich trauen, vor einem Publikum oder einem Bildschirm zu stehen und zu sprechen.
Aber keine Sorge, das Mutigsein lässt sich trainieren! Als ich zum ersten Mal meine Visitenkarten verteilte, trug ich eine knallrot leuchtende Jacke und ganz ehrlich, mein Gesicht stand der Jackenfarbe in nichts nach. Aber ich hatte damals keine Alternative, ich musste etwas unternehmen! Wäre ich zu Hause geblieben, dann wäre ich heute nicht hier und könnte Ihnen keinen Rat als erfolgreiche Unternehmerin geben. Sichtbarkeit ist das Mittel, den Menschen zu zeigen, was du kannst.
Besonders in Deutschland sind die Frauen sehr schüchtern. Viele müssen lernen, „Ich kann das!“ zu sagen – und zu ihren Worten und damit zu sich selbst zu stehen. Es ist eine veraltete Tradition, dass eine Frau sich höflich zurückhält und darauf wartet, dass sie (von Männern) bemerkt und angesprochen wird. Schluss damit! Gehen Sie auf die Menschen, die Männer, die Gruppen zu und sagen Sie, wer Sie sind und was Sie können: „Hallo, ich bin Nelly Kostadinova. Ich führe mein internationales Unternehmen erfolgreich!

Auf mich wirken Sie so, als könnte Sie nichts und niemand umhauen. Viele Frauen haben dann aber doch Angst vor Kritik. Gerade die Frauen, die mutig vorangehen, müssen noch immer viel einstecken können.

Im Zweifel haue ich zurück, Boxen gehört nicht ohne Grund zu meinem Fitnessprogramm! Doch im Ernst: Ich kenne das auch. Ich habe aber längst gelernt, wie ich damit umgehen und wie ich mich verhalten kann. Man sagt: „Auf der Spitze ist es einsam.“ Für Karrierefrauen wird die Luft tatsächlich dünner, je höher sie auf der Karriereleiter aufsteigen. Und sie werden bei ihrem Aufstieg von Männern immer noch schärfer beobachtet und auch schärfer kritisiert.
Ich rate Ihnen: Stehen Sie da drüber! Sie müssen dazu nicht extra maskulin sein, aber Sie brauchen eine gewisse Härte, um die nötige Distanz aufzubauen. Sie dürfen anderen nicht erlauben, dass sie bis tief in Ihre Seele vordringen und Sie darunter leiden. Ihr Selbstbewusstsein gehört nur Ihnen, es steckt in Ihnen – keiner kann es Ihnen nehmen.

Sehen Sie sich als Macherin? Und was zeichnet Sie als solche aus?

Ich fühle mich als Macherin. Ich brenne für alles, was ich im Kopf und im Herzen trage. Ich zergrübele das nicht. Meine Leidenschaft und meine Entschlossenheit sind so groß, dass ich keine Angst habe, eine neue Idee auf den Weg zu bringen und umzusetzen. Ich bin sehr lösungsorientiert. Und das ist es, was alle Machern in sich haben: Wir können Entscheidungen treffen. Unser Erfolg kommt, wenn wir alle Schritte zum angepeilten Ziel gehen und uns dabei immer weiterentwickeln. Ich lebe mein Motto: „Don‘t be a talker – be a Doer“.

Interviewt von:
Heike Mück, DuMont I Randi Baum, REWE |
Sophia Schwind Bereichsleiterin Private Banking und Privatkunden

Welche persönlichen Eigenschaften mussten Sie im Laufe der Zeit für Ihre Karriere ablegen, und was ist Ihr Erfolgsrezept?

Mein Erfolgsrezept war, dass ich nicht Andere über meinen Werdegang entscheiden ließ, sondern mir immer spannende Geschäftsbereiche als Motivation und nächstes Ziel ausgesucht habe. Und damit ich diese neuen Aufgaben auch erhielt, habe ich es bei meinen Vorgesetzten proaktiv angesprochen und eingefordert.
Dies ist ein Vorgehen, das ich auch heute bei meinen Mitarbeitern schätze: Zeigen, dass man neue Aufgaben kennenlernen und angehen will. Die Sichtbarkeit ist sehr wichtig. Wenn man weiterkommen möchte, darf man nicht allein auf ein automatisches Jobangebot auf Grund guter Leistungen warten.
Ich empfehle, neue Aufgaben unter wohlwollender Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und im Bewusstsein des eigenen Wertes aktiv einzufordern. Sagen Sie sich: „Ich mache einen super Job. Ich bin mehr Geld und eine bessere und verantwortungsvollere Position wert“.

Welche Schattenseiten Ihres Erfolges mussten Sie bis heute erfahren?

Als Leiter ist man nicht mehr Teammitglied oder Teil der Gruppe. Die neue Rolle muss einem bewusst sein und nach innen und außen mit gelebt werden. Trifft die Geschäftsführung eine Entscheidung, muss diese dem Team vermittelt werden. Schmerzlich wird einem bewusst, dass man nicht mehr „everybody‘s darling“ ist. Hier hilft ein gutes Selbstvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten.
Eine weitere Schattenseite ist die zeitliche Inanspruchnahme. Da fällt schon einmal eine Freizeitaktivität oder Verabredung aus. Meine Freunde sind größtenteils in einer ähnlichen Rolle und haben daher Verständnis. Denn wenn man sich privat für das berufliche Weiterkommen rechtfertigen muss, ist dies auf Dauer nicht auszuhalten. Ein verständnisvoller und fördernder Partner, der einen privat entlastet, ist zudem auch ein großer Vorteil.
Aber Erfolg und Einfluss macht ja auch Spaß, und das ist die Investition, die man dafür leistet. Das Lernen einer neuen Sprache oder eines Instruments verschiebe ich erstmal auf später.

Würden Sie sagen, dass Ihre Entscheidungen immer richtig waren, oder was würden Sie rückblickend anders machen?

Meine beruflichen Entscheidungen waren wohl zum größten Teil richtig, sonst stünde ich nicht da, wo ich heute bin. Rückblickend wünschte ich mir, einige Entscheidungen früher getroffen zu haben. Ich habe mich zu lange zu wohl gefühlt. Um nach ganz oben zu kommen, muss man sich aus seiner Komfortzone bewegen und nicht zu früh zufrieden sein. Das bedeutet auch, sich für neue, unbekannte Aufgaben zu entscheiden. Auch wenn dies die Veränderung des gewohnten Umfelds und ggf. einen Umzug bedeutet. Bleibt aktiv auf der Suche!

Interviewt von:
Heike Pendro, STRÖER I Vanessa Starck, S-Immobilienpartner |
Dr. Viola FuchsLeiterin Apotheke

Warum ich das so mache? Weil ich es kann!

In welcher Situation mussten Sie sich gegen Männer mit vergleichbarer Qualifikation behaupten? Bitte beziehen sie sich in ihrer Antwort auf die Erfahrung mit Gender-Klischees, inwieweit sie für Sie eine Rolle gespielt haben und beschreiben Sie, wie sie sich in diesen Situationen gefühlt haben?!

Das ist ganz einfach zu beantworten: Noch nie!

„Der Weg ist das Ziel“, oder hatten Sie ihr Ziel klar definiert? Bitte gehen Sie auf Höhen und Tiefen ein, die Ihre Entscheidungen beeinflusst haben und benennen Sie, was Sie heute ggf. anders machen würden.

Ich bin ein Jahrgang 64 und habe 1983 Abitur gemacht. In der Zeit war man noch sehr fremdbestimmt von den Eltern. Das erhoffte Lehramtsstudium war nicht erwünscht, stattdessen habe ich eine Banklehre gemacht. Über meinen damaligen Freund kam ich dann auf Pharmazie. Ich habe mich durch dieses Studium gebissen, meine Approbation bekommen und war dann Apothekerin. Ich hatte nebenbei schon sehr lange und auch während des Studiums im Krankenhaus Holweide gearbeitet. Im September 1991 habe ich dann bei den Kliniken der Stadt Köln als Apothekerin angefangen und bin seitdem hier. Ich habe im Laufe der Jahrzehnte in fast allen Bereichen der Apotheke gearbeitet.
Mein Werdegang war nie zielgerichtet auf die Position, die ich heute ausfülle. Für mich war mein Beruf immer Mittel zum Zweck. Ich bekomme ein gutes Gehalt und dafür liefere ich eine gute Leistung. Mein Fokus lag immer auf der Familie. In der Zeit bei den Kliniken habe ich meine Doktorarbeit geschrieben, ein Haus gebaut, ich habe 2 Kinder bekommen und abwechselnd mit meinem Mann in Voll- oder Teilzeit gearbeitet.
Seit 2014 arbeite ich wieder in Vollzeit, weil mein Mann in Teilzeit das noch im Haushalt lebende Kind versorgt. 2014 habe ich die stellvertretende Leitung der Apotheke übernommen, 2018 die Leitung. Beruflich kommt es jetzt eigentlich dem am nächsten, was ich eigentlich bin – ein Organisator und Kommunikator mit Freude an der Personalführung und weniger Pharmazeut. Die Entscheidung war somit richtig. Aber es ist nicht so, dass ich einen Karriereweg aktiv verfolgt habe. Für mich stand immer Disziplin im Vordergrund und der Wille, die Arbeit bestmöglich zu erfüllen. Das hat mich im Laufe der Jahre mit zu der Führungskraft geformt, die ich heute bin.

Sie sind eine erfolgreiche Frau, die das Leben mit Kind und erfolgreichem Mann unter einen Hut bekommt, welche Eigenschaften mussten Sie dafür mitbringen oder erlernen und welche Emotion löst diese Aussage bei Ihnen aus?

Mein Mann hat den beruflichen Erfolg immer für die Familie hintangestellt. Er hält mir auch heute den Rücken frei für die Berufsausübung in der Führungsaufgabe. Für mich war maximal wichtig, dass unsere Kinder mit einem Elternteil zu Hause aufwachsen. Und wenn mein Mann nicht diese Verantwortung mit übernommen hätte, wäre ich wohl erst jetzt, wo unser Jüngster 18 Jahre alt wird, wieder in die Vollzeit übergegangen und hätte keine Leitungsposition übernommen. Ich wünsche allen Frauen, die eine Karriere anstreben, „moderne“ kompromissbereite Partner (w/m/d)!

Interviewt von:
Heike Pendro, STRÖER I Lydia Euchner, Kliniken der Stadt Köln |
MANUELA MARQUESBereichsleiterin „Customer Solutions“ DEG, Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH

Frauen sollten ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen.

Frau Marques, Sie leiten den Bereich „Customer Solutions“, ein Bereich, der sich durch Kreativität und Vielfalt kennzeichnet. Inwiefern entspricht das Ihrem Werdegang, und welche Eigenschaften zeichnen Sie aus, um Veränderungsprozesse und Themenvielfalt zu managen?

Für die Leitung des DEG-Bereichs „Customer Solutions“ fiel die Wahl der Geschäftsführung 2015 auf mich, nachdem ich zuvor das Middle Office und nunmehr die neue Abteilung Syndizierung & Wissensmanagement im neu geschaffenen Bereich aufbauen sollte. Neben einer breiten fachlichen Ausrichtung strahle ich in Veränderungsprozessen offenbar die nötige Ruhe aus und halte eine gute Balance zwischen den unterschiedlichsten Themen. Als Bereichsleiterin „Customer Solutions“ ist mein Interesse vor allem darauf gerichtet, was im operativen Geschäft gebraucht wird, was das eigentliche Ziel einer (aufzubauenden) Abteilung ist, wo etwaige Probleme liegen und wie wir gemeinsam zu pragmatischen Lösungen kommen. Darüber hinaus kann ich in der Führung sehr gut „Leine lassen“, um Mitarbeitern Raum für Kreativität zu geben. Bei den fünf recht unterschiedlichen Abteilungen meines Bereichs ist es darüber hinaus kaum möglich, in alle Themen sehr detailliert einzusteigen. Vielmehr sehe ich meine Rolle darin, bei Veränderungsprozessen alle Stakeholder mit ins Boot zu nehmen und etwaige Bedenken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Hierbei geht es mir darum herauszufinden, wo die Gründe für die Vorbehalte liegen, und gemeinsam alternative Lösungen zu entwickeln. All diese Facetten machen meinen Job unglaublich interessant.

Sie managen neben Ihrem Full-time Job noch eine Familie, sind Mentorin und in diversen Netzwerken aktiv. Wir erleben Sie als immer fröhlich und voll positiver Energie. Was gibt Ihnen für all diese Aktivitäten die Energie und wie bekommen Sie alles so locker unter einen Hut?

Meine Mutter war immer berufstätig, und auch ich wollte beides: einen interessanten Beruf und eine Familie. Vorbilder habe ich auch während meiner Zeit als Au-pair in Paris gefunden, wo es Normalität war, dass beide Elternteile berufstätig und viel unterwegs waren, und daneben das Familienleben mit kleinen Kindern gemeistert haben. Bei der Umsetzung dieses Lebenskonzeptes hat mich mein Mann sehr unterstützt, indem er als Freelancer die Familie an die erste Stelle setzen konnte und mir damit – insbesondere als die Kinder noch klein waren – den „Rücken freihielt“. Das war für mich ein unglaublicher Luxus, auch wenn ich lernen musste zuzulassen, dass der Vater in bestimmten Lebenslagen für die Kinder wichtiger war als die Mutter. Viel meiner Kraft rührt sicherlich daher, dass ich nach Hause komme und dort eine völlig andere Welt als im Büro vorfinde. Meine Kinder erden mich und stehen nach einem Arbeitstag mit ihren Themen ganz im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Darüber hinaus macht mir mein Beruf unglaublich viel Freude, und ich bin dankbar, dass meine Stärken erkannt wurden und ich mich beruflich weiterentwickeln konnte. Für mich ist eine gute Balance zwischen Beruf und Familie das A und O.

Was raten Sie Frauen, die Karriere und Familie vereinbaren wollen und trotzdem sie selbst bleiben wollen?

Hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde ich jeder jungen Frau raten, sich den passenden Mann dafür auszusuchen – sofern man die Partnerwahl überhaupt steuern kann. Der Mann muss ja nicht auf seine Karriere verzichten, sollte aber auch seiner Frau eine Karriere zugestehen. Das ist wirklich sehr wichtig. Eine zweite wichtige Voraussetzung ist der Spaß am Job. Nur dann ist FRAU in der Lage, Engagement zu zeigen und die Bereitschaft auszustrahlen, Verantwortung übernehmen zu wollen. Darüber hinaus sollten Frauen ihre Talente nicht verstecken und zu ihren Erfolgen stehen. In dieser Hinsicht sind Frauen häufig zu bescheiden und vermitteln den Eindruck, dass der Erfolg doch eine selbstverständliche Leistung war. Und – last but not least – halte ich es für wichtig, einen guten Ausgleich zu finden, etwas, bei dem FRAU ihre Batterien aufladen kann. Das kann Sport sein oder – wie in meinem Fall – die Gestaltung und Arbeit im Garten.

Interviewt von:
Christina Gabener, DEG |
EVA-MARIA MICHELStellvertretende Intendantin und Justiziarin WDR

Meine Mentorin war für mich der große Glücksfall!

Seit Oktober 1997 sind Sie Justiziarin im WDR. War das immer schon Ihr Karriereziel?

Nein, ich habe Jura studiert, weil ich Richterin werden wollte. Ich hatte vor zu promovieren und durch das Thema der Arbeit bin ich zum Süddeutschen Rundfunk gekommen als Referentin der damaligen Justiziarin. Bei ihr habe ich gesehen, dass es möglich ist, eine Führungsaufgabe als Frau mit Familie gut und erfolgreich zu machen. Das hat mich sehr beeindruckt.

War sie Ihre Mentorin?

Genau, das war für mich der große Glücksfall. Sie hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich die Aufgaben, die sie mir übertragen hat, erfüllen kann. Sie hat an mich geglaubt und mir die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich bemühe mich sehr, in meinem Team den Frauen auch diese Unterstützung zu geben. Eine Beobachtung ist, dass Frauen vielfach inhaltlich qualitativ besser sind, aber Männer sich oftmals besser verkaufen.

Woran liegt es, dass wir Frauen dieses Selfmarketing nicht gut können?

Ich selbst dachte auch immer, dass, wenn man eine Sache gut gemacht hat, darüber reden und Marketing gar nicht notwendig sind. Das ist falsch, heute sage ich: „Macht nicht nur gute Arbeit, sondern steht auf und redet darüber. Und wenn andere ihre tollen Leistungen loben, dann tönt bitte noch einen Ton lauter.“

Jetzt ist die Geschäftsleitung paritätisch besetzt, und über 35% der Führungskräfte im WDR sind weiblich. Gibt es im WDR speziell für Frauen Führungsseminare?

Es gibt ein internes Mentoringprogramm. In den technischen Bereichen gibt’s besondere Anstrengungen, weibliche Führungskräfte zu entwickeln und wir erhoffen uns auch, aus dem Bündnis neue Ideen und Anregungen zu bekommen. Alle Unternehmen haben festgestellt, dass Frauen eine Bereicherung sind. Sie haben in der Regel eine bessere soziale Kompetenz. Die meisten Frauen sind belastbarer und trotzdem ausgeglichener.

Ihr Arbeitstag ist sicher nicht nach acht Stunden zu Ende. Können Sie noch abschalten?

Ja, aber das habe ich mir hart erarbeiten müssen. Ich habe festgestellt, wenn ich dies nicht schaffe, dass das Leben dann nur noch aus Arbeit besteht, Freundschaften und Interessen auf der Strecke bleiben. Das darf nicht sein. Ich mache regelmäßig Sport, um Stress abzubauen. Und ich beginne den Tag mit Klavierspielen. Dadurch habe ich eine Zufriedenheit erreicht, die man nicht durch den beruflichen Erfolg bekommt.

Ist das Ihr Erfolgsrezept? Spaß und Zufriedenheit bei der Arbeit?

Ja, ich nehme meinen Beruf sehr ernst und er macht mir Spaß! Dazu gehört auch, dass ich in einem Direktorium bin, in dem ich gut angenommen bin und mich gut aufgehoben fühle. Ich kann mich einbringen und es sind Menschen, mit denen ich gerne arbeite. Und: hier im Justiziariat habe ich ein ganz tolles Team, auf das ich mich jeden Tag freue!

Interviewt von:
Anne Buchholz, WDR |
BETTINA MÖTTINGLeiterin des Amts für Gleichstellung von Frauen und Männern I Gleichstellungsbeauftragte

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

(Marlene Dietrich)

Frau Mötting, wie wurden Sie zu der, die Sie heute sind?

Mir war ein ehrliches, offenes Feedback immer sehr wichtig. Außerdem stelle ich mich stets Herausforderungen, auch wenn es oftmals eine harte Schule ist. Auch beobachte ich gerne Menschen und schaue mir einiges ab. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Diese Fähigkeit macht auch heute noch einiges leichter. Wenn ich so auf mein Berufsleben schaue, habe ich die stärksten Entwicklungen durch Feedback und auch das Lernen aus Fehlern gemacht. Fehler passieren jedem und oft absolut unabsichtlich. Das Lernen daraus hat mich wirklich unheimlich geprägt.

Welche Ihrer Entscheidung hat Ihre berufliche Karriere am meisten beeinflusst?

Mit Mitte zwanzig bewarb ich mich für einen Lehrgang bei der Stadt Köln für potentielle Führungskräfte und wurde als eine der Jüngsten angenommen. Dieser einjährige Lehrgang war schon eine Wende in meinem Berufsleben. Dort bekam ich viel Feedback, Führungskräfteschulungen, den Blick über den Tellerrand und vor allem baute sich ein Netzwerk auf, welches heute noch funktioniert. Ich wurde sichtbar! Ein zweiter wichtiger Schritt war kurz nach der Geburt meines Sohnes sicherlich auch die Übernahme einer verantwortungsvollen Führungstätigkeit in Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde zur Herausforderung, aber es nahm alles einen guten Weg, und ich würde es jederzeit wieder so machen.
2014 nahm ich als Mentee an einem Crossmentoring mit sieben Kölner Unternehmen teil. Auch diese Zeit hat meinen Horizont sehr erweitert und ich bekam interessante Stellenangebote. Viele Jahre war mir gar nicht bewusst, welchen Herausforderungen ich mich gestellt habe und wie ich diese gemeistert habe. Erst mit der Erfahrung und dem Wissen, was ich heute habe, gucke ich zurück und dachte, interessant was Du früher für jecke Sachen gemacht hast.

Müssen Frauen sich wie Männer benehmen, um erfolgreich zu sein

Nein, bitte nicht! Es ist anstrengender es nicht zu tun.

Familie und Beruf passen bei Ihnen unter einen Hut, weil…?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in erster Linie eine Organisationsfrage. Ich habe auch immer versucht, daraus kein Problem zu machen, sondern es immer selbstverständlich in den Alltag mit einfließen lassen. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber finde ich allerdings auch die Bedingungen vor, die mir all dies ermöglichen. Und natürlich habe ich zum Glück ein tolles Kind, das das alles gut mitmacht.

Was würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem 18-jährigen Ich sagen wollen?

„Blamiere dich täglich!“ Übersetzt heißt das: Sei entschlossen, probiere dich aus, riskiere auch mal Fehler zu machen, sei weltoffen. Das bringt dich voran. Ich hatte damals eine typische Mädchenerziehung. Es war schwer mich zu emanzipieren und meinen eigenen Weg zu finden. Deshalb hätte ich mir schon früher mehr eigene Courage für meinen Lebensweg gewünscht und mir etwas mehr Zeit für meine persönliche Entwicklung und Ausbildung nehmen sollen z.B. durch Auslandsaufenthalte.

Interviewt von:
Sabine Arimond und Heike Verbeeten, Jobcenter Köln |
BIRGIT OSSENDORF-WILLLeiterin Personal STRÖER

Mutig sein!

Du bist Mitglied des ExCom, der höchsten Entscheider-Ebene bei Ströer. Auf was führst Du zurück, dass Du diese Position erreicht hast und erfolgreich Dinge bewegen kannst?

Ehrlicherweise hatte ich keine Vorstellung davon, wie meine Karriere mal aussehen kann. Aber von Anfang an gab es Dinge, die für mich wichtig waren und heute noch immer wichtig sind: neugierig sein, Dinge von allen Seiten zu betrachten und mir bei Aufgaben (auch wenn sie mal nicht so spannend sind) zu überlegen, warum, wieso, weshalb und was geht besser. Wissbegierig sein, mit Themen überzeugen und Ergebnisse liefern. Mit Menschen zu arbeiten. Ich stehe für kreative – manchmal verrückte – Ideen, neue Impulse und deren Umsetzung. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sind für mich sehr relevant. Zutrauen und Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, auch mehr machen zu dürfen und mehr Verantwortung zu meistern. Es gibt immer ein „Mächtespiel“. Die Kunst ist es, dies als Spiel zu begreifen und mit Können, Humor, Witz und Souveränität aufzunehmen. Zickenterror oder besserwisserische Attitüden führen genauso wenig zu Ergebnissen wie Machogehabe.

Welche Tipps hast Du, sich in einer männerdominierten Entscheider-Ebene durchzusetzen? Inwieweit musstest Du dazu Dein Verhalten oder Auftreten auf dem Weg Deiner Karriere verändern?

Es gibt einen guten Tipp: Sei Du selbst. Ich finde, wir Frauen sind Frauen und sollen auch Frau bleiben. Die Geschlechter auf der Welt teilen sich ca. 50/50 auf. Wenn wir Kunden haben, dann wird die Verteilung wahrscheinlich ähnlich sein. Glauben wir wirklich, dass eine Gruppe von Männern oder eine Gruppe von Frauen gute Entscheidungen treffen, was diese Kunden benötigen? Ich sehe generell einen Vorteil darin in Teams eine größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten. Es gibt einen tollen Spruch den man dem österreichischen Philosophen Paul Watzlawick nachsagt: „Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun.“ Dieses Andere kommt in diversen Teams viel schneller ans Tageslicht als in konformen Teams. Weitere Tipps wären: Habt eine Meinung und vertretet diese. Vertretet auch die Leistung, die Ihr erbringt. Achtet darauf, dass Eure Themen klar, strukturiert und eindeutig formuliert sind. Habt eine Meinung und vermeidet Phrasen wie z.B. „Vielleicht könnten wir ja…“, „Es fühlt sich nicht gut an…“ Bleibt in Eurer Tonhöhe und werdet nicht schrill. Seid nicht launig. Ergreift Eure Chancen. Aber bitte bleibt Frau, und seid einfach gut!

Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, Entscheidungen oder Momente, die Dich erfolgreich gemacht haben?

Die erste wahrscheinlich: Jeden Tag daran denken, wie ich etwas verbessern kann, und es auch dann tun. Frei nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. Aber insbesondere mit Menschen arbeiten. Das treibt mich an und macht mir Spaß. Es freut und motiviert mich, wenn Teams funktionieren und ich bei der Optimierung der Ergebnisse mithelfen kann und durch neue Impulse etwas bewegen kann.

Wie hast Du es geschafft Familie, Partnerschaft & Privatleben mit dem Karriereweg zu vereinbaren? Welche Tipps hast Du, um eine Balance zu schaffen und dennoch die Karriere weiter zu verfolgen?

Ich arbeite sehr gerne und häufig auch sehr viel. Doch es funktioniert nur deswegen gut, da mein Mann ein echter emanzipierter Partner ist und wir Aufgaben selbstverständlich aufteilen. Dabei haben wir auch Aufgaben abgegeben und auch ohne schlechtes Gewissen externe Hilfe in Anspruch genommen, um die wenige private Zeit, die wir hatten, auch für uns und die Familie wertvoll zu nutzen. Es gibt Vorteile dabei: Meine Kinder haben durch externe Betreuung eine große Vielfalt erlebt. Wichtig ist allerdings: Wenn ich da war, war ich für sie da! Es ist auch klar, dass Prioritäten in der Familie – Geburtstage z.B. – echte Prioritäten sind. Wenn meine Kinder oder mein Mann Geburtstag oder einen „großen Tag“ haben, dann bin ich da und nicht woanders.

Interviewt von:
Silke Marlene Backhaus, STRÖER |
DR. KATRIN VERNAUVerwaltungsdirektorin WDR

John UND Jane – Vielfalt ist ein Gebot der Fairness!

Hatten Sie schon immer das Ziel vor Augen, Karriere zu machen?

Tatsächlich hatte ich nie das abstrakte Ziel, „Karriere zu machen“. Ich wollte immer eine Aufgabe haben, die mich fordert und bei der ich auch etwas bewegen kann. Und ich habe alles mit voller Leidenschaft und großem Engagement gemacht. Dass sich mein bisheriger Lebensweg möglicherweise als „Karriere“ darstellt, ist das Ergebnis, aber nicht das Ziel.

Gab es eine Mentorin/einen Mentor, die/der Sie gefördert hat?

Es gab und gibt immer wieder Menschen, die mir etwas zugetraut haben. So haben sich für mich Chancen ergeben, die ich ergriffen habe und an denen ich gewachsen bin. Diese Menschen haben einen Blick für die Entwicklungspotenziale in ihrem Umfeld und Freude daran, diese zu fördern.

Es heißt, Männer verkaufen sich generell besser. Warum ist Selfmarketing für uns Frauen so schwierig?

Ich glaube, Männer lernen tendenziell im Zuge ihrer Sozialisation eher, sich im Wettbewerb zu behaupten. Sie erkennen früher, dass es nicht nur darauf ankommt, brav gute Sacharbeit zu leisten, sondern damit auch wahrgenommen zu werden. Und dass es auch nicht hilft zu wissen, dass man selbst vielleicht die schlauste, fleißigste Person im Raum ist, sondern dass es auch auf Networking und Zusammenarbeit mit anderen ankommt. Frauen erfahren tendenziell, dass von ihnen erwartet wird, dass sie zum sozialen Zusammenhalt einer Gruppe beitragen, sich selbst darin einpassen, die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Damit gibt es schon sehr unterschiedliche Erfahrungshintergründe, wenn wir die Extrempunkte betrachten. Aber wir sind ja unser ganzes Leben lang lernfähig und können immer unser Verhaltensspektrum erweitern.
Allerdings habe ich auch beobachtet, dass ein und dasselbe Verhalten ganz unterschiedlich wahrgenommen wird, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau es an den Tag legen: Während Männer laut werden oder sehr entschieden, sogar hart, auftreten können, um ihr Gegenüber zu beeindrucken, sehen sich Frauen bei ähnlichem Verhalten dann schnell mit Zuschreibungen wie „hysterisch“ oder „Haare auf den Zähnen“ konfrontiert.
Es geht in jedem Fall darum, Gleichberechtigung bei der Entwicklung und Besetzung von Führungspositionen zu erzeugen – das ist allein schon eine Frage der Fairness. Zudem bin ich überzeugt, dass Vielfalt in jeder Hinsicht zu besseren Lösungen führt – so dass es auch im ureigenen Interesse jedes Unternehmens sein müsste, Führungspositionen mit unterschiedlichen Menschen zu besetzen. Wenn tatsächlich, wie die New York Times kürzlich ausgewertet hat, die Anzahl allein der Männer mit dem Vornamen John in Boards der Fortune-500-Unternehmen größer ist als die Anzahl der Frauen, dann ist dieses Ziel offensichtlich noch nicht erreicht!

Interviewt von:
Anne Buchholz, WDR |
PETRA KOTTEBereichsleiterin Finanzinstitute und Deutsche Wirtschaft I DEG

Mein Appell an alle Frauen ist „Traut Euch und traut Euch Führung zu, bleibt dabei aber authentisch und verbiegt Euch nicht.

Was sind Unterschiede oder Gemeinsamkeiten, aus Ihrer Sicht, zwischen einer „Doppelspitze“ und einem „Führungstandem“?

Beide Begriffe werden häufig synonym verwendet, gerade wenn es um den Paritätsgedanken geht. In der DEG hatten wir früher auch schon Doppelspitzen, da ging es aber nicht um paritätische Besetzung. Es haben zwei Vollzeit-Abteilungsleiter:innen eine große Abteilung gemeinsam geleitet, die aber auch hätte aufgeteilt werden können. Für mich ist ein Führungstandem im engeren Sinne, wenn sich zwei Teilzeit-Führungskräfte eine Stelle teilen und gemeinsam die Verantwortung für eine Abteilung übernehmen. Und hier zeigt sich ein Unterschied: Ein Führungstandem ermöglicht es Frauen und Männern, Beruf und Führung besser unter einen Hut zu bringen. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, denn in beiden Modellen braucht es eine sehr enge Abstimmung und eine einheitliche und transparente Kommunikation.
Wichtig bei einem Führungstandem ist, dass sich die beiden Tandempartner selber finden. Man würfelt sie nicht einfach zusammen; beide müssen fest überzeugt sein, eine Abteilung gemeinsam führen zu wollen. Die Chemie muss stimmen.

Sie haben als erste Führungskraft in der DEG ein Führungstandem in Ihrem Bereich etabliert. Welche Hoffnungen und welche Befürchtungen hatten Sie, als Sie zum damaligen Zeitpunkt über diese Option nachdachten?

Ich habe mich damals sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, hatte dabei aber den Vorteil, dass ich eine der beiden Führungskräfte vorher schon sehr gut kannte. Wichtig für den Erfolg der Tandemkonstellation war für mich eine klare Aufteilung der Verantwortung und Abgrenzung der Einflussbereiche. Das persönliche Auskommen der beiden Tandempartner ist entscheidend für ein Gelingen.
Eine Tandemführung bietet viele Vorteile, auf die ich bei der Entscheidung auch gesetzt habe: hohe Flexibilität, gegenseitige Vertretungsmöglichkeit, bessere Erreichbarkeit, schnellere Entscheidungen, gegenseitige Ergänzung von Stärken und natürlich der Tandempartner als Sparringspartner. Dafür müssen sich die Tandempartner uneingeschränkt vertrauen – und so kommt man im Tandem vielleicht sogar zu besseren Ergebnissen.

Gibt es etwas, das Sie dann in der Praxis überrascht hat, womit Sie vorher nicht gerechnet hatten?

Ich hatte keine festen Erwartungen oder Vorstellungen: Ich war sehr offen und auch neugierig, ob und wie es funktionieren würde. Ich hätte mir aber tatsächlich nicht vorgestellt, dass eine Tandem-Führung wirklich reibungslos funktionieren kann. Und ich muss sagen, nach außen hin tritt das Führungstandem sehr konsistent und geschlossen auf. Ich kann mir zwar vorstellen, dass die beiden auch mal Reibungen haben. Das ist normal, dass es auch unterschiedliche Vorstellungen gibt. Aber nach außen treten sie geschlossen auf und das hat mich angenehm überrascht.

Abschließend wäre es schön, wenn wir von Ihnen noch ein Zitat dazu bekommen könnten, was eine Frau aus Ihrer Sicht mitbringen muss, um Karriere zu machen.

Mein Appell an alle Frauen ist „Traut Euch und traut Euch Führung zu, bleibt dabei aber authentisch und verbiegt Euch nicht.“

Interviewt von:
Aida Jobe, Eurowings I Eva Miriam Fuchs, DEG |
Dr. Hannelore VogtLeiterin der Stadtbibliothek Köln

Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.

(Augustinus, 354-430)

Welche Ihrer Fähigkeiten waren für Sie besonders wichtig, um im Beruf Erfolg zu haben?

Große Offenheit und die Freude an dem, was ich tue, haben mich immer beglei­tet und voran gebracht. Besonders zeich­net mich meine schier unend­liche Neugier aus, die es mir er­mög­licht, Vertrau­tes aufzu­ge­ben und mit Mut Neues aus­zuprobie­ren. Das Ziel klar im Blick, gebe ich auch bei zu Schwierig­kei­ten nicht so schnell auf. Dabei ist es besonders wichtig, Priori­täten zu setzen und gut de­le­gie­ren zu können. Das Vertrauen in die Mit­arbei­ter*innen und dass die Mitarbeite­r*innen mir vertrauen können, berei­tet die Basis für eine erfolg­reiche konzeptionelle und inhaltli­che Arbeit und ihre stra­te­gische Um­setzung. Dass bei den Projek­ten auch Feh­ler passieren können und dür­fen, ist selbst­verständlich. Ein ehr­liches Interesse an Men­schen zu ha­ben, halte ich beson­ders wich­tig bei einer Führungs­kraft. Denn damit die Institu­tion nach außen funktioniert, muss es in­tern stim­men.

Welchen Tipp würden Sie einer Frau am Anfang ihrer Karriere mit auf den Weg geben?

Jede Frau sollte sich viele Netz­wer­ke auf­bauen, beruf­lich und pri­vat, vor Ort, national und inter­national, sei es durch persön­liche Kontak­te, das Hal­ten von Vor­trä­gen oder durch Publika­ti­onen. Oft scheuen sich Frauen, Ihre Erfol­ge mit­zutei­len. Im Sinne eine positi­ven Selbstmarketings rate ich zur der Devise „Tue Gutes und rede darüber!“. So gelingt es, die persönliche Vita kontinuierlich zu bereichern und über den ei­ge­nen Teller­rand hinaus­zuschauen. Man sollte an sich selbst glau­ben, authentisch sein und die eigene Begeiste­rung zum Mo­tor wer­den las­sen und ande­re gleich mit begeistern. Die Erwartun­gen zu brechen und z.B. unerwar­tet sehr kompe­tent zu sein, kann bei der strate­gischen Umsetzung der eigenen Pläne sehr erfolg­reich sein.

Welche Hindernisse und Schwierig­keiten mussten (oder müssen) Sie auf Ihrem Karriere­weg meistern?

Meist waren und sind es struk­turelle Hin­dernisse, wie etwa lange Ver­waltungs­wege, die über­wun­den wer­den müssen. Aber ich bin in posi­ti­vem Sinn dick­köp­fig. Regeln for­dern Kreati­vi­tät, um neue We­ge zu fin­den. Aber es lassen sich immer kreati­ve Spiel­räume aus­lo­ten, in denen Han­deln mög­lich ist.

Erlau­ben Sie uns noch eine persön­liche Fra­ge? – Haben Sie noch ein Privat­le­ben?

Auf jeden Fall, ganz bewusst. Mein Privat­le­ben ist mir sehr wich­tig. Im Freundes­kreis kann ich außer­halb der beruf­li­chen Rollen­wahrneh­mung Kraft tan­ken, außer­dem gehe ich ger­ne Joggen.

Gibt es ein Motto, das Sie begleitet:

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen ent­fachen“, Augusti­nus (354-430)

Interviewt von:
Dr. Manuela Beer und Tanja Krins I Stadt Köln |
Priv.-Doz. Dr. Kathrin Gerbers­hagenÄrztliche Direktorin Neurologische Rehabilitationsklinik RehaNova Köln gGmbH

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Der Bereich Medizin wird nach wie vor von Männern dominiert. Welche Eigenschaften haben Ihnen geholfen sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen?

Es ist erfreulich, wie sich der Bereich Medizin wandelt und insgesamt weiblicher wird. Aber je höher Sie auf der Karriereleiter schauen, desto weniger Frauen sind dort repräsentiert. Was mir auf meinem beruflichen Weg bestimmt geholfen hat, waren konkrete Ziele. Ich wusste, dass ich gestalten und entscheiden möchte, und mir war klar, dass dafür bestimmte Karriereschritte erforderlich sind und ich diese auch nehmen möchte. Außerdem habe ich diese konkreten Ziele auch regelmäßig geäußert. So habe ich meinem damaligen Chef früh signalisiert, dass ich die Voraussetzungen zur Oberärztin erfülle und diese Position auch bekleiden möchte, und bin von diesem Ziel auch nicht zurückgewichen, als ich schwanger war.

Wie aktiv haben Sie in der Vergangenheit, aber auch aktuell, bewusst eine Karriereplanung verfolgt?

Obwohl Veränderungen spürbar sind, ist die Medizin nach wie vor sehr hierarchisch gegliedert. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um sich für bestimmte Karriereschritte zu positionieren. Diese Voraussetzungen zu erreichen habe ich sorgfältig geplant und umgesetzt, was mir leichtfiel, da diese meinen Interessengebieten entsprachen. Ich weiß, dass ich wahnsinniges Glück hatte, mir aussuchen zu dürfen, was ich beruflich machen wollte. Ich bin dafür sehr dankbar und war daher auch immer bereit, viel zu geben und meine Karriereplanung zu verfolgen.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die wegen der Vereinbarkeit von Familie & Beruf zögern Karriere zu machen?

Am wichtigsten ist, dass man an seinen Zielen festhält und auch in schwierigen Zeiten an diese glaubt. Frauen haben einen hohen Anspruch an sich, der sie zögern lässt, und sie schätzen sich meines Erachtens meist schlechter ein als sie sind und trauen sich weniger zu. „Einfach mal machen“, wäre hier mein Rat. Ich würde empfehlen, sich voll auf die Karriere einzulassen und den Willen zur Karriere zu zeigen. Man sollte sich nicht von einer in der Zukunft liegenden Familienplanung schon im Vorfeld einschränken lassen. Ergänzend zu allem ist es absolut empfehlenswert, Kontakte zu pflegen, sich zu vernetzen, Stichwort Frauennetzwerk, und sich Vorbilder zu suchen.

Interviewt von:
Melanie Schäfer, Kliniken Köln I Hannah Botz, Jobcenter Köln |
Rita Markus-SchmitzRegionalvorständin Direktion Rhein-Erft

Lassen Sie sich durch nichts von Ihrem Weg abbringen!

Frau Markus-Schmitz, was hat maßgeblich zu Ihrer Karriere beigetragen?

Fachkompetenz ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Darüber hinaus ist eine theoretische Qualifikation hilfreich. Es geht auch manchmal ohne, aber dann wird es ungleich schwieriger und der Karriereweg dauert ggf. länger. Außerdem ist es unverzichtbar, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Viel Netzwerken hilft hier ungemein. Und mir hat es geholfen, meine Chefs positiv zu überraschen: heben Sie sich vom Mainstream ab. Ich habe oft länger gearbeitet, viel Eigenverantwortung und Engagement gezeigt und mich ins Zeug gelegt. Solches Selbstmarketing fällt auf und man macht damit auf sich aufmerksam.

Darüber hinaus finde ich Empathie überaus wichtig. Diese Fähigkeit ist uns Frauen ja oftmals in die Wiege gelegt. Das sollten wir unbedingt nutzen. Um beispielsweise in Meetings zwischen den Zeilen zu lesen; die unausgesprochenen Worte zu hören und darauf zu reagieren. Damit verschaffe ich mir Autorität und man hört mir zu. Und viel für’s Team tun. Einfach mit dem Herzen dabei sein.

Zu guter Letzt habe ich mich auf meine Stärken besonnen. Fehlende Skills kann man sich auch prima über Mitarbeiter ins Boot holen. Man muss nicht alles selbst können. Ich arbeite lieber an meinen Stärken und versuche auch meine Mitarbeiter hierzu zu motivieren.

Welche Stolpersteine gab es in Ihrer Karriere?

Der größte Stolperstein oder eher die größte Herausforderung in meiner Karriere war definitiv das Übereinbringen meiner Führungsposition mit der Geburt meines Sohnes. Als ich vor 13 Jahren – damals war ich Bereichsleiterin – schwanger wurde, fragte mein Chef mich als erstes, was ich denn nun wolle: Kind oder Karriere? Ich wollte aber immer schon beides und konnte nicht akzeptieren, dass ich mich entscheiden sollte. Ich hatte Gott sei Dank tollen Support durch meinen Mann und meine Familie, so dass ich schnell wieder arbeiten gehen konnte. Auch mein Arbeitgeber hat mich sehr gut unterstützt. Heutzutage ist das etwas leichter. Auch viele Männer nehmen mittlerweile anteilig Elternzeit, so dass die Frauen schnell wieder in den Job zurück können.

So oder so funktioniert das aber nur, wenn sich alle einig sind und jeder Kompromisse eingeht. Man muss einfach bereit sein auch einmal auf etwas zu verzichten und sich jeden Tag gut organisieren.

Was war Ihre glücklichste Entscheidung?

Bei all der Freude im Job sind meine Familie und mein Sohn mein größter Erfolg und meine glücklichste Entscheidung war definitiv Mutter zu werden.

Interviewt von:
Nicole Kral, Delvag I Jennifer Heydmann, Diözesan-Caritasverband |
Andrea GrabowskyZentralbereichsleiterin

Man ist nicht an der Spitze, um hinabzublicken, sondern um vorauszuschauen!

Sie sind zur Zeit die einzige Zentralbereichsleiterin bei der Kreissparkasse Köln. Alle anderen Zentralbereiche werden von Männern geführt. Wie fühlt sich das an?

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Schon immer waren weniger Frauen in Führungspositionen und die Frauen, die sozusagen mit mir den Weg gegangen sind, sind über die Jahre immer die gleichen geblieben. In der nächsten Führungsebene sind inzwischen zum Glück einige Frauen hinzugekommen.

Natürlich hatte ich manchmal das Gefühl, mehr kämpfen zu müssen. In solchen Situationen ist es besonders hilfreich, einerseits kompetent und andererseits in der Sache auf dem Punkt zu sein. Man muss dann selbstbewusst nach vorne gehen und darf dem Impuls, sich verstecken zu wollen, nicht nachgeben.

Dies gilt auch im direkten Dialog. Ich habe die Kollegen offen und in Einzelgesprächen darauf angesprochen, wenn ich die Zusammenarbeit als schwierig empfunden habe. Allein diese Gespräche klären Grenzen und waren oft der erste Schritt zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Als Personalchefin haben Sie viel mit Menschen zu tun und Einfluss auf Personalentscheidungen oder Personalförderung. Was geben Sie jungen, engagierten Mitarbeiterinnen mit auf den Weg oder was können Frauen, die noch etwas erreichen wollen, von Ihnen lernen?

Ich glaube, man muss sich selber treu bleiben, sonst wird’s schwer. Frauen müssen viel mutiger dazu stehen, was sie sich zutrauen und können, anstatt danach zu schauen, was schwierig ist. Sich zu verbiegen oder zu versuchen, zu sein wie die Männer, macht einen im Zweifel nur schlechter. Es geht nur, wenn es in einem ist und man es wirklich will. Dann kann man es natürlich üben und ausbauen.

Tatsächlich muss man den größten Teil des Weges alleine gehen. Ganz wichtig ist dabei, dass das persönliche Umfeld stimmt. Man sollte Menschen um sich haben, die an einen glauben, die einen nach vorne bringen, die sagen „Hör mal, davon kannst du dich jetzt unmöglich ins Bockshorn jagen lassen. Du weißt doch, wer du bist und wofür du stehst und jetzt steh auf und geh‘ weiter!“ Mit jungen Mitarbeiterinnen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft Thema. Ich rate immer dazu, sich über sein persönliches Umfeld bewusst zu werden und mit dem Partner, der im Zweifel dann selber zurückstecken muss, zu sprechen. Sich zum Beispiel ständig zwischen dem Job und den eigenen Kindern entscheiden zu müssen, zerreißt jede Mutter irgendwann. Im Übrigen gibt es auch Beispiele, bei denen eine späte Karriere (also nach den Kindern) sehr erfolgreich war. Auch das ist eine Möglichkeit, denn die Kinder werden irgendwann flügge und so ein Arbeitsleben dauert schließlich rund 45 Jahre.

Man hört immer, dass Netzwerken so wichtig ist. Was für eine Bedeutung hat das Netzwerken, was zeichnet das Macherinnen-Netzwerk aus und warum ist das wichtig für Frauen in Führung?

Ein Netzwerk ist immer wichtig. Ohne ein Netzwerk werden Sie nie entscheidende Themen voran bringen können. Oft brauchen Sie andere Expertisen. Für jedes Thema ist es eine andere Koalition, die Sie eingehen müssen und die Sie vorwärts bringt. Das macht für mich ein Inhouse-Netzwerk aus. Im Außen ist das Netzwerk ganz entscheidend für das Marketing. Die Menschen finden nicht das Unternehmen toll, für das Sie arbeiten, sondern Sie als Person. Und das macht es Frauen oft leichter. Sie werden eher „umworben“ und weniger als Konkurrenz empfunden. Zum Netzwerken kann das außerordentlich nützlich sein und es ist auch völlig ok, sich das zu Nutze zu machen.

Das Macherinnen-Netzwerk ist ein sehr hochwertiges und vielfältiges Netzwerk. Gerade das Thema Frauenförderung ist nicht leicht voranzubringen. Hierzu in einen Austausch zu kommen und zu sehen, was andere Unternehmen für Ideen haben, ist extrem wertvoll. Wie platziere ich mein Unternehmen bei Karriere-Frauen? Was machen international tätige Unternehmen anders? Bei welchen Themen sind diese weiter und was können wir davon lernen? Das alles kann nur den eigenen Horizont erweitern.

Interviewt von:
Stephanie Schönenborn, Kreissparkasse Köln |

Die größte Hürde war gleichzeitig meine größte Chance!

JA, es muss eine Frauenquote geben.

Wer gemischte Teams will, muss Frauen und Männern Teilzeit ermöglichen.

Wir verwenden Cookies zur bestmöglichen Nutzung unserer Webseite. - Weitere Informationen -

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close